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Video-Filmkritik : Vom Blitz getroffen: „Jugend ohne Jugend“

Bild: Sony Pictures

Zehn Jahre lang hat der amerikanische Regisseur Francis Ford Coppola keinen Film gedreht. Jetzt hat er sich an „Jugend ohne Jugend“, einen mythisch-magischen Stoff des rumänischen Religionsphilosophen Mircea Eliade, gewagt.

          Der Mann ist ein Wunder der Natur. Verbrannt und blutig, ein zuckendes Bündel unter Bandagen, kommt er ins Krankenhaus von Bukarest; die Ärzte geben ihm kaum ein paar Tage. Doch dann, vorsichtig, unbemerkt zuerst, beginnt seine Genesung. Als er den Mund öffnet, purzeln seine Zähne heraus; an ihrer Stelle wächst ihm ein neues, drittes Gebiss. Seine Haare beginnen zu sprießen, seine Gesichtszüge glätten sich, sein Körper wird wieder jung. Er sei siebzig Jahre alt, sagt der Mann, aber niemand glaubt ihm, zu deutlich spricht der Augenschein dagegen. Schließlich wird er unter Bewachung gestellt und in ein Sanatorium überführt, denn die Epoche ist unruhig, der Zweite Weltkrieg steht vor der Tür, und der braune Diktator Deutschlands interessiert sich für den Mythos der Unsterblichkeit. Der Mann, ein Altphilologe und Linguist, wird um sein neu gewonnenes Leben kämpfen müssen, er wird mit den Mächten seiner Zeit und den Kräften seines eigenen Inneren ringen, bis seine „Jugend ohne Jugend“ zu Ende geht.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Der Regisseur Francis Ford Coppola ist ein Mythos des amerikanischen Kinos. Das macht es schwer, seine Filme mit der gebotenen Respektlosigkeit zu betrachten. Coppola hat mit den beiden ersten Teilen des „Paten“ das Familien-Epos Amerikas und mit „Apocalypse Now“ den größten aller Vietnamkriegsfilme gedreht, er hat mit den Mächten Hollywoods und den Launen des Publikums gerungen, und er hat den Kampf um das Kino auch dann nicht aufgegeben, als er für ihn endgültig verloren schien. Vor fünfundzwanzig Jahren, nach dem Misserfolg seiner Großproduktion „Einer mit Herz“, stand Coppolas Zoetrope-Studio vor dem Bankrott, doch er drehte weiter. Und nach der Grisham-Adaption „Der Regenmacher“ (1997), die er selbst als Kniefall vor der Unterhaltungsindustrie verstand, gelang es Coppola zehn Jahre lang nicht mehr, ein eigenes Filmprojekt auf die Beine zu stellen. Aber er gab nicht auf, legte das Skript zu der Sciencefiction-Saga „Megalopolis“, an dem er so unermüdlich wie vergeblich gebastelt hatte, schließlich beiseite und ging einer anderen Spur nach - und so entstand, wie ein Funken aus der Asche, der Spielfilm „Jugend ohne Jugend“, der jetzt bei uns im Kino anläuft.

          Vom Blitz getroffen

          Ein Spielfilm? Eine Verfilmung. Vor gut dreißig Jahren veröffentlichte der in Chicago lebende und lehrende rumänische Religionsphilosoph Mircea Eliade (1907 bis 1986) seine Novelle „Youth without Youth“, die von der wundersamen Verwandlung des greisen Universitätsprofessors Dominic Matei erzählt. Matei, depressiv und kränklich, fährt aus einer Provinzstadt in Rumänien nach Bukarest, um seinem Leben ein Ende zu setzen. Aber bevor er zur Tat schreiten kann, trifft ihn ein Blitz, der ihn nicht nur nicht tötet, sondern ihm zu einer zweiten, mit übermenschlichen Fähigkeiten ausgestatteten Existenz verhilft. Fortan kann er sich den Inhalt seiner Bücher durch bloßes Betrachten ihres Einbands einverleiben, spricht fließend Chinesisch und Altägyptisch und verfügt über telepathische Kräfte. Und, vor allem: Matei altert nicht. Unbenagt vom Zahn der Zeit, umgeben von jungen Gefährtinnen, grübelt er über die Folgen künftiger Atomkriege und die Wurzeln der menschlichen Sprache und Geschichte.

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