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Kinofilm „Fack ju Göhte 3“ : Abi nun, ach!

  • -Aktualisiert am

Bild: Constantin Film

Die „Fack Ju Göhte“-Filme haben das alte deutsche Klassenzimmer-Komödienformat ins einundzwanzigste Jahrhundert geboxt. Der dritte Teil „Final Fack“ stellt sich jetzt selbst das Abschlusszeugnis aus.

          Wenn es für „Abschaum“ einen eigenen Numerus Clausus gäbe, dann wäre die 4,0, mit der Zeynep aus der Goethe-Gesamtschule das Abi schafft, wahrscheinlich ein großer Erfolg. Sie freut sich jedenfalls tierisch, auch wenn sie damit einen Zehntelpunkt schlechter ist als ihre beste Freundin Chantal, die mit 3,9 über die Ziellinie geht, hinter der das richtige Leben beginnt. Ein Leben als „wertvolles Mitglied der Gesellschaft“, was für die Schüler in der „Fack Ju Göhte“-Reihe in etwa so leicht vorstellbar ist, wie für deren Lehrer die Entzifferung der jugendkulturellen Codes ihrer Schutzbefohlenen.

          In einem Land, in dem Bildung das politische Mantra der größten denkbaren Koalition ist und ein paar klassische Bildungsromane eine ferne Erinnerung an nicht lineare Wege zur Bestimmung im Leben wachhalten, in so einem Land sind die „Fack Ju Göhte“-Filme so etwas wie der kleinste gemeinsame Nenner für die Zulassung zum Lernen, das hinter der Abischwelle auf lebenslang gestellt wird.

          Im aktuellen dritten Teil der Reihe „Fack Ju Göhte 3: Final Fack“, beginnt das Lernen mit der Bibliotheksbenutzung. Schon das Besteigen einer Klappleiter ist mit den Plateausneakers, die Chantal gern trägt, eine eigene Lernaufgabe. Und dann muss sie in dem dicht bestückten Regal auch noch den Band finden, der neben Foucault steht – ein Gag am Rande, mit dem Regisseur Bora Dagtekin vielleicht einen größeren Horizont abstecken wollte, denn eigentlich hat sich die französische Diskursanalyse und Machtkritik in der deutschen Pädagogik nie in größerem Stil durchgesetzt. Und Foucault ist ja insgesamt eher Plusquamperfekt, oder Plusheidiklumperfekt, wie das entsprechende Tempus an der Goethe heißt.

          Verfasst von einem gewissen Reclam

          Neben Foucault müsste eigentlich „Faust II“ stehen, ein kanonisches deutsches Werk, von dem die Rasselbande hier zum ersten Mal erfährt, nachdem sie sich in Teil 2 schon mit dem ersten Teil (verfasst von einem gewissen Reclam, noch immer eine der besten Pointen der ganzen Trilogie) auseinanderzusetzen hatte. Bora Dagtekin nimmt hier aber eine von vielen unvermuteten Abzweigungen, und bei der Lehrprobe von Zeki Müller geht es dann nicht um „Faust II“, sondern um „Homo Faber“ von Max Frisch, der in der Bibliothek eigentlich rechts von Foucault stehen müsste. Der Homo Faber ist der Ahnherr all derer, die über die MINT-Fächer das Land für eine Zukunft tauglich machen sollen, in der von Faust dann nur noch die Landnahme unterrichtet würde. Da hat sich Bora Dagtekin eigentlich einen Witz entgehen lassen, über den aber wohl nur ein paar Pädagogen gelacht hätten.

          Na,wird das was mit dem Abi? Zeki Müller (Elyas M’Barek, Mitte) und seine Rasselbande aus „Fack ju Göhte 3“.
          Na,wird das was mit dem Abi? Zeki Müller (Elyas M’Barek, Mitte) und seine Rasselbande aus „Fack ju Göhte 3“. : Bild: obs

          Die „Fack Ju Göhte“-Reihe lässt sich insgesamt selbst als Lernexperiment sehen. Der erste Teil war eine krachend reaktionäre Männerfantasie, in der aus dem Lehrer Zeki Müller ein „Arsch mit Herz“ werden sollte, ohne dass dabei die Geschlechter- und Autoritätsvorstellungen aus den fünfziger Jahren angetastet werden mussten. Im zweiten Teil legte der Regisseur und Autor Dagtekin das Gewicht stärker auf die Schülergruppe um Chantal, Zeynep, Danger und Burak, das Ergebnis sah stark nach einem Film aus, der direkt aus dem Smartphone kam, hatte aber Herz und Hirn.

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