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Filmkritik: „Der Hobbit“ : Wichtelwürde in Wehr und Waffen

Damit hatte er nicht gerechnet: Martin Freeman als Bilbo in „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ Bild: James Fisher/Warner Bros

Peter Jackson eröffnet nach „Der Herr der Ringe“ seine zweite Tolkien-Filmtrilogie: „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ ist eine neue Tür in einen Kosmos, den das Kino und das Publikum erst zu entdecken begonnen haben.

          Man muss Leute nicht von unten filmen, wenn man zeigen will, dass ihre Kämpfe und Leiden Größe haben. Aber wenn man’s kann, darf man’s auch - selbst bei Zwergen.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          “Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ verlässt sich ganz auf J. R. R. Tolkiens Nase für breitwandtaugliche Stoffe: Ein Drache hat die Zwerge aus ihrer Felsenfestung vertrieben. Seither sind sie in Mittelerde weit verstreut, verdingen sich als Handwerker oder irren unstet umher - bis die Vorzeichen sich mehren, wonach der Drache langsam müde wird und man ihn verjagen könnte. Ein Streitlustiger aus der Zwergenkönigslinie lässt sich vom Zauberer Gandalf ermutigen, mit einer Handvoll Getreuer in die Drachenburg einzudringen, um das besetzte Zuhause zurückzuerobern. Auch ein Hobbit wird für die Mission gewonnen, weil seinesgleichen sich aufs Anschleichen, Einbrechen und Entwischen versteht.

          Die nächste Kino-Trilogie

          Was das denn sei, ein Hobbit, will Peter Jackson, der mit seiner „Herr der Ringe“-Trilogie bereits die umfangreichste bebilderte Taxonomie erfundener Geschöpfe in der Geschichte des Kinos gestemmt hat, jetzt abermals drei abendfüllende Werke lang ganz genau wissen.

          Das letzte Mal hat er ein dreibändiges Epos bearbeitet, diesmal ist es ein Kinderbuch. Interessanterweise kehrt seine Besetzungspolitik dieses Quellenverhältnis um: Elijah Wood als Frodo war Kind in einer Welt der übermächtigen Erwachsenen, Martin Freeman als Bilbo ist nun ein Erwachsener in einer von infantilen Monstrositäten und ihren Leidenschaften zerrissenen Landschaft. „Kleine Leute“ sind alle beide, jener wie dieser.

          Zwerge als Sinnbild der „kleinen Leute“

          Der neue Film lässt sich zunächst Zeit, am Rouletterad der ethnisch-medizinisch-mythischen Bedeutungsfelder zu drehen, die man rund ums Sinnbild „kleine Leute“ arrangieren kann: Wichtel, Gnome, Pimpfe, Zwuckel, midgets, Schlümpfe, Kobolde, Pygmäen, Liliputaner dürfen dem Publikum einfallen, bis es schließlich auf eine quasisoziologische Lesart festgelegt wird: Kleine Leute, Hobbits und Zwerge, sind hier einfach die gesellschaftlich Zukurzgekommenen, die Unterdrückten, Ausgebeuteten, Ausgeschlossenen, Gejagten, die underdogs.

          Klugerweise setzt Jackson, damit aus der Parteinahme fürs knuffig Antimonumentale ein Film wird, der sich sehen lassen kann, durchweg auf den größtmöglichen Kontrast zwischen der bescheidenen Erscheinung seiner sympathisch verbauten Helden einerseits und dem Äußersten, was sich an Wucht, Glanz und Dröhnen aus den Apparaten holen lässt, andererseits.

          In Patinadunst getauchte Rückblenden

          Allein seine verschwenderische Farbregie reicht hin, Kunsthistoriker in epileptische Zusammenbrüche zu stoßen: Das Rubin-, Beryll-, Smaragd- und Goldrauschflirren der Drachenburg wird durch fieberheiße Kristallfilter angestaunt, dann flammen die Polarlichtblitze des Krieges auf, gefolgt von den Elmsfeuern des Heimwehs und einigen mal in knochenweiße Nebeltünche, mal in bronzierten Patinadunst getauchten Rückblenden. Die höchste schwarzromantische Verfeinerung schließlich perlt in den windbewegten Schleiern sprühender Wasserfälle, wo sich der Schimmer einer fahlen kosmischen Leselampe bricht, mit deren Hilfe Mondrunen entziffert sein wollen.

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