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Video-Filmkritik : Wie das 3-D-Kino von Gefühlen erzählen kann

Bild: Warner

In „Every Thing Will Be Fine“ von Wim Wenders ist das Originelle nicht die Story. Sondern die feingeistige Entscheidung, den Film ohne die bei dieser Technik erwarteten Schauwerte in 3D zu drehen.

          Wim Wenders, der im kommenden August, ziemlich unglaublich, siebzig Jahre alt werden wird, war der Mann der diesjährigen Berlinale. Ein Ehren-Bär, eine Hommage, ein Film im Wettbewerb außer Konkurrenz, sein erster Spielfilm seit 2008. Nur dass viele diesem Film, der in eigenwilliger Schreibweise „Every Thing Will Be Fine“ heißt, vorhielten, dass er in 3 D gedreht sei, ohne jene Schauwerte aufzuweisen, für welche das Format angeblich gemacht sei. Daran ist bloß richtig, dass einen 3-D-Film wie „Every Thing Will Be Fine“ bislang noch niemand gedreht hat. Und dass bis auf ein paar Schneeflocken und flirrende Staubpartikel nichts passiert, womit man in dem Format protzen könnte.

          Peter Körte

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Es ist Wenders’ Idee, dass es für diese Geschichte von Schuld und schuldloser Verstrickung, von Verdrängung und Vergebung diese Räumlichkeit braucht, weil nicht nur die Welt der Dinge eine andere Plastizität erhält, sondern sich auch der Raum der Figuren zum Kinosaal hin zu öffnen scheint. Der Einwand, all das hätte man doch genauso gut in 2 D zeigen können, entlarvt diejenigen, die ihn vorbringen, als beschränkt - als hätte das Wenders nicht auch gewusst.

          Es geht, wie immer bei Wenders, um die Suche nach einer anderen Erscheinungsform von Welt im Kino. Und um die Frage, ob 3 D ein Mittel ist, um von Gefühlen und Beziehungen zu erzählen, von Atmosphären und Befindlichkeiten, ob sich in den Schärfenverlagerungen, der härteren Diskrepanz von Hintergrund und Vordergrund auch etwas über das Verhältnis von Ich und Welt entdecken lässt.
          Die Geschichte des Schriftstellers Tomas (James Franco), der ein Kind überfährt, ohne dass Wenders einem die Details dieses Unfalls zumutete, ist nicht die originellste Story. Der Unfall verändert sein Schreiben, er hat Erfolg, er geht eine neue Beziehung ein, er freundet sich an mit der Mutter (Charlotte Gainsbourg) des Kindes. Er lernt, mit seinem Narzissmus ein wenig sozialverträglicher umzugehen.

          Nichts, was einen überraschte oder sonderlich bewegte. Aber zugleich ist da etwas, was die Konventionalität der Geschichte aufbricht. Durch die Änderungen im Bildraum, durch die scharfe Trennung von Charakteren und Dingen, entsteht inmitten des Alten etwas Neues. Man sieht, was man zu kennen glaubt, die Gesten, Gesichter, die Erzählmuster, mit anderen Augen.

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