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Video-Filmkritik Drehbuchrezepte für Millionen: „Ice Age 3“

01.07.2009 ·  „Ice Age“, die erfolgreichste Animationsreihe der Welt, setzt in ihrer dritten Folge auf das bewährte Rezept und technische 3D-Spielereien. Die Geschichte gerät dabei etwas flau.

Von Andreas Platthaus
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Das Blue-Sky-Studio von Chris Wedge hat mit seiner Animationsfilmreihe „Ice Age“ den früheren Platzhirschen Disney, Pixar und Dreamworks in Deutschland den Rang abgelaufen. Fast neun Millionen Zuschauer haben vor drei Jahren „Ice Age 2: Jetzt taut's“ gesehen, und damit wäre dieser Film der größte Trickerfolg im deutschen Kino, hätte Disney nicht das „Dschungelbuch“ seit 1967 alle paar Jahre immer wieder neu auf die Leinwände gebracht. Aber wenn jetzt der dritte Teil von „Ice Age“ nicht alle Erwartungen an die Besucherzahlen enttäuscht - und das wird er nicht -, dann verschieben sich in diesem Sommer die Maßstäbe weiter zugunsten von „Blue Sky“.

Was „Ice Age 3: Die Dinosaurier sind los“ allerdings enttäuscht, sind die inhaltlichen Erwartungen. Dem Titel kann man den zentralen Dreh der Handlung schon entnehmen, und er ist so alt wie die phantastische Literatur: Unter dem Schnee der Eiszeit liegt ein vergessenes Tal, in dem etliche Dinosaurier das große Artensterben überlebt haben. Aufgestöbert wird das Reservat durch einen Zufall. Das Faultier Sid, auf Deutsch wieder gesprochen von Otto Waalkes, leidet unter dem erwarteten Familienzuwachs seines Freundes Manni, der die ganze Aufmerksamkeit des Mammuts erfordert. Sid tröstet sich mit dem Ausbrüten dreier riesiger Eier, die sich als Tyrannosaurus-Gelege erweisen.

Es kommt, wie es kommen muss: Die drei geschlüpften Killer akzeptieren das Faultier zwar sofort als ihre Mutter, können aber auf Dauer nicht gegen die eigene Natur an. Gefährlich geht es fortan zu in der gemeinhin friedlichen glazialen Säugetierwelt, und als die wirkliche Mutter ihre drei Sprösslinge zurückerobert, verschleppt sie auch gleich Sid mit ins Sauriertal.

Technik vor Narration

Natürlich bricht Manni samt seiner hochschwangeren Mammutdame Ellie, den naseweisen Opossums Eddie und Crash sowie dem Säbelzahntiger Diego sofort zur Rettung des entführten Freundes auf, und in der untereisigen Dschungelwelt finden sie einen weiteren Säugetier-Verbündeten, der dort die Echsen das Fürchten lehrt. Doch dieses Piraten-Wiesel namens Buck ist das einzige Element im dritten Teil, das der Grundidee der Serie etwas Originelles hinzufügt.

Ansonsten kann man dem Geschehen folgen wie einem Lehrgang für „Drehbuchschreiben leicht gemacht“, und dass „Ice Age 3“ für 3D-Projektion entwickelt wurde, sieht man bei zweidimensionaler Vorführung (und das wird mit Ausnahme von etwa dreißig Sälen in Deutschland der Normalfall sein) unerfreulich oft. Die Verfolgungsjagden, Abstürze und Himmelfahrten sind leinwandsprengend, aber im Kino um die Ecke gibt es da eben nichts zu sprengen. Der Regisseur Carlos Saldanha, der auch schon den zweiten Teil verantwortete, hat über die Lust an der neuen Technik die Geschichte aus den Augen verloren.

Zwischen Herz und Magen

Aber ein Lichtblick bleibt: Scrat, der unermüdliche kleine Nager mit seinem unbezähmbaren Hunger nach Eicheln. Da diese Objekte seiner Begierde in der Eiszeit als nicht eben häufig gelten dürfen, herrscht bei jedem Fund der emotionale Ausnahmezustand. Aber das wussten wir schon aus den ersten beiden „Ice Age“-Teilen. Was wir jedoch nicht wussten, ist, wie Scrat auf einen anderen elementaren Reiz reagiert: Erotik. Plötzlich gibt es eine attraktive Fresskonkurrentin, und den ganzen Film über dürfen wir rätseln, wer am Schluss in Scrat triumphieren wird: der Magen oder das Herz.

Dass in diesen Szenen, die geschickter als zuvor mit der Haupthandlung verwoben sind, ein Tempo vorgelegt wird, das dem Rest von „Ice Age 3“ empfindlich fehlt, versöhnt indes nicht damit, dass auch hier zu sehr auf ein bewährtes Erfolgsrezept gesetzt wird. Doch es bereitet immer noch Vergnügen, der irrsten Trickfigur des letzten Jahrzehnts zuzusehen. Und das wird die Millionenmassen in den Kinos über alles andere hinwegtrösten.

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