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Film der Woche Typisch Oscar: „A Beautiful Mind“

27.02.2002 ·  Ein Held für alle Fälle: Russell Crowe verwandelt sich vom „Gladiator“ in den genialen, aber kranken Mathematiker John Nash.

Von Swantje-Britt Koerner, Berlin
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Ron Howards Film „A Beautiful Mind“ gehört zu den Favoriten der diesjährigen Oscar-Verleiehung. Seine Weltpremiere erlebt er bei den Berliner Filmfestspielen im Februar.

Ron Howard („Splash“, „Cocoon“, „Apollo 13“, „The Grinch“) hatte die wahre Lebensgeschichte des Mathematikers John Forbes Nash angekündigt. Nur ist ihm deren Adaption so frei geraten, wie sie vermutlich für eine große, charaktergetriebene Geschichte, mit welcher man auf den Oscar spekulieren will, auch sein muss. Aus der „wahren“ Geschichte ist „eine große Lüge“ geworden, schrieb daher im Januar eine New Yorker Kritikerin, die den Film bereits gesehen hatte.

Ein Leben zwischen M.I.T. und Nervenheilanstalt

John Nash ist heute 73 Jahre alt. 1994 bekam er den Nobelpreis der Wirtschaftswissenschaften für eine Theorie, die er als Doktorand in Princeton in den späten 40er Jahren entwickelt hatte. Schon damals war er durch einen Mangel an sozialen Fähigkeiten aufgefallen, hatte Anflüge geistiger Verwirrung gezeigt. In den folgenden Jahren lehrte er am M.I.T. und war Mitglied einer Denkfabrik des Verteidigungsministeriums, bis seine Wahnvorstellungen sein mathematisches Genie vernebelten. Nash verbrachte einen Großteil der kommenden Jahre in Nervenheilanstalten, seine Frau ließ sich von ihm scheiden. Irgendwann fiel seine Erkrankung von ihm ab, er verheiratete sich erneut mit seiner früheren Frau und ist heute ein beliebter Narr auf dem Campus von Princeton.

„A Beautiful Mind“

Bei Howard, der die Geschichte von Nash im „Vanity Fair“ entdeckt haben will, geht die Story anders. Nashs Frau lässt sich nicht scheiden, sie bleibt ihm treu und bewahrt sich in Zeiten tiefster Depression den Glauben daran, dass doch noch Wunder geschehen können. Natürlich ist sie nicht nur gut, sondern auch wunderschön und unheimlich sexy. Bei John und Alicia, gespielt von Russell Crowe und Jennifer Connelly, paaren sich Geist und Körper wie bei Fred Astaire und Ginger Rogers („er gab ihr die Klasse, sie ihm den Sex“, wie man seinerzeit sagte). Das aber ist nur eine der vielen Umdeutungen, die das Strickmuster „Oscar-Kandidat“ zumindest auf seinem niedrigsten Niveau braucht.

Ein Mathematiker findet für alles Lösungen

Im Film entkommt Nash seiner Krankheit durch schiere Willenskraft: „Ich bin Mathematiker. Ich finde für alles Lösungen. Warum sollte ich nicht auch für meine Krankheit eine Lösung finden.“ Sagt's und schafft's natürlich auch, die Geister, die sein verwirrter Geist herbeirief, soweit zu ignorieren, dass sie als Wegelagerer ihn nur mehr still begleiten. Klar, dass sich Ron Howard mit dem letztjährigen Oscar-Preisträger, dem „Gladiator“ Russell Crowe, einen vielversprechenden Helden ins Team geholt hat, der seine Rolle mit Bravour meistert. Crowe wurde am Dienstag von der Academy of Motion Picture Awards and Sciences erneut nominiert.

Der mit allen Wassern gewaschene Komponist James Horner („Titanic“) hat dem Film seine Musik zugeschrieben. Bevor wir nur das erste Bild sehen, erleben wir in schnellen vokalen Sequenzen die Ups and Downs, das Flattern des unruhigen, genialen Geistes - ein Motiv, das sich später verdichtet, wenn Nash mit höchster Konzentration vermeintliche Geheimcodes aus Zeitschriften heraus dechiffriert und sich am Grunde verdunkelt, wenn der Dämon über ihn kommt.

Wer bis dahin tapfer geblieben ist in seinem Kinosessel, ohne sich vom Pathos der Musik überschwemmen zu lassen und den wirklich nicht originellen Bildern aufzusitzen, der hat vermutlich begriffen, dass dieser Film ohne Inspiration gemacht wurde. Howards Team ist einfach mit Perfektion auf den Erfolg zugesteuert.

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