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Video-Filmkritik : Seine Erleuchtung kommt unter Wasser

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Diesen Witz hätte man sich nicht ausrechnen können: Die Kinokomödie „Swimming With Men“ schenkt alternden Männern eine seltsam graziöse Würde.

          „Sie müssen ja sehr gut bei Sudoku sein.“ Dieses zweifelhafte Kompliment gibt Eric, einem mittleren Angestellten in einer englischen Firma, endgültig den Rest. Mit den Zahlen hat er es zwar tatsächlich, er ist ein „numbers man“, zu Deutsch: ein Buchhalter. Gefühlt übt er diese Tätigkeit seit dreihundert Jahren aus, und dabei ist es auch kein Trost, dass er in einem Großraumbüro immerhin einen eigenen Glaskasten hat. Er ist also ein wichtiger Buchhalter. Eric steuert aber auf einen Wendepunkt zu. Passenderweise versucht er seiner latenten Depression durch Schwimmen zu entkommen. Das ruhige Ziehen von Bahnen macht zwar schön müde, die Monotonie wird dadurch aber nur verstärkt.

          Eines Tages hat Eric eine Epiphanie. Im Schwimmbad. Unter Wasser, wo man durch die Brille sowieso alles ein wenig surreal sieht. Eric sieht strampelnde Männer in Badehosen. Die Badehosen sind in einigen Fällen die eine oder andere Nummer zu klein. Und Eric begreift auch nicht gleich, was er hier vor sich hat. Dazu bedarf es dann doch der mündlichen Erläuterung bei einem Bier. Eric ist auf eine Gruppe männlicher Snychronschwimmer gestoßen, die ihrem Tun gern höhere Weihen geben: „This club is an idea.“ „This club is a protest.“

          Da fragt sich natürlich, wogegen? Auf dieser Ebene bekommt die Komödie „Swimming With Men“ von Oliver Parker etwas Existentielles, denn der Protest der sieben ausgesucht unterschiedlichen Männer richtet sich gegen etwas, an das nicht appelliert werden kann: gegen das Vergehen der Zeit, gegen die Zumutungen des Alters, gegen die Unwägbarkeiten des Lebens. Das könnte man alles auch bei einem Bier besprechen, aber dann wäre der Club nur ein Stammtisch. Synchronschwimmen ist ein Sport, den man vor allem mit jungen Frauen assoziiert. Es hat also schon etwas Eigensinniges, wenn ein paar ältere Säcke sich entschließen, die Kunst des „Schwebens“ als soziale Form zu üben. Es hat auch etwas Gesuchtes, denn Synchronschwimmen für Männer ist so etwas wie ein Orchideenfach selbst in einem Land, das für exzentrische Steckenpferde bekannt ist.

          Im strikten Sinne Kunst um der Kunst willen

          Der springende Punkt an dem Drehbuch von Aschlin Ditta ist also, dass er seine Idee nicht zu sehr ausreizt. Er muss das „Swimming With Men“ so normal wie möglich erscheinen lassen, er muss mit dem homosozialen Aspekt eines unwillkürlich als „schwul“ angesehenen Sports klug umgehen, und er muss ein gutes Verhältnis zur Tradition suchen. Denn es gibt ein berühmtes Vorbild, jedenfalls im weiteren Sinn: „The Full Monty“ erzählte 1997 von einer Gruppe arbeitsloser Männer aus Sheffield, die sich zu einem Stripperensemble zusammenfinden.

          Geld spielt für die Männergruppe in „Swimming With Men“ keine Rolle, auch wenn Eric gern seinen Job kündigen würde. Die Bemühungen um ein ordentliches Wasserballett sind vielmehr im strikten Sinne Kunst um der Kunst willen, also zwecklos, abgesehen von einem therapeutischen Effekt für Männer, die sich in der berühmten Krise in der Mitte des Lebens befinden, auf sie zusteuern oder sie schon absolviert haben. Eric ist so tief mittendrin, dass er selbst einen unbedeutenden Kollegen seiner Frau, die gerade in die Politik gegangen ist, als Nebenbuhler sieht.

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