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Video-Filmkritik : Bilder schauen Bilder an

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Seit sich akustische und visuelle Effekte fürs Kino nicht mehr nur rechnen müssen, sondern auch von Maschinen gerechnet werden, traut ihnen unvorsichtige Regie manchmal zu viel zu: Sie sollen eine Kunst hervorbringen, die ältere, statische, flächige Künste dem Kino unterwerfen kann. Auf diesem Irrweg hat Vincent Ward schon 1998 in „What Dreams May Come“ mit Robin Williams impressionistisch-pointillistische Malerei verflüssigt, ging filmisch dabei aber in seinen Vorlagen baden; und dass Lech Majewski dreizehn Jahre später beim Versuch, „Die Kreuztragung Christi“ von Pieter Bruegel zu dramatisieren, nicht noch schmerzhafter gegen die vierte Wand zwischen Film und Publikum gefahren ist, als ihm das verdientermaßen widerfuhr, verdankt er nicht der Tricktechnik, sondern den Schauspieltalenten seines Ensembles.

Aufmerksamer, als es das Kino sonst verlangt

Solche Schauspielerei gibt es in „Miss Hokusai“ nicht; aber die Illusion, es gäbe überhaupt Schauspielerei, wo es nur deren Stimmen gibt, gelingt hier, weil Keiichi Hara weiß, was Hokusai meint, wenn er im Film sagt, die Tochter denke, sie könne bei genügendem Geschick einfach alles abbilden, was es auf der Welt zu sehen gebe, aber sie irre sich, das ließe sich nun mal nicht machen.

Vergisst man nicht, dass es für alle Künste handwerkliche Grenzen gibt, kann man sich innerhalb dieser Grenzen freier bewegen und muss dafür auf nichtästhetische Grenzen weniger Rücksicht nehmen. Zum Beispiel auf soziale - ein Teil des Films spielt im Edelprostituiertenmilieu und handelt dennoch, nein: gerade deshalb von Emanzipation. Auch die Grenzen zwischen Wirklichem und Unwirklichem, Haus und Hölle, Arbeit und Magie sind in „Miss Hokusai“ im Fluss: Hände aus Ektoplasma greifen an transparenten Seelenfäden über den Mond hinaus, berühren eine Pagodenspitze, Finger als Fühler - erst als man die natürlichen Hände, deren Verlängerung ins Spirituelle diese unheimlichen Extremitäten sind, in Gebetsperlenketten bindet, hört der Spuk auf. Das Gewöhnlich-Alltägliche wiederum erscheint unter der Kunstlupe mit einer ungewohnten Würde gesegnet: Die traditionell kantige, aus Einzelmomenten gebildete Bewegung analog animierter Figuren zum Beispiel wird zum subtilen Erzählmittel, wo eine uralte Frau ein Tablett mit Getränken in unendlicher Langsamkeit ein paar Schritte weit trägt. Das Verzauberte aber, worin Künstler okkulte Detektivarbeit leisten müssen, um das Heulen der Toten zum Verstummen zu bringen, das aus einem Bild dringt, ist von diesen Alltäglichkeiten in „Miss Hokusai“ stets nur ein Blinzeln weit weg: Trägt der Baum dort wirklich Totenschädel als Früchte, oder ist das nur ein Nachbild von Bildern, mit denen sich in diesem Spiel Leute auseinandersetzen müssen, die selbst schon Bilder sind?

Die Heldin hebt ihre buschigen Augenbrauen, sie staunt. Ihr gezeichneter Gesichtsausdruck lehrt uns, wie man aufmerksamer hinsieht, als es das Kino normalerweise verlangt. So öffnet sich der Blick, und etwas, das er noch nicht kannte, blüht für ihn auf.

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