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Video-Filmkritik : „Inglourious Basterds“: Lasst uns Nazis skalpieren!

Bild: Universal

Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ ist eine Unverschämtheit, eine Kriegserklärung, ein Vergnügen. Tarantino inszeniert die Nazis als das. was sie wirklich waren.

          Für einen guten Film, so hat das einst Godard gesagt, als er noch jünger war und seine Filme bessere Laune hatten, für einen guten Filme brauche es nur ein Mädchen und einen Revolver - und wenn Quentin Tarantino, Godards bekennender Schüler, den Satz jetzt so versteht, dass es für einen besseren Film zwei Frauen mit Pistolen brauche, dazu einen Haufen Männer mit großkalibrigen Schusswaffen, ein paar Kilo Dynamit und außerdem ein großes Bowiemesser, einen Baseballschläger und einen Keller voller alter, extrem leicht entzündbarer Nitrofilm-Kopien, dann müsste man ihm eigentlich sagen:

          Claudius Seidl

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Nein, genau so hat Jean-Luc Godard das sicher nicht gemeint.

          Und als kritischer Kritiker und analytischer Geist möchte man gleich hinzufügen, dass man beim Sehen und Hören dieses Films einen kühlen Kopf behalten und keinerlei Vergnügen empfunden habe, als die Pistolen entsichert und die Maschinengewehre abgefeuert wurden, als das Messer blitzte im Gegenlicht und alles, was überhaupt entflammbar war, in die Luft flog mit viel Lärm, Geschrei und schönen Farben zwischen Hellweiß und Dunkelorange.

          Geht aber nicht, weil auch die Köpfe entflammbar sind.

          Und weil Tarantino so ein präziser und inspirierter Regisseur ist, spürt man das sinnliche, das fast schon musikalische Vergnügen an diesem Film, lange bevor er kracht, knallt und explodiert. Es reißt einen schon mit, wenn Brad Pitt, mit unwiderstehlichem Südstaaten-Akzent, von jedem seiner Männer „one hundred Nazi skalps“ fordert; wenn Christoph Waltz in einem Pariser Restaurant auf Französisch einen Strudel bestellt, avec crème, und die Mehlspeise dann nicht nur verschlingt, sondern, gewissermaßen, zu Tode quält; wenn Mélanie Laurent im Café sitzt, raucht, ein Buch liest und ein abweisendes Gesicht zu machen versucht, was auf Daniel Brühl, der ihren deutschen Verehrer spielt (und auf uns Zuschauer erst recht), naturgemäß ganz besonders anziehend wirkt; wenn, ganz am Anfang, „once upon a time in Nazi-occupied France“, Tarantino einen schönen, grünen Hügel zeigt, auf dem ein Bauernhaus steht, und davor hackt der Bauer das Holz, und seine Tochter hängt die Wäsche auf, und von Ferne, aus dem Tal, rollen die Motorräder und ein Auto der SS an, wobei Tarantino nur ein paar Einstellungen braucht, um Sergio Leone, Clint Eastwood, John Ford und auch noch Achternbuschs „Andechser Gefühl“ nicht einfach nur zu zitieren, sondern zu beschwören und die emotionalen Überschüsse der halben Filmgeschichte herbeizuzaubern.

          Viele fiese Szenen

          Es ist, als wollte Tarantino mit diesem Film, in dem der Filmproduzent und Chefmanipulator Joseph Goebbels eine wesentliche Rolle spielt, demonstrieren, was für eine wirksame Emotionsmanipulationsmaschine das Kino ist. Und wie gut er sie beherrscht: Als „Inglourious Basterds“ in Berlin seine deutsche Premiere hatte, brach, nach einer besonders fiesen unter vielen fiesen Szenen, in welchen Christoph Waltz den SS-Mann Hans Landa, einen Mörder, Sadisten und Bildungsbürger der ganz alten Schule spielt, der Szenenapplaus los.

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