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Kino : Erfolgreichster Trickfilm aller Zeiten: „Findet Nemo“

Film-Kritik: Marlin in "Findet Nemo" Bild: Walt Disney Pictures, Pixar

„Findet Nemo“ hat mehr Geld eingespielt als je ein Zeichentrickfilm zuvor. Für die ehemals genialen Pixar-Studios aber ist der Film um die Abenteuer eines jungen Clownfischs aber ein Schritt zurück.

          Das derzeit erfolgreichste Studio im amerikanischen Filmgeschäft hört auf einen einprägsamen Namen: Pixar. Es beschäftigt keine Schauspieler, und es baut auch keine Kulissen. Und dennoch sind die fünf Spielfilme, die Pixar in den vergangenen acht Jahren produziert hat, allesamt Kassenknüller gewesen. Sie stammen aus dem Computer und haben die Konkurrenz derart düpiert, daß nunmehr eine ganze Branche eine Revolution durchlebt. Die Rede ist vom Trickfilm.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Disney hatte - wie fast immer in diesem Metier - den richtigen Riecher, als das Unternehmen 1995 einen Vertrag mit Pixar abschloß. Bis dahin hatten John Lasseter und seine Mitstreiter nur Kurzfilme hergestellt, allerdings bereits alle restlos computeranimiert. An diesem hehren Ziel war Disney selbst gescheitert, weil man sich zu früh an entsprechende Versuche gewagt hatte. 1982 war "Tron" in die Kinos gekommen (Lasseter arbeitete daran mit), aber die Rechnerkapazitäten reichten damals einfach noch nicht aus, um das hohe Niveau des klassischen Zeichentrickfilms zu erreichen.

          Vertrag mit Haken

          Sieben Jahre später erhielt Lasseter für seinen zauberhaften Kurzfilm "Tin Toy" einen Oscar, und man sah, daß der Charme der alten Animationstradition mit den modernen Mitteln eines Datentrickfilms zu verbinden war. Fortan ließ Disney den Kontakt zu seinem ehemaligen Angestellten nicht mehr abreißen, und als 1995 Pixars "Toy Story" in die Kinos kam, lag der weltweite Vertrieb bei Disney. Der Rest ist bekannt: "Toy Story" wurde ein Sensationserfolg, und seine vier Nachfolger "A Bug's Life", "Toy Story 2", "Monsters Inc." und nun "Finding Nemo" standen ihm nicht nach, so daß Disney es verschmerzen konnte, daß die Gewinne aus Eigenproduktionen immer weniger mithielten. Der Vertrag mit Pixar hatte allerdings einen Haken: Er lief nur über fünf Filme.

          Die sind nun abgedreht, und ausgerechnet der letzte, der von morgen an als "Findet Nemo" in die deutschen Kinos kommt, ist zum erfolgreichsten Trickfilm aller Zeiten geworden - erfolgreicher als "Schneewittchen und die sieben Zwerge", die große Legende von 1937, und erfolgreicher als Disneys "König der Löwen", der 1994 in finanzielle Dimensionen vorgestoßen war, die man für einen Trickfilm nicht für möglich gehalten hätte. Das Einspielergebnis von "Findet Nemo" liegt bislang bei rund vierhundert Millionen Dollar. Seine Produktionskosten werden in bester Disney-Tradition geheimgehalten; es sollte jedoch ein schönes Sümmchen übrigbleiben. Ein Ende der Erfolgssträhne von Pixar ist nicht absehbar. Wer also wird der neue Partner werden?

          Was macht Disney?

          Natürlich ist Disney weiterhin die erste Adresse, aber niemand zweifelt daran, daß der kleine Gigant den großen nicht mehr wirklich braucht. Umgekehrt verhält es sich anders. Die Tricksparte bei Disney stünde ohne die Pixar-Erträge traurig da. Deshalb wird in Branchenkreisen gemunkelt, daß bald das letzte Stündchen für den klassischen Zeichentrick schlagen könnte, wenn Disney seine altgedienten Künstler feuert oder anderweitig beschäftigt, um gleichfalls ganz auf Computeranimation zu setzen. Zumal die härteste Konkurrenz, das Dreamworks-Studio, mit "Shrek" bereits einen Renner des Datentrickfilms produziert hat, dessen zweiter Teil für nächsten Sommer bereits angekündigt ist. Doch was dürfen wir erwarten, wenn das Pixar-Rezept überall nachgekocht wird?

          Zunächst einmal Filme ohne persönliche Handschrift, wie es schon bei "Shrek" zu beobachten war, der aber durch eine gute Vorlage, das Kinderbuch von William Steig, und seinen Einfallsreichtum gerettet wurde. Der aber scheint sich an diesem einen Projekt schon erschöpft zu haben. Die Nachfolgeproduktion "Der wilde Mustang" geriet jedenfalls zu einem künstlerischen wie kommerziellen Desaster. "Shrek II" dürfte hier zum Prüfstein werden.

          Die eigene Geschichte

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