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Video-Filmkritik zu Jim Knopf : Lokruf des Aufwands

Bild: dpa

Lummerland ist Märklinhausen: „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ kommt ins Kino. Das Buch hat die Verfilmung nicht nur überlebt, es bleibt auch lebendiger als sie.

          Fünfzehn Jahre lang, so lässt die Produktion von „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ wissen, habe man diesen Film vorbereitet. Regisseur Dennis Gansel teilt mit, die Geschichte vom Auszug der beiden Helden in die abenteuerliche Welt jenseits Lummerlands sei für ihn als Kind die allererste gewesen, die ihn fasziniert habe. Er selbst kam allerdings erst 2012 dazu, nachdem sein Vorgänger abgesagt hatte.

          Zunächst war eine englische Fassung geplant. Schließlich aber entschied man sich doch für zumeist deutschsprachige Schauspieler und Studios, nur die Wüstenszenen wurden in Südafrika gedreht. Fünfundzwanzig Millionen soll alles gekostet haben. Der Aufwand an Kulisse, Kostümen und Animation ist erheblich. Der mithin sehr dekorative Film hat es mit seiner Vorlage nicht leicht. An ihrer Oberfläche scheint sie tatsächlich nach großem Kino zu rufen: Meeresüberquerung und täuschende Luftbilder, einstürzende Gebirgsschluchten, eine chinoiseriehafte Kaiserstadt, das Felsentor „Mund des Todes“ und die Vulkanlandschaften mit lustigen Halb- und tyrannischen Ganzdrachen. „Jim Knopf“ erzählt die Geschichte einer Fahrt ins Wunderbare, eine Gemeinschaftsodyssee von Adoptivvater und Kind durch alle Naturerscheinungen und Regierungsformen.

          Für großes Kino zu skurril

          Doch das Buch begnügt sich nicht mit der Farbigkeit seiner Abenteuer. Es taucht gerade nicht in Stimmungen ein. Es ist kein Fantasy-Roman. Vielmehr von Anfang an voller Scherz, Satire, Ironie und tieferer Bedeutung. Alles beginnt auf einer Insel mit Eisenbahn, in der aber nur der Lokführer fährt. Ein Kaufladen für vier Kunden. Eine Monarchie mit nur zwei Subjekten – Lokomotivführer, heißt es, sind keine Untertanen –, wovon eines gar nichts anderes zu tun hat („Er ging nur spazieren und war eben da. Er war hauptsächlich Untertan und wurde regiert“), sowie einem Herrscher, der den ganzen Tag telefoniert. Ein Zwergstaat, der an Überbevölkerung leidet, wenn ein kleiner Waisenjunge (Solomon Gordon) dazukommt. Lummerland ist Märklinhausen. Für großes Kino viel zu klein und viel zu skurril.

          Der Film nimmt auf dieses Problem wenig Rücksicht, anders als einst die Version der Augsburger Puppenkiste. Er hält sich an das Phantastische und Exotische, bei den Bildern an die dramatischen, bei den Klängen an die kitschigen – „Eine Insel mit zwei Bergen“ für großes Orchester, was für ein Missverständnis! – und bei den Scherzen meist an die naheliegenden. Alfons der Viertelvorzwölfte ist hier – wie anders, wenn Uwe Ochsenknecht ihn gibt – eher ein Trottel als ein gutmütiger Nichtregent. Herr Ärmel (Christoph Maria Herbst), der Untertan, wird gleich mehrmals zum Opfer ein und desselben Bubenstreichs. Wo im Buch die Erwähnung asiatischer Speisen genügt, um den Lokomotivführern den Appetit zu nehmen, zeigt der Film eine Schale mit Gewürm. Steckt der Lukas des Buches den chinesischen Oberbonzen in einen Papierkorb, wird hier gleich eine Schlägerei daraus. Die Augsburger hatten die Szene ganz gelöscht, vermutlich weil Schlägereien unter Marionetten nicht überzeugen und um etwas Zeit für den Rest zu gewinnen. 114 Minuten nahm sich die Puppenkiste, 105 Minuten hat der Kinofilm.

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