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Video-Filmkritik: „Madagascar 3“ : Ein Film wagt sich an eine Legende

Bild: Paramount

Für Jahrzehnte besetzte „Dumbo“ das Thema Zirkus im Trickfilm. Der dritte Teil von „Madagascar“ traut sich in sein Revier, doch dieser glatte Film macht dem alten Elefanten keine Konkurrenz.

          Welcher Segen für eine erfolgreiche Animationsfilmserie, wenn deren dritter Teil ansteht! Denn wann, wenn nicht dann, könnte man besser und werbewirksamer aufs 3D-Format umstellen, dadurch höhere Eintrittspreise erzielen und dem Ganzen neuen Schwung verleihen (der ohnehin eher durch kommerziellen als durch künstlerischen Erfolg befeuert wird)? Es war also klar, dass nach „Ice Age 3“ und „Toy Story 3“ auch „Madagascar 3“ ins neue Format wechseln würde.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Im Gegensatz zu den beiden Konkurrenten durfte die von Eric Darnell und Tom McGrath 2005 begonnene „Madagascar“-Reihe bislang nicht für sich in Anspruch nehmen, besonders innovativ zu sein - weder tricktechnisch noch ästhetisch. Diesmal lässt immerhin schon das Thema aufhorchen: Zirkus. Was auf den ersten Blick für einen Trickfilm thematisch so naheliegt, ist tatsächlich seit 1941 nicht mehr aufgegriffen worden, seit Walt Disneys „Dumbo“.

          Das Ende einer langen Zirkuspause im Trickfilm

          Das ist ein sicherer Lieblingsfilm aller Animatoren, gerade weil er mit viel einfacheren Mitteln produziert worden war als seine Vorläufer „Schneewittchen“, „Pinocchio“ und „Fantasia“. Es ging Disney schlecht in diesem Jahr, und man musste zurückstecken. Umso mehr Phantasie und Gefühl floss in die Geschichte. Und der Respekt vor dieser Leistung ließ siebzig Jahre lang andere Animationsstudios vor dem Thema „Zirkus“ zurückschrecken.

          Nun hat sich DreamWorks, das Studio hinter „Madagascar“, schon immer als legitimer Nachfolger Disneys betrachtet. Und jetzt nimmt man die 3D-Technik als willkommenen Anlass, sich doch einmal an den Zirkus als Handlungsmotiv heranzuwagen. Bei den ausschließlich tierischen Hauptdarstellern von „Madagascar“ (ein Löwe, ein Zebra, ein Nilpferd, eine Giraffe und vier Pinguine; wie üblich alle von unterschiedlichem Temperament und deshalb ein Team, bei dem für jeden Zuschauer etwas dabei ist) war die Ausgangskonstellation nicht schwierig: Die aus dem Zoo im Central Park entkommenen Tiere wollen zurück nach New York und hoffen, dass es ihnen als Zirkusstars gelingt.

          Ein Effekt mit kurzem Atem

          Da die Teile 1 und 2 der Filmreihe sie aber nach Afrika verschlagen haben, geht der Heimweg über Europa. Und wir reisen mit ihnen: über Monaco, Paris, Rom und die Schweiz nach London. Immer knapp hinterher dabei: eine rabiate französische Tierfängerin als neue Nemesis. Sie sorgt für Tempo, der Zirkus für optische Valeurs.

          Wenn die Tiere ziemlich am Anfang aus dem Mittelmeer vor Monte Carlo auftauchen, glaubt man seinen Augen kaum. Das ist ein nie gesehener dreidimensionaler Effekt, der die Meeresoberfläche bis in den Zuschauerraum fortsetzt - atemraubend. Aber wenn es dann in die Manege und notgedrungen in die Luft geht, ist dieser Zauber passé. Nicht, weil zu wenig, sondern weil zu viel passiert. Und weil man eine legendäre Szene wie die Traumsequenz mit den rosa Elefanten aus „Dumbo“ eben doch nicht ungestraft variieren darf, wenn man vermeiden möchte, dass abermals auffällt, was bei „Madagascar“ schon immer klar war: Technische Perfektion ersetzt nicht die Seele eines Trickfilms.

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