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Video-Filmkritik : „Hunger Games“: Die Göttin des Gemetzels

Bild: Studiocanal

Die Verfilmung des ersten Teils der märchenhaft erfolgreichen Trilogie „Hunger Games - Die Tribute von Panem“ kommt jetzt ins Kino. Sie zeigt eine besondere Variante der Castingshow.

          Die Männer und Frauen, die über ihre Talente als Kämpferin urteilen sollen, haben nur Augen für das gerade aufgetischte Buffet. Da greift Katniss zum Bogen und schießt einen Pfeil durch ihre Reihen hindurch direkt in den Apfel, den das Spanferkel im gebratenen Maul trägt. Auf einmal kann es sich keiner mehr leisten, das Mädchen zu ignorieren.

          Weiß Katniss, was sie da tut? Ist sie blind vor Wut über die Missachtung, ist sie naiv oder einfach so clever, dass sie sich mit einer kalkulierten Provokation das Wohlwollen der Juroren sichern will? Wird sie gerade zum Teil eines Systems, das auf Ausbeutung und Mord basiert? Oder wird sie dessen Opfer?

          Gemetzel nach Losverfahren

          Man kann den Film „The Hunger Games - Die Tribute von Panem“ nach Suzanne Collins’ Jugendbuch-Bestseller, der jetzt ins Kino kommt, kaum angemessen beurteilen, ohne diese Frage zu stellen. Das Buch spielt in einem Staat auf dem Boden Nordamerikas, dessen zwölf Provinzen von einer Zentrale namens Kapitol diktatorisch regiert werden. Jede Provinz ist für die Produktion einer bestimmten Ware zuständig - Distrikt 3 liefert Technologie, Distrikt 5 Strom, Distrikt 8 Textilien und Distrikt 11 landwirtschaftliche Güter. Eine Rebellion gegen die Zentralregierung vor bald 75 Jahren endete mit dem Sieg des Kapitols. Seither muss jede Provinz einmal jährlich einen Jungen und ein Mädchen zwischen zwölf und achtzehn Jahren zum Kapitol schicken. Dort wirken sie an einem mehrtägigen Gladiatorenspiel mit, das mit Hunderten Kameras live in alle Distrikte übertragen wird. Sieger ist, wer seine 23 Konkurrenten überlebt - ein Mörder auf einem Leichenberg, Täter und Opfer zugleich, vor den Augen der Welt.

          Abführen zum Gladiatorenspiel auf Leben und Tod: Jennifer Lawrence als Katniss in „Die Tribute von Panem“
          Abführen zum Gladiatorenspiel auf Leben und Tod: Jennifer Lawrence als Katniss in „Die Tribute von Panem“ : Bild: dapd

          Collins’ Geschichte und auch der Film setzen ein, als wieder einmal Abgesandte des Kapitols durch die Distrikte reisen, um die Auswahl der Teilnehmer per Los zu überwachen. Katniss springt spontan für ihre kleine Schwester ein, die das Los getroffen hatte. So reist sie mit dem ebenfalls ausgelosten Peeta nach Kapitol, absolviert ein kurzes Waffen- und Geschicklichkeitstraining, bevor sie mit den anderen auf dem Spielgelände ausgesetzt wird, einem Wald mit wenigen Lichtungen. Und das Gemetzel beginnt.

          Der Schrecken aus der Gegenwart

          Es ist nicht einmal vier Jahre her, seit Collins im Herbst 2008 den ersten Teil ihrer „Hunger Games“-Trilogie veröffentlichte. Inzwischen sind weltweit knapp 20 Millionen Exemplare verkauft worden, Collins hat Auszeichnungen gewonnen, darunter den deutschen Jugendliteraturpreis, sie erschien auf der Forbes-Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten, ihre Bücher werden von Kritikern gefeiert und in zahlreichen Schulen gelesen.

          Natürlich liegt es nahe, die 1962 in New Jersey geborene Autorin, die schon früh Drehbücher schrieb und später mit der „Gregor“-Kinderbuchserie ihren Durchbruch erlebte, mit Joanne K. Rowling, Cornelia Funke oder Stephenie Meyer zu vergleichen. Sie alle erkannten das Potential des lange belächelten Jugendbuchmarkts und schufen mehrbändige Fantasyromane, die märchenhafte Auflagen erlebten. Doch Collins’ Dystopie unterscheidet sich grundlegend von Rowlings Hogwarts, Funkes „Tintenwelt“ oder Stephenie Meyers verregnetem Vampirtummelplatz an der kanadischen Grenze. Collins nimmt die beunruhigendsten Erscheinungen unserer Gegenwart zum Ausgangspunkt, um sie in ein Szenario von großer Wucht, mitunter auch großer Grausamkeit zu überführen.

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