Home
http://www.faz.net/-gs7-72pnu
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Bibliothek

Video-Filmkritik: „Das Bourne Vermächtnis“ Die Wildnis ist überall

Nach der erfolgreichen „Bourne“-Trilogie bringt Regisseur Tony Gilroy jetzt „Das Bourne Vermächtnis“ ins Kino. Doch statt Matt Damon ist jetzt Jeremy Renner der Agent auf der Flucht.

© Universal, F.A.Z. Vergrößern Video-Filmkritik: „Das Bourne Vermächtnis“

Die arktische Wildnis ist eine Gegend, in die sich gejagte Agenten gern zurückziehen. Hier sind sie allein mit den Wölfen und den Wäldern, und lange Zeit war es die Hauptaufgabe, die Körpertemperatur nicht auf das Niveau der Außentemperatur sinken zu lassen. Doch schon seit einer Weile ist es auch dort oben mit der eisigen Ruhe zu Ende. Moderne Waffensysteme orten aus der Luft jeden lebenden Organismus, und es ist gerade die Körperwärme, die dabei verräterisch ist.

Längst schwärmen die Suchtrupps nicht mehr in Truppenstärke aus, sondern sitzen bei ihrer Arbeit im warmen Kämmerchen und verlassen sich dabei auf das, was Drohnen orten. Sie können auf ihren Schirmen allerdings nicht sehen, wen genau sie da vor sich haben.

Etwa einen Mann wie Aaron Cross, der es zu Beginn von „Das Bourne Vermächtnis“ in einem fast dreiviertelstündigen Fluchtmarathon zweimal mit einer Drohne aufnimmt. Er hat dabei bessere Voraussetzungen als die meisten Kollegen, denn er entstammt einem CIA-Programm zur Herstellung genmanipulierter Agenten. Außerdem entstammt er einem der erfolgreichsten Franchises der neueren Actionkinogeschichte.

Jeremy Renner ersetzt Matt Damon

Cross tritt hier an die Stelle von Jason Bourne (Matt Damon), der auch schon die meiste Zeit im Laufschritt unterwegs gewesen war. Eigentlich war seine Geschichte zu Ende, nun beginnt sie mit Jeremy Renner (seit „The Hurt Locker“ eines der neuen Männeridole in Hollywood) einfach noch einmal von vorn. Und wie es mit dem Laufen so ist: Man gewöhnt sich dran.

Mehr zum Thema

Es gibt so etwas wie eine Hochpulsroutine, für die Tony Gilroy hier eine meist plausible Verlaufsform mit kleinen Sinnlöchern findet. Cross und die ihm als Partnerin zufallende Ärztin Marta (Rachel Weisz) hasten von einem Fadenkreuz zur nächsten Überwachungskamera, immer im Bewusstsein dessen, dass es auf dieser Erde nur noch wenige Winkel gibt, in denen sie nicht entdeckt werden können.

Entweder Masse oder Magnet

Die Zeit, bis sich die Suchtechnologien justiert haben, muss jeweils genützt werden, und wer aus Amerika nach Manila fliegen will, muss angesichts der vielen Kameras auf den Flughäfen immer den Blick gesenkt halten. Damit macht man sich aber schon wieder verdächtig.

Auf eine gut konfektionierte Weise entwirft „Das Bourne Vermächtnis“ diesen Planeten als ein biopolitisches und überwachungstechnologisches Labor, in dem die obligate Verfolgungsjagd die Rollen zuteilt. Man ist entweder Masse oder Magnet, und im Angesicht des Übermenschentheaters, das da vor unseren Augen ständig abläuft, wird es eigentlich Zeit für eine neue philosophische Denkweise: Kollateralhumanismus.

Ab Donnerstag im Kino.

Quelle: F.A.S.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Sagen Sie mal, Frau Doktor Kann man weniger Schwitzen lernen?

Hilft das Hausmittel wirklich? Kann ich dem Gesundheitstipp meiner Nachbarin trauen? Ärztin Christina Stefanescu antwortet auf Fragen, die Sie schon immer mal stellen wollten – ganz ohne Termin. Heute: das Kreuz mit dem Schweiß. Mehr

17.09.2014, 15:54 Uhr | Stil
Robin Williams starb durch Erhängen

Der Hollywoodstar Robin Williams hat sich laut Angaben der Polizei erhängt. Der Schauspieler sei von seinem Assistenten aufgefunden worden. Mehr

13.08.2014, 09:30 Uhr | Gesellschaft
Kinderfernsehen und Internet Meine Apps ess’ ich nicht

Das Kinderfernsehen schwört dem Internet ab: Super RTL setzt nicht aufs Netz, sondern aufs Fernsehmachen nach alter Schule - und, um neben Sendern wie Disney Channel zu bestehen, auch auf Action und Getöse. Mehr

10.09.2014, 21:07 Uhr | Feuilleton
Damon Albars: Everyday Robots

Hörprobe: Lonely Press Play Mehr

05.05.2014, 14:19 Uhr | Feuilleton
Yvonne Hofstetter: Sie wissen alles Wir und unsere virtuellen Zombies

Der Fehler liegt nicht im System, sondern im Menschen: Buchautorin Yvonne Hofstetter weiß, mit welchen rechnerischen Methoden Big Data die Solidargemeinschaft aushöhlt. Mehr

15.09.2014, 17:09 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 12.09.2012, 16:57 Uhr

Amazon steckt im Kampf um höhere E-Book-Rabatte zurück

Von Andreas Platthaus

Im Streit mit den deutschen Verlagen der Bonnier-Gruppe hat Amazon eingelenkt. Von ihrer Unbeugsamkeit sollte ein Signal ausgehen über die deutschen Grenzen hinaus. Mehr 5 5