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Video-Filmkritik Ein Meilenstein des Kinos: „Waltz with Bashir“

Der Film ist eine Beichte in Bildern. Und weil das, was es zu erzählen gibt, kein Heldenepos ist, sondern ein Trauma, hat Regisseur Ari Folman ihm eine ungewohnte ästhetische Form gegeben: „Waltz with Bashir“ ist eine animierte Filmphantasie über den Libanon-Krieg.

© Pandora Vergrößern Video-Filmkritik: „Waltz with Bashir“

Beginnen wir mit einer geschichtlichen Fußnote. Jener Bashir, den der Film im Titel trägt, hieß mit Nachnamen Gemayel. Er war Präsident des Libanons und kam drei Wochen nach seiner Wahl bei einem Anschlag ums Leben. Um Gemayels Tod zu rächen, richteten seine Anhänger, die Milizen der christlichen Falange, ein Blutbad in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila an. Es war der 16. September 1982. Zwei- oder auch dreitausend Männer, Frauen und Kinder, je nach Schätzung, wurden ermordet. Die Armee Israels, die nach Beirut vorgestoßen war, um die Falangisten zu unterstützen, sah von den umliegenden Gebäuden aus zu.

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Und der Walzer? Er wird von einem israelischen Soldaten vorgeführt, der sich, mit einem Maschinengewehr nach oben feuernd, im Häuserkampf von einer Straßenseite auf die andere durchschlägt. Aber statt zu rennen, dreht sich der Schütze wie ein Tänzer im Kreis. Die Kugeln, die er verschießt, bilden um ihn herum ein Muster aus Schlangenlinien. Und genau so, tänzelnd, indirekt, mit dem Mut der Verzweiflung, steuert auch Ari Folmans Film auf seine Geschichte zu.

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Alles, was man sieht, ist erfunden, aber nichts ist fiktiv

Dafür gibt es einen guten Grund. Folman, der Regisseur, hat bei den israelischen Truppen im Libanon mitgekämpft, er war dabei, als das Massaker in Sabra und Schatila geschah. Der Film ist seine Beichte in Bildern. Und weil das, was es zu erzählen gibt, kein Heldenepos ist, sondern ein Trauma, das Folman in jahrelangen Gesprächen und Recherchen freilegen musste, hat er ihm eine ungewohnte ästhetische Form gegeben. Von Anfang an, erklärt Ari Folman, wollte er „Waltz with Bashir“ als animierten Dokumentarfilm drehen. Das bedeutet, dass der Film nicht, wie andere Dokumentationen, den Widerspruch zwischen Fakten und persönlichen Erinnerungen bloß zeigt, sondern dass er diesen Widerspruch selbst verkörpert. Er ist ein Trickfilm, der das Gift der Wahrheit getrunken hat.

Alles, was man sieht, ist erfunden, gezeichnet, koloriert, aber nichts ist fiktiv. Jedes Bild eine Zeugenaussage und zugleich ein Erzeugnis der Imagination. Und wie nach jeder großen Idee in der Geschichte des Films sieht das Kino auch nach „Waltz with Bashir“ anders aus als zuvor. Was Richard Linklater vor sieben Jahren mit „Waking Life“ nicht gelungen ist, hat Folman geschafft: Er hat der Animation ein historisches Gewissen gegeben. Bei Linklater war der Trickfilm ein Vehikel höheren Palavers. Bei Ari Folman ist er ein Erkenntnisinstrument.

Als normale Dokumentation wäre diese Geschichte nicht zu erzählen gewesen

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