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Video-Filmkritik Ein Tier wie wir: „Der fantastische Mr. Fox“

12.05.2010 ·  Was macht ein Fuchs, der nicht länger in einem Loch leben will? Er trifft sich mit einem Makler. Wes Andersons Animationsfilm „Der fantastische Mr. Fox“ ist eine fabelhafte Heldensaga.

Von Bert Rebhandl
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Für einen Fuchs stellt Mr. Fox ganz schön schwierige Fragen: „How can a fox ever be happy?“ (Außer mit einem Stück Hähnchen zwischen den Zähnen, ein Zustand, der, genau genommen, das Anspruchsniveau des Glücks ein wenig zu deutlich auf bloßen Instinkt hin unterschreitet.) Mr. Fox ist eindeutig ein Fuchs, in Wes Andersons Animationsfilm „Der fantastische Mr. Fox“ aber ist er noch viel mehr: ein Mischwesen zwischen den Gattungen, ein Tier mit Bewusstsein, ein Grandseigneur, der an seine Naturanlagen gebunden ist - und darunter leidet. Vor allem aber ist er ein Mischwesen, weil er als Fuchs erst recht wieder nur ein Triumph der menschlichen Imagination ist - eine Figur aus einer Geschichte von Roald Dahl, die nun von einem der interessantesten und besten amerikanischen Regisseure der jüngeren Generation triumphal für das Kino entdeckt wurde.

Mr. Fox (im Original gesprochen von George Clooney) könnte es eigentlich ganz einfach haben. Er könnte gelegentlich in einen Hühnerstall einbrechen, er könnte sich in die Büsche schlagen, die englische Kulturlandschaft bietet immer noch Rückzugsmöglichkeiten genug für die Tiere des Waldes und des Feldes. Aber die Familie Fuchs ist schon ein wenig weiter, als es das evolutionäre Schema vorschreibt: Der Vater hat einen bürgerlichen Beruf (er schreibt eine Kolumne in der Tierzeitung: „Fox on the Prowl“), die Mutter (gesprochen von Meryl Streep) versucht sich als Landschaftsmalerin, der Sohn (Stimme: Jason Schwartzman) leidet darunter, dass er ein nicht festgelegtes Wesen ist. Ein befreundeter Dachs (Bill Murray) erledigt die Steuerangelegenheiten, die Kinder spielen eine Art Tier-Cricket (genannt „Whack-Bat“), und wenn ein Fuchs einer Füchsin ein Kompliment macht, dann sagt er, sie wäre „hübsch wie ein Nerz“.

Kampf dem Fuchs, mit allem,was die Technologie zu bieten hat

Die Geschichte des Films beginnt mit einem hohen Anspruch: Mr. Fox möchte nicht länger in einem Loch leben. Er verabredet einen Termin mit einem Makler, besichtigt ein paar Bäume („Föhren sind im Moment sehr gesucht“) und buddelt sich dann an der neuen repräsentativen Adresse erst recht wieder ein. Und eines Abends geht er wieder auf die Jagd. Er kann davon nicht lassen, aus einem einfachen Grund: „Because I'm a wild animal.“ So zieht Mr. Fox der ganzen tierischen Welt den Zorn der Großbauern Boggis, Bunce und Bean zu, der wichtigsten menschlichen Wesen in diesem phantastischen Bestiarium. Sie fahren gegen den Fuchs alles auf, was die Technologie zu bieten hat (Bagger!), immer tiefer müssen die Tiere ihre Erdstollen treiben, um sich vor der Aggression in Sicherheit zu bringen.

Es kommt schließlich darauf an, dass sie ihre Tiernatur wiederentdecken, um ihre Zivilisation auf Menschenniveau zu retten: Sie müssen sich ihrer Spezialisierungen entsinnen (so wird der Igel zum Nachtsichtgerät), um gegen die übermächtigen Generalisten an der Erdoberfläche bestehen zu können. „Der fantastische Mr. Fox“ ist eine echte Heldensaga, die aber, wie immer bei Wes Anderson, an Fragen des richtigen oder falschen Bewusstseins gebunden ist. Seit er mit dem schrägen „Bottle Rocket“ im amerikanischen Kino aufgetaucht ist, interessiert er sich für ein Kräfteverhältnis, über das Blockbuster, aber auch Genregeschichten zumeist achtlos hinweggehen: Andersons Thema ist jene Balance zwischen Eigensinn und Gemeinschaft, die in Hollywood fast durchweg individualistisch aufgelöst wird (sofern es nicht einfach um ein romantisches Happy End zu zweit geht).

Mit handwerklichen Tugenden entsteht eine große Vision

Auch der Fuchs ist ein Individuum, das sich aber am liebsten der Gattungsgrenze und des Familienverbands entschlagen würde. Damit stiftet er ebenso viel Unheil, wie Gene Hackman dies als Übervater in „The Royal Tenenbaums“ getan hat, während das Drama der begabten Kinder („Rushmore“ „The Darjeeling Express“) sich auch hier fortsetzt. Zwischen Melancholie und Ironie, vor allem aber in einem Überschuss an Kultur, hat Wes Anderson sich eine Nische geschaffen, die er nun wagemutig mit einem Animationsfilm in alter Technik ausgestattet hat.

Mr. Fox und die anderen Figuren sind mit Stop-Motion animiert worden, einer alten, analogen Technik, die noch ganz klassisch eine Techné ist, ein Handwerk, das hier dazu dient, eine wunderbar hybride Welt zu schaffen: Viele der Witze und Details sind gar nicht für die Zentralperspektive gemacht, sondern fast schon für das periphere Sehen. Und so entsteht eine große Vision zwischen Spiel und Anspielung, Stil und Zitat (von Frontier-Epen bis Tarantino), Identität und Selbstzweifel. Der tierische Ernst ist im „Fantastischen Mr. Fox“ der höhere Witz - und wieder einmal sind wir Menschen es, zu deren Glück das alles beiträgt.

Ab Donnerstag im Kino

Quelle: F.A.S.
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