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Video-Filmkritik: „Oblivion“ Schwerter zu Drohnen zu Plattenspielern

Unser Nachfahr in Not: Tom Cruise schlägt sich in Joseph Kosinskis Kino-Mahnfabel „Oblivion“ für alles, was wir bald vergessen und verloren haben könnten.

© Universal, F.A.Z. Video-Filmkritik: Tom Cruise in „Oblivion“

Etwas fällt aus großer Höhe. Sporenkapsel, Träne Gottes, Astronautenschrott? Der Aufräumarbeiter im Gummi-Overall, der mit beiden Beinen fest auf der verheerten Erde steht, legt mit dem Hightech-Gewehr auf das Objekt an. Die Geste ist hilflos; das Ziel liegt außer Reichweite. Was er da ins Visier nimmt, während es abstürzt, ist seine eigene Vergangenheit und die der Menschheit.

So eindrucksvoll kriegsversehrt wie selten

Dietmar Dath Folgen:

Jack Harper - Tom Cruise als mehrfach fotokopiertes (nein, eben nicht: gescanntes), zerknittertes Mängelexemplar seiner selbst, bei aller Spannkraft eindrucksvoll kriegsversehrt wie selten, ein guter Schauspieler eben - arbeitet im verseuchten Dreck. Dafür wohnt er in den Wolken, mit seiner Partnerin Victoria (Andrea Riseborough, so verlässlich britisch, dass sie im Fernsehen sogar schon mal Margaret Thatcher war). Die steht ihm als Leitstelle für halbautonome, hypermobile Drohnen bei, wenn sein menschlicher Zugriff nicht hinreicht, Trümmerstätten zu sichern und erdverankerte Maschinen zu warten. Ihr Blick ist klar wie Glas, kurz vorm Zerspringen.

Wie diese beiden arbeiten, wie sie leben, wie sie einander im Swimmingpool liebhaben, sieht man von oben und unten, mit den Augen von Vögeln, Fröschen, Insekten, Gespenstern und Satelliten. Über unsere Metropolen ist längst Gras gewachsen, Häuserfronten sind gespalten wie stehende Wellen eines Meeres, das ein wütender Moses geteilt hat, dazwischen pfeift schwärzestes Vergessen, auf Englisch: „Oblivion“, so heißt der Film, richtig.

Vom Stahlkabel eingefangen

Joseph Kosinski, das fliegende Auge hinter alledem, hat „Oblivion“ ursprünglich als Comic konzipiert, die establishing shots, die seinen Szenen den Kompass einrichten, sehen tatsächlich oft genug aus wie splash pages auf Papier. Sobald indes eine Sequenz in Fahrt kommt, erkennt man den Regisseur wieder, der mit „Tron: Legacy“ 2010 gezeigt hat, dass das Leitmedium der beschleunigten Raumerfahrung für ihn weder der Film noch der gezeichnete Strip ist, sondern das Computerspiel - von „Wolfenstein“ bis „Assassin’s Creed“, „Pacman“ bis zu den „Sims“.

Das Ergebnis der Verrechnung dieses Ansatzes mit den Spannungserfordernissen eines postapokalyptischen Mahndramas ist ein Hindernispark, in dem Tom Cruise sich nur mit Mühe behaupten kann: Hürdenlauf ohne Hinsehen, prellungsresistentes Abrollen, freihändiges Hüpfducken - und dann stolpert er doch, wird von einem Automaten durch die Gegend gewischt wie eine Lumpenpuppe, von einem Stahlkabel eingefangen wie ein Fohlen mit dem Lasso. Denn die Kompetenz des Helden hat Lücken, die Orientierung muss ins Trudeln geraten, damit Kosinski bebildern kann, was er sich als Endprodukt der maschinenangepassten Mobilisierung der allerletzten Humanreserven im postindustriellen Überlebenskampf ausmalt.

Gründlich entmenschte Variante

Im Vietnamkrieg war das Exoskelett der amerikanischen Kriegerberweglichkeit der Iroquois-Hubschrauber („Huey“), nach dem Kalten Krieg war’s die Lockheed F-117 („Nighthawk“). Derzeit läuft ihr eine gründlich entmenschte Variante der Idee Luftraumbeherrschungsmaschine den Rang ab: die Drohne. Dieser Rüstungswettlauf hat seine Systemgrenze: „Menschen sehen wie früher, egal, wie viele Videospiele sie erlebt haben.

Aber die Maschinenaugen werden immer schärfer, klarer, durchdringender“ (Tim Blackmore) - und deshalb bleibt Tom Cruise, der in „Oblivion“ als Ausputzer nur Hilfskraft für die Apparate ist, nicht viel mehr übrig als die semitransparente Libelle, mit der er von Job zu Job saust, mit einem Wackelkopfmännchen auf der Armaturenleiste notdürftig zu humanisieren. Die Drohnen wirken dagegen springlebendig; wenn sie angeschossen sind, fauchen und brüllen sie wie gekränkte Raubkatzen.

Ernüchterte Perspektive von Cyberpunk

Die amerikanische Science-Fiction, einst als patriotisches Jungsvergnügen erfunden, hat ihr Männerbild mehrfach übermalen müssen. Am Anfang stand der Eroberer, der an die Parole Robert Brownings glauben musste: „Man’s reach should exceed his grasp, or what’s a heaven for?“- ein Mann soll weiter streben, als seine Hand greifen kann, wozu ist sonst ein Himmel da? Jener strebsame abstrakte Mann, wie ihn die Romane von Robert A. Heinlein schilderten, war daher einer, der als Scharfschütze, Pilot und Physiker gleichermaßen glänzen konnte.

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