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Video-Filmkritik: „Das Bourne Vermächtnis“ Die Wildnis ist überall

Nach der erfolgreichen „Bourne“-Trilogie bringt Regisseur Tony Gilroy jetzt „Das Bourne Vermächtnis“ ins Kino. Doch statt Matt Damon ist jetzt Jeremy Renner der Agent auf der Flucht.

© Universal, F.A.Z. Vergrößern Video-Filmkritik: „Das Bourne Vermächtnis“

Die arktische Wildnis ist eine Gegend, in die sich gejagte Agenten gern zurückziehen. Hier sind sie allein mit den Wölfen und den Wäldern, und lange Zeit war es die Hauptaufgabe, die Körpertemperatur nicht auf das Niveau der Außentemperatur sinken zu lassen. Doch schon seit einer Weile ist es auch dort oben mit der eisigen Ruhe zu Ende. Moderne Waffensysteme orten aus der Luft jeden lebenden Organismus, und es ist gerade die Körperwärme, die dabei verräterisch ist.

Längst schwärmen die Suchtrupps nicht mehr in Truppenstärke aus, sondern sitzen bei ihrer Arbeit im warmen Kämmerchen und verlassen sich dabei auf das, was Drohnen orten. Sie können auf ihren Schirmen allerdings nicht sehen, wen genau sie da vor sich haben.

Etwa einen Mann wie Aaron Cross, der es zu Beginn von „Das Bourne Vermächtnis“ in einem fast dreiviertelstündigen Fluchtmarathon zweimal mit einer Drohne aufnimmt. Er hat dabei bessere Voraussetzungen als die meisten Kollegen, denn er entstammt einem CIA-Programm zur Herstellung genmanipulierter Agenten. Außerdem entstammt er einem der erfolgreichsten Franchises der neueren Actionkinogeschichte.

Jeremy Renner ersetzt Matt Damon

Cross tritt hier an die Stelle von Jason Bourne (Matt Damon), der auch schon die meiste Zeit im Laufschritt unterwegs gewesen war. Eigentlich war seine Geschichte zu Ende, nun beginnt sie mit Jeremy Renner (seit „The Hurt Locker“ eines der neuen Männeridole in Hollywood) einfach noch einmal von vorn. Und wie es mit dem Laufen so ist: Man gewöhnt sich dran.

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Es gibt so etwas wie eine Hochpulsroutine, für die Tony Gilroy hier eine meist plausible Verlaufsform mit kleinen Sinnlöchern findet. Cross und die ihm als Partnerin zufallende Ärztin Marta (Rachel Weisz) hasten von einem Fadenkreuz zur nächsten Überwachungskamera, immer im Bewusstsein dessen, dass es auf dieser Erde nur noch wenige Winkel gibt, in denen sie nicht entdeckt werden können.

Entweder Masse oder Magnet

Die Zeit, bis sich die Suchtechnologien justiert haben, muss jeweils genützt werden, und wer aus Amerika nach Manila fliegen will, muss angesichts der vielen Kameras auf den Flughäfen immer den Blick gesenkt halten. Damit macht man sich aber schon wieder verdächtig.

Auf eine gut konfektionierte Weise entwirft „Das Bourne Vermächtnis“ diesen Planeten als ein biopolitisches und überwachungstechnologisches Labor, in dem die obligate Verfolgungsjagd die Rollen zuteilt. Man ist entweder Masse oder Magnet, und im Angesicht des Übermenschentheaters, das da vor unseren Augen ständig abläuft, wird es eigentlich Zeit für eine neue philosophische Denkweise: Kollateralhumanismus.

Ab Donnerstag im Kino.

Quelle: F.A.S.

 
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