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Video-Filmkritik: „Operation Walküre“ : Einer der spannendsten Thriller der letzten Zeit

  • -Aktualisiert am

Bild: Twentieth Century Fox

Zwei Stunden lang atemlos auf der Stuhlkante, obwohl man den Ausgang der Geschichte kennt: „Operation Walküre“ ist natürlich ein Tom-Cruise-Film - vor allem aber ist Regisseur Bryan Singer einer der spannendsten Thriller der letzten Zeit gelungen.

          Erst mal möchte man aufatmen. Denn endlich kann man bei diesem Film zur Tagesordnung übergehen. „Operation Walküre“ (siehe auch: FAZ.NET-Sonderseite: „Operation Walküre”)kommt ins Kino - und was darüber geschrieben wird, kann ab morgen von jedem, der sich noch dafür interessiert, überprüft werden. Dass es nicht irgendein Film sein soll, unterscheidet ihn erst mal nicht von anderen. Denn das versuchen sie alle ihren potentiellen Zuschauern weiszumachen. Weil das nicht so ganz einfach ist, setzt man vor allem in Hollywood gern darauf, dass mindestens ein Star mitspielt. Das hat den Vorteil, dass der Film auch dann Aufmerksamkeit bekommt, wenn ihn sonst eigentlich nichts von anderen Filmen unterscheidet. Wie gründlich das schieflaufen kann, ließ sich bei „Operation Walküre“ geradezu beispielhaft verfolgen.

          Wo sonst Hollywoodstars auf Schritt und Tritt von der Berichterstattung hofiert werden, wenn sie bei uns drehen, ging es plötzlich nur noch darum, dass sich ein bekennender Scientologe am heiligen deutschen Widerstand vergreifen will. Und wo der Öffentlichkeit sonst der Umstand, dass bei Dreharbeiten ein paar Komparsen vom Laster fallen, etwa so egal ist, wie wenn in Schanghai ein Fahrrad umfällt, war diese Nachricht nun fast schon ein Beleg für den schlechten Leumund des Films. Materialschaden im Kopierwerk - typisch. Der Bambi für Cruise - ein Geschrei, als habe er das Bundesverdienstkreuz bekommen. Dann wurde der Filmstart nach hinten verschoben und wieder ein Stück nach vorne, von katastrophalen Testvorführungen war die Rede und von Nachdrehs - und all das mit einer Schadenfreude vorgetragen, als sei es ausgemachte Sache, dass einer wie Cruise den deutschen Widerstand natürlich auf Scientology-Rhetorik reduzieren wolle. Wo, so mögen sich die Filmemacher gefragt haben, sind wir da denn hineingeraten? Ins Deutschland des Jahres 2008, möchte man antworten, wo es offenbar keine drängenderen Probleme gab.

          Fürs amerikanische Kino erst mal nichts Ungewöhnliches

          Dabei wollten sie nur einen Film über den deutschen Widerstand drehen, über Hellsicht in düsterer Zeit, über Tapferkeit unter lebensgefährlichen Umständen, über Heldentum in aussichtsloser Lage.

          Fürs amerikanische Kino ist das erst mal nichts Ungewöhnliches, für das Bild der Deutschen in der Nazizeit vielleicht doch. Es ist ja auch nicht so, dass sich das Kino nicht schon mehrfach der Geschichte angenommen hätte: Bernhard Wicki, Wolfgang Preiss, Joachim Hansen, Sky Dumont, Brad Davis, Sebastian Koch, sie alle haben Claus Schenk von Stauffenberg schon gespielt, aber Tom Cruise - das ging nun gar nicht.

          Er erkennt eben eine gute Rolle, wenn sie in seine Hände gerät

          Und zwar erstens wegen Scientology und zweitens wegen ausgemachter Unfähigkeit, den Mann Stauffenberg in all seiner Seelentiefe abzubilden. In der Tat sind nun Filme mit Tom Cruise in allererster Linie Tom-Cruise-Filme, unabhängig davon, ob er mit Martin Scorsese oder Sydney Pollack, Oliver Stone oder Steven Spielberg, Barry Levinson oder Ron Howard, Michael Mann oder Brian De Palma, Rob Reiner oder Neil Jordan, Cameron Crowe oder Paul Thomas Anderson, Tony Scott oder Roger Donaldson, Edward Zwick oder gar Stanley Kubrick arbeitet - aber schon diese Liste seiner Regisseure zeigt, dass er ein smartes Kerlchen ist, das es versteht, seine womöglich limitierten Fähigkeiten in den Dienst der besten Leute zu stellen.

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