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Video-Filmkritik Dem Spiel der Liebe zusehen: „Alle anderen“

Früher haben sich das nur die Franzosen getraut - einen Film allein über das alltägliche Hin und Her der Liebe. Das deutsche Drama „Alle anderen“ von Maren Ade folgt den wechselnden Gestalten der Gefühle.

© Prokino Vergrößern Video-Filmkritik: „Alle anderen“

Ein junges Paar auf Sardinien. Mehr nicht. Später kommt noch ein weiteres Paar dazu und bringt durch seine schiere Präsenz einiges durcheinander, aber die meiste Zeit verbringt man mit Gitti und Chris, also mit Birgit Minichmayr und Lars Eidinger, und sieht ihnen dabei zu, wie das so geht in der Liebe, das Auf und Nieder, das Hin und Her, das Sehnen und Zweifeln, das Gelingen und das Verpassen. Früher haben sich das nur die Franzosen getraut, sich einen Film lang nichts anderem zu überlassen, weil das Welt genug ist.

Das geht nun also auch hierzulande, dass man von Beziehungen erzählt, ohne dass gleich alle den Kopf hängen lassen. Natürlich ist das auch mit Schmerzen verbunden, und Maren Ades Film geht durchaus dorthin, wo es weh tut, aber vor allem lebt er von der Lust, dem Spiel der Liebe zuzusehen, und ähnelt darin Sebastian Schippers „Mitte Ende August“, der das vor dem Hintergrund von Goethes „Wahlverwandtschaften“ tut.

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Das Ungefähre, Ungewisse, Schwebende

Maren Ade konzentriert den Blick noch mehr auf das einzelne Paar, das erst mal nur verliebt Urlaub im Ferienhaus von Chris' Eltern verbringt. Das Necken und das Turteln, die Rollenspielchen und Scheingefechte sind mit einer solchen Vertrautheit der Darsteller miteinander in Szene gesetzt, dass man sich bald ganz dieser Beziehung überlässt. Und was Maren Ade dabei vor allem einfängt, ist jene Eigenheit der Liebe, dass sie stets ihre Gestalt verändert. Dass sie stets aufs Neue beschworen, verhandelt, gelebt werden muss. Schon deswegen, weil man die Welt auch in den Ferien nie ganz ausschließen kann, die Vergangenheit nicht und die Zukunftsängste auch nicht.

Chris ist Architekt, und wie viel seine Erfolglosigkeit mit seinem Idealismus zu tun hat, ist eine der Fragen, die sich stellt, als er von seinem Partner am Telefon erfährt, dass sie mit einem hoffnungsvollen Projekt nicht angenommen wurden. Dass er von diesem Anruf Gitti nichts erzählt, bringt eine erste Irritation ins Spiel. Vielleicht hat es damit zu tun, dass er Gittis Hoffnungen nicht enttäuschen will, vielleicht damit, dass er vorher schon mal Zweifel an der eigenen Männlichkeit geäußert hat. Aber sobald man versucht, diese Motive festzunageln, merkt man, wie wenig man der luftigen Art gerecht wird, mit der Ade genau dieses Ungefähre, Ungewisse, Schwebende der Emotionen einfängt.

Eine Einsicht in die Natur der Liebe

Gitti arbeitet als Pressefrau bei einem Musik-Label. Auch sie äußert mal die Angst, seinen Ansprüchen womöglich nicht zu genügen, wünschte manchmal, sie wäre eine andere. Das ist das Faszinierende an dem Film, dass in diesen Äußerungen so gar keine Mutwilligkeit steckt, nur um des Drehbuchs willen etwas in Gang zu bringen, sondern eine geradezu grundsätzliche Einsicht in die Natur der Liebe, die sich beiden umso mehr entzieht, je mehr sie sich ihrer versichern wollen. Manchmal ist es fast, als stünde sie wie eine dritte Figur im Raum.

Das Gelingen des Films hat natürlich viel mit der natürlichen Art zu tun, mit der Lars Eidinger und Birgit Minichmayr miteinander umgehen, mit seinem scheuen Lächeln und ihrer atemberaubenden Präsenz - aber eben auch mit der Regisseurin Maren Ade, die beschlossen hat, dass die Liebe als Thema für ihren zweiten Film genug ist.

Quelle: F.A.Z.

 
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