http://www.faz.net/-gs6-novc

Video-Filmkritik : Peitschen für den Weltfrieden: „Iron Man 2“

Bild: Concorde

Bei „Iron Man 2“ muss man nicht nach der Schlüssigkeit fragen, sondern nach den Schlüsselfiguren. Der zweite Film bringt Mickey Rourke mit Scarlett Johansson zusammen.

          Es ist vielleicht nicht gerade der entscheidende Schachzug gewesen, aber man sollte doch unbedingt wissen, dass der in „The Wrestler“ schauspielerisch wiederauferstandene Mickey Rourke zur Vorbereitung für seine Rolle in „Iron Man 2“ russische Gefängnisse besucht und auch noch mehrere Monate lang täglich drei Stunden Russischunterricht genommen hat.

          Peter Körte

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Dennoch habe er drei Wochen Zeit gebraucht, um zwei Zeilen Text zu lernen, gestand Rourke; dafür klingt sein russischer Akzent im Englischen um so härter, zumal die Dialoge, welche das Drehbuch ihm zugedacht hat, auf einen Bierdeckel passten - was man von den Tattoos, mit denen sein Körper eindrucksvoll übersät ist und die er auch den russischen Knackis abgeschaut hat, nicht behaupten kann.

          Rourkes Exerzitien erzählen eine Menge über das Verhältnis von Aufwand und Ertrag und damit im Kleinen auch etwas über die Kultur der Verschwendung, die schon immer zum Hollywood-Blockbuster gehört hat. Die großen Bilder- und Geldmaschinen, auf welche die Studios Jahr für Jahr all ihre Rendite-Hoffnungen setzen, können gar nicht aufwendig genug sein, weil ihre Hersteller von der (oft genug desaströsen) Spekulation leben, dass höhere Investitionen auch ungleich höhere Gewinne generieren. Weshalb, selbst wenn nach außen hin immer wieder Sparappelle formuliert werden, die Bereitschaft ausgeprägt ist, drohende Verluste durch erhöhte Einsätze zu bannen.

          Scarlett Johannson im Lycra-Anzug

          „Iron Man“ war, fast ein wenig überraschend, 2008 ein großer Erfolg, gleich hinter dem Batman-Abenteuer „Dark Knight“, was natürlich zur sofortigen Planung eines Sequels führte. Da die Figur aus dem Reich der Marvel-Comics stammt und seit ihrer Markteinführung im Jahr 1963 mehr als sechshundert Bände erschienen sind, war das kein logistisches Problem. Es gibt eher zu viel als zu wenig Material, um den Waffenfabrikanten und Playboy Tony Stark, der neben Maßanzügen auch, aus gesundheitlichen Gründen, eine rot-goldene Eisenrüstung trägt, für einen zweiten Teil auszustatten.

          Der Eiserne wurde natürlich modernisiert, auch sein Herzschrittmacher ist technisch auf dem neuesten Stand: In seiner Brust wohnen zwar nicht gerade zwei Seelen, aber ein technisch avancierter Elektrotransmitter, der verhindern soll, dass die in seinen Körper eingedrungenen Metallsplitter bis ins Herz vorstoßen. Und wenn er nur T-Shirt oder Pullover trägt, sieht der leuchtende Kreis auf der Brust wie ein exzentrisches modisches Accessoire aus. Iron Man ist ein Superheld mit Handicap, wie ja seit Achilles und Siegfried Handicaps, mögen sie nun psychosozialer Art sein oder physischer, zwingend zur Imago der Übermänner gehören. Und man will ja, um der Fortsetzung willen, auch gar nicht wissen, warum sich Stark nicht einfach die Metallsplitter operativ entfernen lässt.

          Man muss nicht nach der Schlüssigkeit fragen, sondern nach den Schlüsselfiguren, und wenn man auf die Besetzungsliste schaut, dann kann eigentlich nichts schiefgehen. Robert Downey jr. und Gwyneth Paltrow sind wieder dabei, auch Samuel L. Jackson; Scarlett Johansson im einteiligen schwarzen Lycra-Anzug mit rotbraunen Haaren ist hinzugekommen, Mickey Rourke natürlich, welcher den russischen Rächer spielt, und Sam Rockwell. Sie sorgen nicht nur für Schauwerte und hohe Gagen, sondern fürs freie Spiel der Kräfte. Wer wem die Show stiehlt, das ist das Bewegungsprinzip des Films, weshalb nicht nur der böse Gegenspieler Format hat (wie schon Jeff Bridges im ersten Teil), sondern auch die weiteren Akteure.

          Weitere Themen

          Komplize des Kinos

          Filmkomponist Ennio Morricone : Komplize des Kinos

          Er hat Neue Musik studiert und Free Jazz gespielt. Er hat gezeigt, dass alles Musik sein kann, was Geräusche macht. Dem Italo-Western gab er seinen Klang. Zum neunzigsten Geburtstag von Ennio Morricone.

          „24 Frames“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „24 Frames“

          Am Montag, dem 19. November, läuft um 23:35 Uhr „24 Frames“ auf Arte.

          Topmeldungen

          Matteo Salvini und Silvio Berlusconi

          Salvinis Taktik : Finanzpoker mit Brüssel

          Rom macht zu viele Schulden. Ein Bußgeld droht. Doch statt zu zahlen, verhöhnt Innenminister Salvini die „Bürokraten in ihrem Brüsseler Bunker“, denn er hat noch ein paar Asse in der Hinterhand.
          Lächelnd im Konfettiregen: Alexander Zverev wandelt endgültig auf den Spuren von Boris Becker und Michael Stich.

          ATP-WM in London : Alexander Zverev überrollt Djokovic

          Das hätte ihm kaum jemand zugetraut: Der Hamburger besiegt den Weltranglistenersten in zwei glatten Sätzen und gewinnt beim ATP-Finale in London den bislang größten Titel seiner Karriere.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.