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Video-Filmkritik : Helft einander, das ist lustig!

Bild: F.A.Z., Senator

„Ziemlich beste Freunde“, einer der erfolgreichsten französischen Filme der letzten Jahre, vereint Ungleiches zart und witzig. Die auf einer wahren Geschichte beruhende Tragikomödie ist rührend, ohne jemals peinlich zu sein.

          Dieser Film ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Werbung nicht Herr aller Dinge ist. Als „Intouchables“ im Herbst in Frankreich anlief, war in Paris zwar so gut wie kein Bus des öffentlichen Nahverkehrs mehr zu sehen, der etwas anderes zeigte als Bilder der beiden Hauptfiguren. Und auch die Kritik war sehr angetan von dieser Komödie um das ungleiche Männerpaar.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Doch das kann keinesfalls erklären, warum eine so simple Story wie die in diesem Film erzählte in kürzester Zeit fast fünfzehn Millionen Zuschauer in die französischen Kinos lockte. Mittlerweile ist „Ziemlich beste Freunde“, so der deutsche Titel, der dritterfolgreichste französische Film aller Zeiten. Das aber gelingt nur, wenn über den Film gesprochen wird - „le bouche à l’oreille“ nennen das die Franzosen. Wir sagen dazu: Mundpropaganda.

          Banlieue versus Pariser Palais

          Die Handlung ist schnell erzählt: Philippe, ein sehr reicher Mann, der ein atemberaubendes Palais mitten in Paris bewohnt, ist seit einem Unfall beim Gleitschirmfliegen querschnittsgelähmt. Den Kopf kann er noch drehen, er kann hören, riechen, sprechen und sehen, ansonsten aber ist er vollständig bewegungsunfähig. Sein Leben bestreiten für ihn eine Sekretärin, eine Köchin, eine Krankenschwester und ein Gärtner - nun sucht er noch einen Pfleger, der sich tagein, tagaus um ihn kümmern soll.

          Driss, ein aus dem Senegal stammender junger Mann mit Wohnsitz in der Cité Berlioz nördlich von Paris, hat nach einem Raubüberfall auf ein Juweliergeschäft gerade sechs Monate im Gefängnis verbracht und bewirbt sich um den Posten. Er ist nicht wirklich darauf aus, ihn zu bekommen - eigentlich möchte er nur eine Unterschrift, um seine guten Absichten vor der Arbeitslosenversicherung zu bezeugen. Doch es kommt anders. Driss kriegt den Job.

          Der Unterschied liegt im Geld

          Was nun beginnt, ist die gemeinsame Geschichte zweier gesellschaftlicher Außenseiter, die, für alle unverhofft, tatsächlich so etwas werden wie „ziemlich beste Freunde“. In dem kleinen Wort „ziemlich“, das in der deutschen Übersetzung des ungleich schärferen französischen Originaltitels „Intouchables“ wohlweislich enthalten ist, drückt sich allerdings ein Vorbehalt aus, der für das Verhältnis zwischen den beiden Männern bezeichnend ist. Denn anders als die ihnen gleichermaßen auferlegte soziale Isolierung glauben machen könnte, begegnen sich die beiden keinesfalls auf Augenhöhe.

          Der Unterschied liegt im Geld, das der eine hat und das dem anderen fehlt. In ihren Schicksalen, die sie letztlich beide zu Einzelkämpfern gemacht haben, bleiben die Ungerechtigkeiten also bestehen, und so wird aus diesem Film mit seiner schönen Botschaft von Toleranz, Nächstenliebe und Hoffnung ein sozialromantisches Märchen, das nur deswegen funktioniert, weil es zu der französischen Realität, in der es spielt, in so eklatantem Kontrast steht.

          Eine wahre Geschichte

          Seine große rührende Kraft zieht der Film von Olivier Nackache und Eric Toledano, die für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnen, aber auch aus der Tatsache, dass er auf einer wahren Begebenheit beruht. Man sieht die beiden Männer, deren Geschichte hier erzählt wird, ganz am Ende des Films in einer kurzen, mit einer Handkamera gedrehten Sequenz auf dem Gipfel eines Berges stehen. Philippe Pozzo di Borgo war Direktor bei der Champagnerfirma Pommery, bevor er verunglückte und dem aus der Pariser Banlieue stammenden Abdel Sellou begegnete.

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