10.10.2012 · Solo für Martina Gedeck: Julian Roman Pölsler hat Marlen Haushofers Roman „Die Wand“ verfilmt. Aus dem Kultbuch der Frauen- und Ökologiebewegung wird ein Naturgemälde der Einsamkeit.
Von Andreas KilbRichtlinien für Lesermeinungen
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Pölsners Film 'Die Wand' nach dem Roman von M. Haushofer leuchtet
die psychische Befindlichkeit der einzigen Protagonistin scharf aus.
Dies geschieht in ruhigen, fließenden Bildern, wenig Mimik- und
Gebärdensprache, Konzentration auf zwei Handlungsorte. Thema, so
Pölsner, ist eine Depression, ein Rückzug des Ich hinter
unsichtbare Mauern. Als Grund für diese Depression deutet
Pölsner erlittene Gewalt und somit ein Trauma an.
Die Rezeption nun kann von zwei Standpunkten aus erfolgen: Von
diesseits, oder jenseits der Wand. Zwischen dem zu Beginn des Films,
angesichts des alten Bauern an der Pumpe, geäußerten Satz
"Der Tod kam bestimmt schnell, liebevoll und zärtlich"
und dem in einem Furor erfolgten Totschießen des brutalen
Eindringlings in das kleine Reich auf der Alm gegen Ende des Films liegt
die ganze Hölle hinter der gläsernen Wand.
Gedeck spielt in ihrer Zurückgenommenheit grandios. Naturkulisse
und begleitende Tiere sind lediglich Beiwerk zur Darstellung intensiver Gefühle.
Sehr geehrter Herr Kilb,
In Ihrem Artikel "Das Ende der Welt" schreiben Sie über
eine" Schulzeit , die lange vorbei ist..",als man noch
Schulbücher einband ect.
Da ich im Schuldienst bin , weiß ich , dass wir auch heute (=2012)
peinlich darauf achten , dass die Bücher ordentlich eingebunden
sind , sie müssen nämlich mindestens 6 Jahrgänge
durchlaufen und dementsprechend geschützt werden. Denn , wer zahlt
die mindestens 20 € teuren Bücher ? Doch Sie und wir , die Steuerzahler!
Und der Inhalt kann gar nicht so schnell unbrauchbar werden , zumindest
nicht für die ( oft ungebildete ) Klientel, die ich unterrichte.
Es steht immer noch genügend "Brauchbares"
darin,versichere ich Ihnen.
Geht gleich los mit der kaum anders als abschätzig zu verstehenden Apostrophierung des Romans als "Kultbuch der Frauen- und Ökologiebewegung". Die gabs anfangs der 60er noch nicht, und soweit sie sich des Romans in den 70ern bemächtigt haben sollte, greift das entschieden zu kurz, um nicht zu sagen, völlig daneben. Auch wenn das Buch nach Meinung des Rezensenten "bis heute .... gerührte und andächtige Leserinnen" findet. Dann hat er wie diese nicht alles verstanden. Steht zu fürchten, auch den Film von Pölsner nicht, nachdem ich den Regisseur heute Morgen im Radio gehört habe.