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Kino : Randale in Pseudo-Berlin: „Mission: Impossible 3“

Filmkritik: Tom Cruise in "Mission Impossible 3" Bild: FAZ.NET mit Material von United International Pictures

Das Gesetz der Serie: Tom Cruise klont in „Mission: Impossible 3“ sich selbst und macht das Unmögliche mal wieder zum Kinderspiel. Diesmal kommt zum Bang-Bang noch ein Kiss-Kiss dazu. Aber das ist eher peinlich und bemüht.

          „Warum ist überhaupt etwas und nicht nichts?“ fragte vor mehr als dreihundert Jahren der Philosoph Leibniz. Wenn man einem Hollywood-Produzenten diese Frage vorlegte, dann würde der ganz einfach antworten: Weil man aus nichts kein Sequel machen kann. Das ist nicht bloß die Formel für „Mission: Impossible 3“, es ist auch die heimliche Paradoxie der sogenannten Sommer-Blockbuster, deren Armada „Mission“ in diesem Jahr als Flaggschiff anführt: Erst wenn die letzte Fernsehserie adaptiert, der letzte Comic umformatiert und der letzte Film sein eigenes Remake erlebt hat, erst dann wird man merken, daß es mal wieder einen Originalstoff braucht.

          Peter Körte

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Denn sieht man von der Bestsellerverfilmung „The Da Vinci Code“ ab, besteht der Rest der Hoffnungsträger auch in diesem Sommer aus Sequels, Prequels oder Remakes, wobei oft schon das „Original“ ein verkapptes Sequel war - auch „Mission Impossible“ geht ja ursprünglich auf eine Fernsehserie zurück, die in Deutschland unter dem Titel „Kobra, übernehmen Sie“ lief.

          Jetzt bläst ein Fernsehmann den alten Fernsehstoff auf

          Ansonsten schaut Superman diesen Sommer mal wieder vorbei, die „Piraten der Karibik“ nehmen den zweiten, die „X-Men“ den dritten Anlauf, Wolfgang Petersen läßt die „Poseidon“ von 1972 noch einmal kieloben übers Meer treiben, und Michael Mann hat ein Kino-Update seiner wegweisenden Achtziger-Jahre-Serie „Miami Vice“ angefertigt.

          Da klont auch Tom Cruise lieber sich selbst. Er hat dafür allerdings eine Weile gebraucht, weil er als sein eigener Produzent erst einen passenden Regisseur suchen mußte. David Fincher war schnell wieder weg, Joe Carnahan hatte kreative Differenzen mit Cruise, und so kam der 39jährige J. J. Abrams ins Spiel, der manchen als Fernsehgott gilt. Immerhin hat er „Alias“ miterfunden und „Lost“. Cruise soll sogar derart begeistert gewesen sein, als er sich eine ganze Staffel von „Alias“ am Stück ansah, daß er zwischendurch immer wieder aus dem Sessel sprang - was nach seinem Auftritt als lebender Hüpfball im amerikanischen Fernsehen ziemlich glaubhaft ist. Und irgendwie hat es ja auch seine Logik, daß jetzt ein Fernsehmann den alten Fernsehstoff aufbläst.

          Im Allerheiligsten durfte er nicht drehen

          „M:i:III“ also, wie der Film weltweit auf den Plakaten genannt wird, läßt das Unmögliche mal wieder zur lösbaren Aufgabe schrumpfen, und das klingt dann wie der Slogan eines Berliner Handwerksbetriebs, der die Erledigung des Unmöglichen für sofort verspricht - Wunder dauerten ein wenig länger. Daß der Film nicht auch in Berlin spielt, daß nur einmal ein Schriftzug „Berlin, Deutschland“ eingeblendet, diese Behauptung aber durch die uniforme Abbruchästhetik einer Fabrikhalle kaum beglaubigt wird, daran ist Wolfgang Thierse schuld, der es ablehnte, Tom Cruise eine Drehgenehmigung für den Reichstag zu erteilen.

          Statt durch die Kuppel zu turnen, muß Agent Ethan Hunt nun zwischen zwei Hochhäusern in Schanghai die Technik des Bungee-Jumping weiterentwickeln und in einem zum Vatikan aufgebrezelten Palazzo außerhalb von Rom durch finstere Gewölbe kriechen. Auch der Papst hat den Scientologen natürlich nicht ins Allerheiligste gelassen.

          Aus dem Reisekatalog jedes Agentenfilms

          J. J. Abrams hat dabei durchaus ein Gespür für aufregende Bildkompositionen, doch er verschleudert sie, als wären sie nur für den kleinen Bildschirm gemacht, wo grandiose Totalen zum unscharfen Gewimmel tendieren. Seine Choreographie für zwei Hubschrauber und ein Dutzend Windräder ist definitiv eine Welturaufführung: ein Rotorblätterballett mit viel Feuerwerk, eine gelungene Symbiose des Analogen mit dem Digitalen.

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