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Video-Filmkritik Geschichte eines Fluchs: „The Social Network“

„The Social Network“ inszeniert den Gründungsmythos von Facebook. Und erzählt weniger davon, wie es ist, Mark Zuckerberg zu sein, sondern wie es ist, mit ihm zu tun zu haben.

© Sony Pictures Vergrößern Video-Filmkritik: „The Social Network“

Unter all den Ideen, die in der letzten Zeit in Hollywood entwickelt worden sind, ist diese hier vermutlich die beste - und zugleich scheint es die allerdümmste und unmöglichste zu sein: ein Film über Facebook, eine Geschichte also über jenes soziale Netz, welches dem Film den Titel gibt; und das auf der großen Leinwand, auf welcher, wie jeder weiß, der Zuschauer den Glanz der Oberflächen sehen will und die Dunkelheit großer Geheimnisse, die Bewegung der Körper, das Explodieren von Sprengstoff und Gefühlen, einen Raum, der überhaupt erst anfängt, wo der Horizont unseres Alltags die Sicht begrenzt.

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Eine Facebook-Seite ist dagegen ein sehr flaches Ding, vorwiegend weiß, mit einem blauen Logo, schwarzer Schrift; ein paar Fotos gibt es da vielleicht, ein paar halbscharfe Videos, nichts, was uns visuell erregen könnte.

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Und der Mensch, der da hineinschaut, am Computer sitzt, gerne spätnachts oder morgens, bevor es losgeht mit der Arbeit, der Mensch, der da seine Meinungen und seine Botschaften hineintippt, sich die Fotos seiner Freunde anschaut und deren Botschaften kommentiert, dieser Mensch sieht selten so besonders kinotauglich aus; statt eines Revolvers hat er eher eine Tasse Kaffee in der Hand, und falls es hier um Sex geht, ist es der Gedanke, nicht die Tat.

Dass dieser Film zugleich eine unabweisbar gute Idee ist, liegt einfach daran, dass das Facebook das größte Ding im Internet seit der Einführung von Google ist - fünfhundert Millionen Menschen sind da drin (wenn jeder zehnte sich den Film anschaute, wäre es der Hit des Jahres), und was das zu bedeuten hat, offenbarte sich erst neulich, als die meisten, wegen eines technischen Fehlers, für ein paar Stunden wieder draußen waren. Das Facebook blieb geschlossen, und amerikanische Zeitungen spekulierten darüber, wie wunderbar der Effekt für die Weltwirtschaft wohl war, in jenen Stunden, da Millionen Angestellte, statt im Facebook zu prokrastinieren, tatsächlich ihre Arbeit taten.

„The Social Network“, von David Fincher inszeniert und von Aaron Sorkin geschrieben, verspricht, die Geschichte zu erzählen, wie, ums Jahr 2003 herum, der Harvard-Student Mark Zuckerberg das Facebook erfand und entwickelte - und wenn man das dann sieht im Kino, ist es gleich ein doppelter Schock. Denn Facebook ist ein Medium des Moments, ein Ding der totalen Gegenwart, man schreibt, man liest, man postet die Stimmung eines Augenblicks, man ist da drin und hat doch kaum die Distanz, zu begreifen, was das Facebook eigentlich ist. Und dann kommt dieser Film und erzählt, wie es geworden ist - und das Schockierende für unser Zeitgefühl, das sonst zwanzig Jahre braucht, bis die Phänomene uns historisch werden, das Schockierende ist, dass diese Vorgeschichte eben erst war, in einer Zeit, die doch noch gar nicht ganz vergangen ist. Man möchte dauernd auf die Uhr schauen, man spürt einen chronologischen Schwindel, angesichts einer Schöpfungsgeschichte, die in der gefühlten Gegenwart spielt.

Ein egozentrisches Universum

Und naturgemäß wirft diese Schöpfungsgeschichte auch theologische Probleme auf, weil, wer drin ist im Facebook, diesen Mark Zuckerberg vor allem als jenen Mann wahrnimmt, der immer wieder Anschläge auf die Privatheit der Facebook-Nutzer plant, wogegen dann Millionen protestieren, woraufhin Zuckerberg meistens einen Rückzieher macht. Als Nervensäge also wird Mark Zuckerberg meistens wahrgenommen - aber ganz bestimmt nicht als Schöpfer unserer Welt.

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