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Star Trek : Mein Haus will fliegen

Bild: F.A.Z., Paramount

Justin Lins Planetenfilm „Star Trek Beyond“ renoviert das Raumschiff Enterprise. Im All wird derweil genauso asymmetrisch Krieg geführt wie auf der Erde des 21. Jahrhunderts.

          Langsam und gemessen geht’s diesmal los; man hat ja viel vor, und unbedachte Hast kann da nur schaden. Eine Art Vorspiel hakt die Crew des berühmtesten interstellaren Schiffs der starfleet, das seit fünfzig Jahren Bildschirme und Leinwände kreuzt, Figur für Figur ab wie beim Casting-Defilee. Doktor McCoy in der Interpretation von Karl Urban ist nach wie vor ohne Unterbrechung auf besorgte Art gereizt beziehungsweise auf empörte Art beleidigt.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Zachary Quinto bleibt der einzige Mister Spock, der nach oder neben Leonard Nimoy in der Rolle seines Lebens nicht dumm dasteht wie ein anmaßender Usurpator. John Cho als Mister Sulu lächelt, nunmehr offenbar verheirateter schwuler Vater, immer gewinnender. Der kurz vor dem Filmstart von „Star Trek Beyond“ tragisch verstorbene Anton Yelchin als Chekov setzt sein nervöses Talent als quirliger Szenenverfeinerer großzügig ein, wo immer es gebraucht wird. Simon Peggs Ingenieur Montgomery Scott schraubt sich geduldig und methodisch tief in Mark und Bein der Story. Zoe Saldana hält ihre Nyota Uhura auf dem schmalen Pfad zwischen Gravitas und erotischer Präsenz kerzengerade. Und der Chef?

          Chris Pine bleibt bei seinem Leisten: Abermals gibt er den Captain James Tiberius Kirk, der nachdenklich ins Nirgendwo guckt, während neben ihm im rechteckigen Hyperraum-Bullauge die weißglühenden Sternenschlieren vorbeiwischen, immer noch so, als wäre sein Job der, William Shatner zu spielen, wie dieser seinen nun mal in keiner Hinsicht verbesserungsanfälligen Kirk spielt. Ist es ja auch; alles in Ordnung.

          Militarisiert wie nie

          Nachdem das Ensemble also steinchenweise legogerecht zusammengesteckt ist, geht es einem Lockvogel auf den Leim und verliert das Raumschiff bei einer Bruchlandung auf einer gottverlassenen Hinterwelt in einem instabilen Nebel ohne Fernverbindung zur Dachorganisation der Sternenflotte, der United Federation of Planets.

          In einer menschenfeindlichen Umgebung voll schwebender Pusteblumenquallen, wimmelnder Fledermauskäfer und Schnitzeljagd-Hinweise in außerirdischer Kurzschrift müssen die Guten einander und sich selbst nunmehr retten, so gut sie können, und außerdem verhindern, dass ein schuppiger Giftkobold namens Krall ein uraltes, etwa handtellergroßes technisches Objekt ergattert, mit dem sich, in den falschen Händen, Tentakeln oder Scheren, unbeschreibliches Unheil anrichten ließe. Dieses ominöse „doodad“ (McCoy), zu Deutsch also etwa „Dingsbums“, muss hier nicht breit diskutiert werden. Es interessiert auch den Film und dessen Regisseur Justin Lin, der bislang vor allem durch Verfolgungsjagdpartien und Karambolagenmikado von sich reden gemacht hat, nicht so richtig.

          Stattdessen richtet der Mann, der von J.J. Abrams für „Star Trek Beyond“ das Amt des „Star Trek“-Kinodirektors übernommen hat, sein Augenmerk auf Nahkampf, Infanteriebewegung, das Entern der „Enterprise“, Kriegsgefangenschaft, Strategie, Taktik. Kurz: So militarisiert war dieses fiktive Universum noch nie, es ließe sich aus der Handlung ein Handbuch dessen abstrahieren, was amerikanische Kriegswissenschaftler neuerdings „fourth generation warfare“ nennen, womit das momentan welterschütternde Durcheinander von gar nicht mehr erklärten Kriegen, tief ins Hinterland verlegten Schlachtfeldern und nur noch fakultativer Uniformierung der Kombattanten gemeint ist.

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