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Video-Filmkritik : Der Witz ist die Botschaft

  • -Aktualisiert am

Bild: Paramount

Womöglich war der Wahre der Falsche, und der Richtige ist nicht mehr lustig. Chris Rock erzählt in seinem Film „Top Five“ von einem Komiker in der Krise - und damit auch von sich selbst.

          Ein Komiker ist dann „hilarious“, wenn er kaum noch etwas tun muss. Auf die Bühne gehen, ein Gesicht machen - und das Publikum brüllt vor Lachen. Chris Rock ist einer dieser Komiker. Seit er 1987 in „Beverly Hills Cop II“ einen Parking Valet gespielt hat, hat er sich zu einem der erfolgreichsten afroamerikanischen Entertainer entwickelt, wiedererkennbar nicht zuletzt an seiner Stimme, die er zuletzt mehrfach dem Zebra Marty aus „Madagascar“ geliehen hat. Die höheren Mainstream-Weihen erhielt er 2010, als er in „Grown Ups“ neben Adam Sandler, Kevin James und David Spade auftrat. Chris Rock ist ein „shit disturber“, der es aber nie wirklich zu weit treibt.

          Dass er für seine eigene Community eine Integrationsfigur ist, kann man nun sehr schön in „Top Five“ sehen, einem offensichtlichen Herzensprojekt, bei dem Chris Rock Regie, Drehbuch und Hauptrolle auf sich vereint. Es ist fast so, als hätte Fellini „8 ½“ mit sich selbst gedreht oder als wäre „Der Stadtneurotiker“ plötzlich schwarz. Und es geht um das Eingemachte: Was ist, wenn ein Komiker plötzlich nicht mehr „hilarious“ ist? Die Figur Andre Allen, die Rock hier spielt, ist kaum von ihm selbst zu unterscheiden. Mit einem großen Film über die Sklavenrevolution in Haiti zu Beginn des 19. Jahrhunderts will Allen eine neue Phase seiner Karriere einläuten. „Uprize“ sieht aus wie ein Film von Oliver Stone und ist wohl auch so gemeint: Endlich geht es nicht mehr um Witze, sondern um eine Botschaft. Um diesen Film zu vermarkten, trifft Andre Allen sich mit einer Reporterin von der besten Zeitung New Yorks. Sie heißt Chelsea Brown (Rosario Dawson), und sie muss sich das Vertrauen des Stars erst erarbeiten, denn sie ist kein Fan seiner bisherigen Arbeiten.

          Ganz unverständlich ist das nicht, denn Allen wurde mit dem Franchise „Hammy the Bear“ berühmt. Der Name reicht, um sich eine entsprechende Vorstellung davon zu machen. Man sollte vielleicht noch dazusagen, dass er für die Rolle ein Ganzkörperkostüm tragen muss. So viel zu den Möglichkeiten von „hilarious“.

          Inspiration durch Alkohol und Drogen

          Aber Hammy ist eben der Grund, warum Allen seriös werden möchte. Dahinter verbirgt sich allerdings ein Geheimnis, das an die Grundlagen der Kreativität reicht: Alkohol und Drogen. Damit ist seit einer Entziehungskur Schluss, nur ist seither auch irgendwie die Inspiration weg. Alle warten darauf, ob sich der wahre Allen noch einmal zu erkennen gibt, aber der wahre Allen war möglicherweise der falsche, und der richtige ist nicht mehr lustig.

          Die eigentümliche Faszination, die von „Top Five“ ausgeht, rührt genau von dieser Unklarheit her. Denn das, was Allen mit „Uprize“ versucht, macht Chris Rock mit seinem Film selbst auch: einen Versuch, die Bedingungen neu zu definieren. Dass er dabei die klassische selbstreflexive Form einer „Showbiz Comedy“ gewählt hat, eines Films über das Geschäft, liegt nahe und exponiert ihn doch ungemein. Denn es gibt hier nur zwei Möglichkeiten. Entweder ist „Top Five“ selbst gnadenlos lustig, oder aber Chris Rock findet einen anderen Tonfall, eine Möglichkeit, auf eine nachdenkliche Weise komisch zu sein, oder gar eine Möglichkeit, ernsthaft zu sein und doch Chris Rock zu bleiben.

          Das Problem einfach weglachen

          Der Film hat von allem ein bisschen, und er lässt nicht wirklich erkennen, was genau hier Absicht, Unvermögen oder gar fehlgeleitete Authentizität ist. In manchen Momenten ist „Top Five“ fast ein bisschen schmerzhaft, so bemüht aufrichtig gibt Rock sich hier in und hinter seiner Rolle. Nebenbei schafft er aber doch eine ganze Menge, zum Beispiel gibt es viele großartige Freunde zu sehen (Tracy Morgan, JB Smoove).

          Und zum Ende hin macht Chris Rock dann noch den alles entscheidenden Test: Er geht auf die Bühne, und nun ist der Unterschied zwischen Andre Allen und Chris Rock endgültig Makulatur. Nur eine Sache bleibt auch hier noch offen: Ist dieser Stand-up-Auftritt nun lustig? Superlustig? Vielleicht gar „hilarious“? Es ist echt schwer zu sagen, und wenn sich ein Problem nicht weglachen lässt, dann bleibt es eben da. Und „Top Five“ ist wohl wirklich so etwas wie ein Problemfilm.

          Ab Donnerstag im Kino

          Quelle: F.A.S.

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