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Video-Filmkritik Der Tod steht ihm gut

Sam Mendes „Skyfall“, der neue Bond-Film, stellt ein paar gute Fragen: Wer ist eigentlich dieser James Bond, und wozu ist er heute noch zu gebrauchen? Und wenn Bond stirbt - als wer oder was steht er wieder auf?

© Sony Pictures, F.A.Z. Video-Filmkritik: Sam Mendes’ James Bond-Film „Skyfall“

Es gibt in diesem Film, der, um das gleich mal auszusprechen, der schönste und der klügste, der unmöglichste und unwahrscheinlichste James-Bond-Film seit Jahrzehnten ist, es gibt in „Skyfall“ eine Szene, die sieht so aus und hört und fühlt sich an, als hätte der Drehbuchautor sie aus zweiter Hand gekauft, ein vergammeltes Typoskript in irgendeinem Antiquariat.

Claudius Seidl Folgen:

Man glaubt fast, dass man Gänsefüßchen sähe, links und rechts der Leinwand, wenn Daniel Craig, der eine Stunde lang unrasiert und eher lässig gekleidet durch diesen Film gegangen ist, endlich mit glattem Gesicht und einem sehr scharfen Smoking ein Casino in Macao betritt, sich an die Bar stellt und seinen Martini geschüttelt, nicht gerührt, bekommt. Und dann spricht er mit einer Frau, die sehr schön, sehr dunkelhaarig und sehr traurig ist, und als sie den Fremden fragt, wer er sei, sagt der nur: „Bond. James Bond.“

Bond ist gestorben

Und das ist der Moment, da schreckt man auf in seinem Kinosessel und fragt sich selber und den Film: Kann es wirklich sein, dass dieser Mann, da draußen in der Ferne, noch immer nicht gehört hat, dass Bond tot ist? Denn James Bond, der beste Mann im Geheimdienst Ihrer Majestät, ist gestorben, da war dieser Film gerade eine Viertelstunde alt. Er hat, zuvor, noch einmal gezeigt, wer er ist, was er kann.

Er hat einen feindlichen Agenten durch ganz Istanbul gejagt, erst mit dem Auto durch die Gassen, dann mit dem Motorrad über Dachfirste, durch den Basar, eine wundervolle Verfolgungsjagd, präzise inszeniert, elegant choreographiert, so schnell, dass man als Zuschauer nicht recht weiß, ob es einen schwindelt oder ob man den Rhythmus mitklatschen soll. Und dann stehen und ringen und prügeln einander die beiden Männer auf dem Dach eines Zuges, der hinausfährt aus der Stadt, und Eve, Bonds Assistentin, jagt im Land Rover hinterher. Die Straße wird enger, der Zug fährt in die Berge, es kommen Brücken, Tunnels, und dann gibt M, die Chefin, den Befehl, dass Eve den feindlichen Agenten erschießen solle. Sie trifft ihn nicht, sie trifft James Bond.

Bond einmal ganz unrasiert

Und das, denkt man, während Bond in eine Schlucht stürzt und auf einem Fluss aufschlägt, das ist zwar traurig, aber konsequent. Bonds Zeit war seit langem vorbei, seit mindestens zehn Jahren, seit dem Film „Stirb an einem anderen Tag“ also, dem Bond-Film von 2002, in welchem der ganze Anachronismus der Bond-Welt überdeutlich sichtbar wurde. Im Juli 2001 hatte das Magazin „Atlantic Monthly“ berichtet, warum es so schwer sei, Al Qaida und ähnliche Terrorgruppen zu unterwandern: weil kein Amerikaner und kein Europäer sich das zumuten wolle, wie ein Islamist zu leben, ohne Rasierapparat, ohne Alkohol, ohne eine Frau, in irgendeinem schmutzigen Versteck in der Wüste oder in den Bergen.

Am 11. September offenbarte sich, wie richtig diese Analyse war. Und im Herbst darauf lief „Stirb an einem anderen Tag“, der damit begann, dass James Bond aus nordkoreanischer Gefangenschaft entkam. Er war mager, er war schmutzig, sein Bart hing herunter bis zur Brust. Er sah aus wie einer, den Al Qaida aufgenommen hätte. Aber James Bond checkte erst mal im Luxushotel ein, bestellte den Schneider und den Friseur, und nach ein paar Stunden sah er wieder so aus, dass man auch aus hundert Metern Entfernung sah: Diese Mann ist Bond. James Bond.

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