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Video-Filmkritik „Total Recall“ - Diese Platte hat einen Sprung

Len Wiseman hat für sein Remake von „Total Recall“ den Schauplatz kurzerhand vom Mars auf die Erde verlegt. Das monotone Drehbuch fällt weit ab von der pointierten Literaturvorlage Philip K. Dicks.

© Sony, F.A.Z. Vergrößern Video-Filmkritik: „Total Recall“

Philip K. Dicks Geschichte „Erinnerungen en gros“ enthält auf wenigen Seiten so viele Wendungen und Motive, dass sich daraus problemlos mehr als eine Verfilmung ergeben kann. 1990 hielt sich der Regisseur Paul Verhoeven noch so halbwegs an die Vorlage, in der es um eine Reise zum Mars geht, die in Wirklichkeit gar nicht stattfindet, sondern nur als Erinnerungspaket in das Bewusstsein eines einfachen Mannes (Arnold Schwarzenegger spielte ihn in Verhoevens Film) implantiert werden soll.

Großbritannien und Ex-Australien

In der neuen Verfilmung durch Len Wiseman ist der Mars als Sehnsuchtsort und Abenteuerspielplatz nun völlig in den Hintergrund gerückt. Schauplatz ist vielmehr eine postapokalyptische Erde, auf der nur noch das vormalige Großbritannien und Ex-Australien bewohnbar sind. Praktischerweise befinden sich diese beiden Landmassen in einer Position zueinander, die eine Passage durch das Erdinnere erlaubt, einen Pendlerverkehr durch den Glutkern, bei dem man aufpassen muss, dass einem die Reiselektüre nicht entgleitet - denn auf halber Strecke wechselt die Schwerkraft die Richtung.

Da ein entsprechender Aufzug (genannt „The Fall“) ein wenig mehr Infrastruktur benötigt als etwa ein Kanaltunnel, können die Setdesigner von „Total Recall“ drum herum eine ganz brauchbare zukünftige Welt entwerfen, halb Raumstation, halb asiatisches Gassengewirr (also stark in Richtung „Blade Runner“ schielend). In dieser Welt lebt Douglas Quaid (Colin Farrell) mit seiner attraktiven Frau Lori (Kate Beckinsale).

Wilde Actionsstunts in Traum und Realität

Quaid wird von Träumen heimgesucht, in denen er wilde Actionstunts zu bestehen hat. Das deutet darauf voraus, dass er bald tatsächlich wilde Actionstunts zu bestehen haben wird. Er lässt sich nämlich zu einer Behandlung bei der Firma „Rekall“ hinreißen, die (in einem der finstersten Winkel des Gassengewirrs) Erinnerungen en detail anbietet. Quaid entscheidet sich für die eines Geheimagenten, während der Prozedur geht aber etwas schief. Fortan ist für ihn wie für das Publikum schwer zu entscheiden, ob er nun ein ehemaliger Freiheitskämpfer ist, dem die Identität eines einfachen Werktätigen übergestülpt wurde, oder umgekehrt.

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Die subjektivitätstheoretisch dümmliche Botschaft des Films ist, dass es darauf nicht ankommt, weil sich alles „in der Gegenwart“ entscheidet. Gegenwart bedeutet bei Len Wiseman aber vor allem, dass Quaid zusammen mit der Rebellin Melina (Jessica Biel) zu der schwer erträglichen Musik von Harry Gregson-Williams durch wilde Feuergefechte hetzt, dabei wundersamerweise nicht einmal einen Streifschuss abbekommt und Heere von Robotern kaltstellt.

Monoton wirkende Actionszenen

Am Ende taucht auch noch der menschliche Despot auf, woraus sich die nicht unkomische Szene eines Armdrückens zwischen Bryan Cranston (bekannt aus der Serie „Breaking Bad“) und Colin Farrell ergibt. Die Einfalt des Drehbuchs schlägt in „Total Recall“ auch auf die Actionszenen durch, die so monoton wirken, als hätte eines der Rekall-Implantate einen Sprung wie eine defekte Schallplatte. In diesem Fall gibt es also wirklich nur eine Empfehlung: den Film vergessen (oder besser gleich gar nicht anschauen) und die Vorlage lesen. Die hat nämlich eine enorm nachhaltige Pointe.

Ab Donnerstag im Kino

Quelle: F.A.Z.

 
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