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Video-Filmkritik „Prometheus“ Phantomatische Bildbestattung

Ridley Scotts Spätwerk „Prometheus - Dunkle Zeichen“ seziert sein Genre. Der Regisseur vertraut ganz auf Michael Fassbender als Android - und auf bewährte Zweideutigkeiten.

© F.A.Z, Twentieth Century Fox F.A.Z.-Videofilmkritik: „Prometheus“

Nur der synthetische Mann, den Michael Fassbender so behutsam spielt, als hätte er für die Entwicklung der Rolle drei Filme lang Zeit, versteht, worum es in „Prometheus“ geht. Auf der langen Reise zu dem Unstern, in dessen Eingeweiden die menschliche Besatzung ihre Schöpfer zu finden hofft, studiert der Androide Projektionen von Hirninhalten der im Kälteschlaf Suspendierten und sieht sich alte Breitwandepen an, darunter - die Wahl ist wichtiger, als es den Anschein hat - „Lawrence of Arabia“. Später verbittet sich ein Menschenkind indirekt seine Einfühlsamkeit. Diskret darauf hingewiesen, er sei als seelenloser Automat unbefugt, im Humangemüt herumzustochern, erwidert er: „I watched your dreams.“ Die perfide Zweideutigkeit macht keinen Unterschied zwischen wirklichen Träumen und dem Kino. Der phantastische Film als Genre lebt von solchen Zweideutigkeiten. Was erzählt „Prometheus“?

Dietmar Dath Folgen:

Forscher verschiedener Sparten, von der Archäologie bis zur Mikrobiologie, fliegen ins All, um im Auftrag eines schwerreichen und todesnah gebrechlichen Philanthropen (Guy Pearce) herauszufinden, ob Erich von Däniken nicht doch recht hatte (neue Funde an irdischen Grabungsstätten sprechen dafür). Die wissenschaftliche Leitung der Expedition teilen sich zwei verliebte Vollgläubige, Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) und Elizabeth Shaw (Noomi Rapace), das Budget überwacht die engherzige Tochter des Geldgebers (Charlize Theron), Wärme und ruppigen Humor steuert der Kapitän (Idris Elba) bei.

Mit Außerirdischen aller Arten und Rassen

Alle erreichen den Zielort, stören die Totenruhe der Götter, fallen der Reihe nach den Elementen, uralten Sicherheitssystemen, ihrer eigenen Dummheit sowie den scharfen Rändern des Drehbuchs zum Opfer und erfahren dabei Deprimierendes über Abkunft und Bestimmung ihrer Gattung. Die letzte Einstellung des szenenweise magisch glasklar, an anderen Stellen seltsam fahrig, an wieder anderen ergreifend altmodisch inszenierten Films zeigt eine Variante des Ungeheuers, das in den vier kanonischen Filmen der „Alien“-Tetralogie sein Unwesen treibt, zu denen „Prometheus“ ein logisch und narrativ absichtsvoll verunklartes Vorspiel sein will.

„Ah, das Alien!“, freut sich der Zuschauer auf dem Nebensitz. Er weiß nicht, dass der Name, den die Fans des Kanons für den geifernden schwarzen Langbohnenkopf am liebsten gebrauchen, „der Xenomorph“ lautet, wörtlich: der Fremdförmige, und hat offenbar auch vergessen, dass „Prometheus“ mit Aliens unterschiedlichster Arten und Rassen so vollgestopft ist wie eine Presseerklärung des Verfassungsschutzes mit Ausreden. Ridley Scott, der „Prometheus“ gedreht hat, war 1979 auch der Geburtshelfer des Xenomorphen, der danach durch geschickte und sorgfältige (James Cameron, David Fincher) wie grobe und unwürdige (Paul W. S. Anderson, um Himmels willen!) Hände gegangen ist. Die Wiederaneignung der betreffenden Bildwelt im Rahmen des Scottschen Spätwerks müsste das, was diese Wanderhistorie aggregiert hat, ergreifen, verstärken oder assimilieren, dürfte es gewiss auch löschen, nämlich überschreiben.

Bildnerische Arbeit an den großen Fragen

Statt sich im Detail darauf einzulassen, wirft Scott sich in widersprüchlich überfüllte Tableaus: Wo 1979 die Ortsbegehung auf dem Raumschiff „Nostromo“ und das Spiel mit Irritationen des Gleichgewichtssinns einem langen Atemholen glichen, das schließlich in stoßweise servierten Schrecken seine Entladung erfuhr - ein Verfahren, das sich James Cameron dann für seine platzregengepeitschte, blitzbekritzelte Fortsetzung von 1986 abgeguckt und hocheffektvoll ausgebaut hat -, sind in „Prometheus“ Räume wie Personen von immer wieder irritierend aufgehobener Leiblichkeit, flüchtiger Schwere, brüchig, bröselnd, schattenhaft selbst da, wo sie leuchten - Stanislaw Lem hätte von „Phantomatik“ gesprochen.

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