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Video-Filmkritik : „American Sniper“: Das Böse muss man nehmen, wie es kommt

Bild: Warner

Faschistisch, patriotisch oder doch eher ambivalent? Clint Eastwoods Film „American Sniper“ über den Scharfschützen Chris Kyle kommt mit Neben-Oscar in die deutschen Kinos.

          Vor zweieinhalb Jahren, im August 2012, da musste man sich kurz mal Sorgen um ihn machen. Clint Eastwood hatte auf dem Parteitag der Republikaner mit einem Stuhl gesprochen, auf dem ein imaginärer Obama saß, und es war weder lustig noch smart, was er gesagt hatte, noch war es gut gespielt für einen Schauspieler seiner Klasse. Man war dann erleichtert, dass dieser Ausflug keine bleibenden Schäden in seinen Filmen hinterlassen hat und dass er jetzt wieder, nach dem Ausflug ins Musical-Drama mit „Jersey Boys“, in sein Kerngeschäft zurückgekehrt ist. Ein Kriegsdrama, das von Gott, Vaterland, Familie und Waffen erzählt, von Gewalt und ihrem Preis. Ein Film von Clint Eastwood eben. Mit dem er polarisiert wie schon lange nicht mehr, für den er sechs Oscar-Nominierungen und nur eine Trophäe bekommen hat und der zugleich ein großer kommerzieller Erfolg ist.

          Peter Körte

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          „American Sniper“ hat eine ähnliche Resonanz ausgelöst wie vor mehr als vierzig Jahren „Dirty Harry“. Nur dass Eastwood diesmal hinter der Kamera steht und dass er einen Bestseller verfilmt hat, zu dem der Hauptdarsteller Bradley Cooper die Rechte erwarb. Chris Kyle, der Autor von „American Sniper“, wird mit einem dieser verkaufsfördernden Superlative als „tödlichster Scharfschütze der amerikanischen Militärgeschichte“ bezeichnet. 160 Abschüsse schreibt man ihm offiziell zu. Der Frontverlauf der Diskussion, welche die filmische Chronik seiner Dienstzeit ausgelöst hat, scheint daher auch ganz simpel: Feiert Eastwoods Film distanzlos einen schießwütigen Killer in Uniform? Oder ist er die angemessene Ehrung eines Patrioten und Helden, der nur selbstlos seinem Land gedient hat?

          Eastwood polarisiert

          Wenn man zum Beispiel liest, was der britische Dokumentarfilmer Nick Broomfield gesagt hat: „Adolf wäre stolz gewesen, diesen Film gemacht zu haben“; oder der amerikanische Autor Chris Hedges: „Er hält an dem gefährlichen Glauben fest, dass wir unser Gleichgewicht und unsere verlorene Ehre wiedergewinnen können, indem wir einen amerikanischen Faschismus umarmen“ - wenn man das liest, ist die Sache eindeutig. Es wird schon etwas komplizierter, wenn man zur Kenntnis nimmt, dass nicht bloß Sarah Palin den Film gelobt hat, sondern auch Michelle Obama. Und wenn dann noch Eastwood selbst kommt und erklärt: „Das größte Anti-Kriegs-Statement, das ein Film machen kann, ist zu zeigen, was der Krieg der Familie antut und den Menschen, die ins zivile Leben zurückkehren wie Chris Kyle“ - dann ist es wohl immer noch am besten, sich den Film einfach mal anzuschauen.

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          Oscar-Preisträger 2015 : Die ausgezeichneten Filme in der Übersicht Bild: AFP

          Denn hinter dem öffentlichen Betriebsgeräusch und der Dauerprojektion politisch-ideologischer Meinungen, die garantiert frei sind von störenden ästhetischen Kriterien, kann ein Film leicht verschwinden. Es sei denn, er besitzt die Robustheit der beiden letzten Filme von Kathryn Bigelow, von „Zero Dark Thirty“, der die Jagd auf Bin Ladin nachzeichnet, und von „The Hurt Locker“, der von einem Bombenentschärfer im Irak erzählt - und sechs Oscars gewann; oder eben die Widerständigkeit von „American Sniper“, was nun nicht heißt, der Film sei makellos und völlig überzeugend.

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