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Veröffentlicht: 06.07.2011, 17:07 Uhr

Video-Filmkritik Fegefeuer der Mittelklasse: „Company Men“

Regisseur John Wells erzählt mit „Company Men“, wie die jüngste Wirtschaftskrise die weiße obere Mittelklasse Amerikas erreicht.

© Senator / Central Video-Filmkritik: „Company“

Mit wehmütigem Gesichtsausdruck blickt Bobby Walker seinem Porsche hinterher. Der Wagen, mit dem er jahrelang zur Arbeit gefahren ist, gehört nun einem anderen. Einem, der nicht von der Wirtschaftskrise erfasst wurde wie Bobby. Er ist einer der besten Verkäufer an der Ostküste, aber seine Firma operiert auf einem stark umkämpften Markt: Die Schiffbauabteilung von GTX läuft nicht mehr, die Aktionäre wollen, dass sich das Unternehmen auf profitable Sparten konzentriert. Und so ist Bobby Walker (Ben Affleck) eines Tages einer jener plötzlich arbeitslosen „Company Men“, von denen John Wells in seinem gleichnamigen Film erzählt.

Es sind keine ungelernten Arbeiter, die es hier erwischt, es sind Männer aus dem mittleren und höheren Management: Männer mit Familien, mit schönen, großen Häusern und Mitgliedschaften in Golfclubs. Männer wie Phil Woodward (Chris Cooper), der schon auf die sechzig zugeht und bei Vorstellungsgesprächen nicht mehr so leicht den Eindruck von Dynamik erwecken kann, auf den es ankommt.

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Männer wie Gene McClary (Tommy Lee Jones), der schon dabei war, als GTX gegründet wurde - damals herrschte Aufbruchsstimmung, und niemand sprach davon, dass der Börsenkurs in die Höhe zu treiben sei. McClary sitzt in der Vorstandsetage, und irgendwann steht der oberste Boss vor der Frage: Will er mit GTX auf die Schnelle sechshundert Millionen Dollar verdienen - oder mit seinem Freund McClary die alten Zeiten hochhalten?

Eine gehörige Portion Populismus

Es steckt eine gehörige Portion Populismus in dieser Geschichte, die eine einfache Opposition aufmacht: Arbeit gegen Kapital, Produktivität gegen Profit, Auskommen gegen Ausquetschen. Bobby Walker ist die Figur, an der erkennbar wird, dass die Krise in der weißen - oberen - Mittelklasse angekommen ist, einer Klasse, die überhaupt noch etwas aufzugeben hat. In Amerika spricht man dann von „downsizing“: Zuerst werden nur ein paar Besuche in Restaurants gestrichen, irgendwann platzt der Scheck für den Golfclub, dann ist der Porsche nicht mehr zu halten, und schließlich trifft es das Haus.

Dann ist alles eine Frage des „falling back“, und hier übertreibt es John Wells deutlich. Denn Bobby Walker hat einen Schwager, Jack Dolan (Kevin Costner), der für die Krawattenträger immer schon Verachtung übrighatte. Nun weist er mit dem Werkzeuggürtel um die Hüfte den Weg ins Purgatorium der „Company Men“: Sie müssen die Tugenden ehrlichen Handwerks lernen, bevor es dann doch noch eine neue ökonomische Perspektive gibt.

Es bleiben die Parolen

In diesen Szenen erweist sich einmal mehr, dass das amerikanische Kino in seinen eigenen Konventionen viel zu tief verhaftet ist, um der jüngsten Wirtschaftskrise neue Aspekte abgewinnen zu können. Denn die systemische Ebene, von der in den Beschreibungen des Geschehens doch immer wieder die Rede war, wird hier unter Aufbietung aller erdenklichen Männlichkeitsrituale verdrängt, und noch in den Demütigungen, die Bobby Walker erleidet, geht es vor allem darum, die Handlungsmacht des Individuums zu verteidigen. Die „Company Men“ machen in diesem Film deswegen keine Erfahrung, die sie oder das Land voranbringen könnte, sie übertragen nur überlieferte Posen auf eine schwierige Situation.

Der Regisseur John Wells scheint dabei gar nicht zu bemerken, dass er die wenigen Momente von Nachdenklichkeit, die er zwischendurch zulässt, am Ende wieder einkassiert. In einem Büro für freigestellte Führungskräfte muss Bobby Walker die Einpeitscherparolen über sich ergehen lassen, mit denen er sich für die nächsten Herausforderungen wappnen soll. Er wirkt in diesem Moment so hilflos, wie ein eher eindimensionaler Star wie Ben Affleck das gerade noch spielen kann. Doch am Ende hat er sich diese Parolen schon wieder zu eigen gemacht - und so bleibt er wie alle anderen „Company Men“ auch blind für das, was mit ihnen und ihrem Land eigentlich geschieht.

Ab Donnerstag im Kino

Quelle: F.A.Z.

 

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