27.05.2010 · Samantha, Miranda, Charlotte und Carrie reisen nach Abu Dhabi und stürzen sich in sinnlose Dekadenz. Am schrecklichsten ist „Sex and the City 2“, wenn die Autoren des Films versuchen, politisch zu sein.
Von Mascha KuchejdaEigentlich ging es bei der Fernsehserie „Sex and the City“ immer darum, vier Singlefrauen mittleren Alters dabei zu beobachten, wie sie sich Mädels nennen, sich aber wie Girlies oder Barbies benehmen und immer wieder in tiefe Sinnkrisen verfallen, da der Weg zur Liebe des Lebens so holprig und endlos erscheint. Es ging um das Süffeln zahlreicher Cosmopolitans, um trostspendende Shoppingtouren und romantische Abenteuer - vor allem aber ging es um die Absätze eines Manolos oder Jimmys und um die saisonalen It-Teile, die in meist merkwürdiger modischer Komposition auf der Insel der Paradiesvögel, dem „Big Apple“, spazieren getragen wurden.
Das Ganze hatte eine gewisse Ästhetik, schließlich spielt die Serie im Manhattan der Superreichen, zwischen Limousinen, Portiers und verwöhnten „No-Age-Women“. „Sex and the City“ war so etwas wie die amerikanische Ausgabe der „Vogue“ als Fernsehformat: viel Werbung, viel bunter US-Mainstream. Und als solcher nicht interessant, aber für viele auch nicht unbedingt langweilig - eine Serie eben, bei der sich homosexuelle Stylisten und Drehbuchschreiber mal ordentlich ausleben konnten.
Genau zwei Jahre nach dem ersten, damals schon überflüssigen Film zur Fernsehserie kommt jetzt eine Fortsetzung in die Kinos. Samantha, Miranda, Charlotte und Carrie sind zwei Jahre älter geworden, allesamt über vierzig und befinden sich nun auch nicht mehr auf der Suche nach Mr. Right, sondern haben es endlich geschafft, unter den Hut zu kommen. Carrie Bradshaw, die New Yorker Kolumnistin und Buchautorin, ist glücklich verheiratet mit ihrem „Mr. Big“, dem smarten Banker. Miranda, die erfolgreiche Anwältin, ist wieder mit Steve, dem Vater ihres Kindes zusammen. Charlotte, bereits überforderte Mutter zweier Kinder, lebt das amerikanische Klischee der cupcakebackenden Mommy in Highheels. Das Singledasein hat ein Ende, alles dreht sich um die Probleme, welche die Frau eines reichen Mannes in New York nun mal hat: das Mobiliar, die Nanny, der Ehemann. Vorbei ist die aufregende Zeit, als es noch Sex gab in der City. Nur Samantha bleibt im Alter von zweiundfünfzig noch sexuell hyperaktiv, aber unterstützt durch Hormonpräparate.
Ein Abbild frustrierter, mit sich selbst gelangweilter Frauen
Sonst passiert nichts. Da es bei „Sex and the City“ traditionell mehr um Mode und Product Placement geht, kommt es auf die Handlung wenig an. Die vier reisen nach Abu Dhabi, wo sie sich auf Kosten eines spendablen Scheichs in der „Chrystal Suite“ niederlassen. Die Stylisten ersannen also einen Albtraum aus Haremshosen, Turbanen, Paillettenkleidchen, viel schwerem Schmuck und Stoff, kombiniert mit dem Stil amerikanischer Touristinnen in arabischen Karaoke-Bars. Alles in allem ist die Garderobe der vier Frauen neureich und grauenhaft. Der Film erinnert eher an den der Transvestitendame Divine in „Pink Flamingos“ von John Waters, und das Auge wünscht sich sofort die Zeiten zurück, als noch Yves Saint Laurent in Filmen wie „Das Geheimnis der falschen Braut“ oder „Belle de Jour“ Catherine Deneuve ausgestattet hat.
Erschreckend ist neben der Aufmachung von „Sex and the City 2“ auch, dass die Autoren des Films offenbar versuchen, politisch zu sein, beim Thema burkatragende Frauen oder Prüderie, in den Vereinigten Arabischen Emiraten zum Beispiel wird Samantha fürs Knutschen am Strand verhaftet und schmeißt anschließend mit Kondomen auf dem arabischen Souk um sich. „Sex and the City“ will emanzipatorisch sein, ist aber nur ein Abbild frustrierter Frauen, die sich vor Langeweile mit sich selbst in sinnlose, verschwenderische und vor allem stillose Dekadenz stürzen. Und sie versuchen, ihr Äußeres, an sich schon gepeinigt durch die neurotischen Versuche, nicht zu altern, als Sinnbild für Freiheit zu nutzen.
oh mein Gott...
Henning Malden (malhe011)
- 27.05.2010, 17:56 Uhr
Mein Beileid...
Matthias Meyer (Kruckler)
- 27.05.2010, 18:18 Uhr
Frustrierend: „Sex and the City 2“
Corinna Richter (Yola)
- 27.05.2010, 18:33 Uhr
Miserabel recherchiert, Frau Kuchejda!
Rabeya Khan (rabeyak)
- 27.05.2010, 18:45 Uhr
ein weiteres produkt
Seymour Hoffmann (SeymourH)
- 27.05.2010, 19:09 Uhr