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Video-Filmkritik : Krake als Camouflagekünstler

Bild: AP

Pixar setzt nach dreizehn Jahren eine Trickfilm-Legende fort: Auf „Findet Nemo“ folgt jetzt im Kino „Findet Dorie“. Und das lohnt sich.

          Dieser Film hat bei seinem Start in den Vereinigten Staaten vor fast vier Monaten alle Rekorde gebrochen. Zumindest alle für Trickfilme. Das will aber einiges heißen, denn immerhin waren unter jenen Werken, die ein weltweites Einspielergebnis von mehr als einer Milliarde Dollar vorweisen können, schon zuvor vier Animationsfilme, natürlich alle amerikanischer Provenienz: „Frozen“ (Disney, auf Deutsch „Die Eisprinzessin“), „Minions“ (Illumination), „Toy Story 3“ (Pixar) und „Zootopia“ (Disney, auf Deutsch „Zoomania“). Dieses Quartett ist nun also überholt worden durch „Findet Dorie“, das jüngste Werk des Pixar-Studios - allerdings vorerst nur in Amerika. Die Milliardenhürde hat er jedoch schon geknackt, und ob er sich vor „Frozen“ als umsatzstärkster Trickfilm aller Zeiten plaziert, wird sich erst jetzt entscheiden, wenn mit Deutschland der letzte große Markt in den Genuss kommt, ihn überhaupt zu zeigen. Unsere Nachbarn in Frankreich etwa bekamen „Findet Dorie“ schon Ende Juni zu sehen, während der Fußball-Europameisterschaft.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Damals traute man sich nicht, den Film auch hierzulande in die Kinos zu bringen, zumal in direkter Konkurrenz zu „Ice Age - Kollision voraus!“, dem fünften Teil des in Deutschland höchst erfolgreichen Eiszeit-Trickfilmvehikels aus dem amerikanischen Blue-Sky-Studio. Dabei hatte Pixar mit „Alles steht Kopf“ 2015 einen Riesenhit bei Publikum und Presse, auch in Deutschland, doch das Unglück wollte es, dass mit „Arlo & Spot“ kurz danach ein Desaster folgte - inhaltlich wie finanziell.

          Kein Geniestreich wie bei „Toy Story“

          Aber mit „Findet Dorie“ wusste man sich ja im Besitz eines Films, der alle Voraussetzungen für Erfolg bot, denn er ist, wie man schon dem Titel anhört, die Fortsetzung einer Pixar-Legende: des 2003 in die Kinos (und seitdem als DVD in Millionen Kinderzimmer) gelangten „Findet Nemo“, der nur sehr knapp unter der Milliarden-Dollar-Einspielgrenze geblieben ist. Und Fortsetzungen sind bekanntlich im derzeitigen Kino der beste Garant für Erfolg überhaupt: „Star Wars“, „James Bond“, Superheldenfilme aller Art. Und eben „Ice Age“, „Toy Story“, „Shrek“ und manches mehr im Animationsbereich.

          Aber ist „Findet Dorie“ nun nur kassenträchtig oder auch ein guter Film? „Findet Nemo“ war es nicht in jeder Hinsicht, weil Pixar da auf ein Problem stieß: Wie animiert man Fische, die in Wirklichkeit über keine expressive Mimik und Gestik verfügen? Der Geniestreich von „Toy Story“ hatte darin gelegen, das auch dort eigentlich unbewegte Objekte (Spielzeug) zu höchst mitreißenden Akteuren gemacht worden waren. Das gelang Pixars Animatoren bei „Findet Nemo“ nicht; erstmals waren es nicht die handwerklich und technisch brillanten Trickzeichner, sondern die prominenten Stimmen, die Pixar ins Ziel retteten. Dorie etwa, der vergessliche Paletten-Doktorfisch, der nun in der Fortsetzung in die Hauptrolle schlüpft, wurde und wird im Original von der Komikerin Ellen DeGeneres gesprochen; für die deutschen Fassungen engagierte man jeweils Anke Engelke.

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