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Terence Malicks „Song to Song“ : Die Liebe in Zeiten der Hyperoptimierung

Bild: Broad Green Pictures

Es kann einem kalt werden bei diesem Film: „Song to Song“ von Terrence Malick ist Kopfkino mit Stars wie Natalie Portman, Ryan Gosling und Michael Fassbender – und noch mehr Weltverbesserungssucht.

          Alles Schlechte, was man über diesen Film sagen kann, stimmt. Dass er keine Geschichte erzählt, sondern nur Stimmungen evoziert. Sich an den eigenen Bildern berauscht, sinnlos treiben lässt im Assoziationsstrudel: noch eine Poolparty, noch ein Hochhausloft, noch eine Sommerwiese im Wind. Dass er immer von neuem große Ideenhorizonte aufmachen will, aber dann doch wieder nur die Abendsonne müde durch das Panoramafenster blinzelt. Oder eine Männerhand mit eingespielter Zärtlichkeit über eine blasse Frauenwange streicht, so langsam, als würden ihr gleich die Fingerkuppen einschlafen. Ein Film, der die ganze Zeit „Fühl mich! Spür mich!“ ruft. Esokino. Furchtbar.

          Simon Strauß

          Redakteur im Feuilleton.

          So kann man ihn sehen, den neuen Film von Terrence Malick. Als Fortsetzung seiner protometaphysischen Wende, die mit dem schwer erträglichen Erweckungsfilm „Tree of Life“ begann und sich mit „To the Wonder“ und „Knight of Cups“ fortsetzte. Ein weiterer Offenbarungseid im großen malickschen Bekenntnis zum Leben, zur Schöpfung, zur kitschgetränkten Schönheit des Augenblicks.

          Als wäre er ein Ballermannidiot

          Aber man kann sich – mit einiger Anstrengung – auch einen anderen, eigenen Weg durch die Bilderfluten bahnen. Alle Symbole und Verweise links liegenlassen, nicht den philosophisch angestrichenen Zaunpfählen folgen, mit denen allenthalben gewunken wird, sondern sich ganz und gar auf die Schauspieler konzentrieren, die hier auch vorkommen. Es sind nicht die schlechtesten – jedenfalls, wenn man Qualität am Talent zur Ausdrucksform misst. Inmitten all der Visionsästhetik zu sehen sind: Michael Fassbender, Ryan Gosling, Natalie Portman, Rooney Mara, Cate Blanchett – um nur die wirkungsstärksten zu nennen. Daneben haben Patti Smith und Iggy Pop Gastauftritte, genauso wie die Red Hot Chili Peppers und Florence + The Machine – eine Starbesetzung für einen Kopfkinofilm mit Weltverbesserungssucht.

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          Fassbender spielt einen arroganten Musikproduzenten, der so reich und berühmt ist, dass er vergessen hat, wie sich das richtige Leben jenseits von erfolgreichen Vertragsabschlüssen und morgendlichen Terrassenblicken aufs offene Meer anfühlt. Gegen die Leere geht er mit voller Laufstärke vor, will fühlen, einfach irgendetwas spüren: Also hat er harten Sex, hört dröhnende Bässe und macht hier und da ein bisschen Slamdance auf dem Austin-Musikfestival. Aber die Empfindung will einfach nicht kommen. Seine blasse Freundin Faye (Rooney Mara), der er protzig eine große Karriere versprochen hat, träumt davon, begehrt und verehrt zu werden. Auf einer Party trifft sie einen schüchternen Musiker im Holzfällerhemd (Ryan Gosling), den ihr Freund gerade zu einem Plattenvertrag überredet hat. Gemeinsam fahren die drei nach Mexiko, trinken und kugeln im Sand. Kurz blitzt ein Dreieck am Himmel auf, dann wird es doch eine Waagerechte von A nach B. Faye entscheidet sich für den zurückhaltenden Musiker, nicht zuletzt, weil ihr dämlicher Angeberfreund nicht damit aufhören kann, seine Sonnenbrille die Stirn so hochzuschieben, als wäre er ein halbdebiler Ballermannidiot.

          Am Ende nicht mehr als ein zynischer Spruch

          Gosling und Mara werden ein Liebespaar auf Zeit. „Du kannst mir alles erzählen – das ist das Schöne an mir“, sagt er. „Die Welt baut einen Zaum um uns herum – wie kommt man hinein“, sagt sie. Gemeinsam werfen sie Klopapierrollen aus dem Hochhausfenster, tratschen beim Abwasch und stecken sich Grashalme in die Nasenlöcher. Wie Kinder, die in erwachsenen Körpern gefangen sind. Sex spielt für sie keine große Rolle – sie lachen lieber und laufen gemeinsam über eine Sommerwiese. Das ist das eine Liebespaar: romantisch, verspielt, frei.

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