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„Alien: Covenant“ im Kino : Das Böse will Kunst

Bild: AP

1979 jagte Ridley Scott dem Kinopublikum erstmals mit dem schwarz glänzenden „Alien“-Titelmonster Angst ein. Jetzt kehrt er mit „Alien: Covenant“ zu den Schreckensgründen zurück, die ihn daran noch immer fesseln.

          Treffen sich zwei künstliche Männer. Sagt der Ältere: „Ich war dabei, als unser glorreicher Schöpfer gestorben ist.“ Fragt der Jüngere: „Wie war er?“. Sagt der Ältere: „Er war ein Mensch. Seiner Schöpfung unwürdig.“ Beide Androiden spielt Michael Fassbender. Der Ältere ist so teuflisch, wie Mephisto wohl werden müsste, wenn er seinen berühmten Sketchpartner Doktor Faust persönlich hätte zu Grabe tragen müssen. Dass er teuflisch ist, zeigt er weder mit Worten, Lauten, Gesten noch Gesichtsausdrücken, wie auch der Jüngere seine Unschuld nie anders mitteilen darf als in Taten.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Ridley Scotts „Alien: Covenant“ ist nicht der beste Film, in dem Michael Fassbender je mitgespielt hat, aber bessere Rollen wird ihm niemand mehr anbieten können als diese zwei Varianten des Tricks, einen Film bei völligem Verzicht auf die üblichen Machtmittel seines Berufs komplett zu dominieren – keine Gefühlsausbrüche, keine Tränen als guter Kerl, kein höhnisches Lachen als böser. Wäre das Drehbuch von Thomas Bernhard, der ja Schauspielernamen kurzweg zu Stücktiteln erklären konnte, müsste der Film „Fassbender“ heißen. Scotts Gruseldrama hat allerdings nicht nur einen Star, sondern auch einen Stoff, eine Story und ein Thema.

          Der Friedhof, auf dem sie lauern

          Aber alle drei muss Fassbender im Alleingang zum Zopf flechten; sie fielen beziehungslos auseinander, würde er als Roboter David nicht wirken, als wäre er restlos davon überzeugt, dass das, was der Film uns fürchten machen will, wahr ist: dass Menschen, also wir, konfuse Fehlkonstruktionen sind, bizarre Höhlensysteme, in denen sich die besten Absichten auf dem Weg zur Verwirklichung unweigerlich verlaufen. Für Ohreingänge und Nasenlöcher, sinnliche Zugänge zum Menschenlabyrinth, leistet der Film mit sarkastischen Großaufnahmen das, was die Pornographie gewohnheitsmäßig unseren Fortpflanzungsorganen antut: Einfallspforten der Hölle sind das hier, deshalb rieseln und nieseln kleinste Monsterfunken durch sie hindurch ins Körperinnere und verbrennen das bisschen Seele dort ohne Rückstand (man wünscht sich diese Momente ausnahmsweise in die bei Hollywoodfilmen sonst oft so redundante 3D-Technik übersetzt; die organische Bloßstellung des Mängelwesens, das wir sind, wäre vollkommen).

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          Die Story ist, anders als die Spezies Mensch, kein Irrgarten, sondern schnurgerade: Ein Raumschiff mit Personen an Bord, die einen fernen erdähnlichen Planeten besiedeln sollen, gerät in eine irreguläre Sterneruption, Folgen: leichter Sachschaden, mehrere Tote. Ein Signal wird empfangen. Das stammt von einer Welt ganz in der Nähe. Man verlässt aus Neugier den Kurs und findet auf diesem Umweg Stürme, Weizen und Ruinen. Die Stürme sind Vorzeichen, der Weizen ist von Verschwundenen angebaut, die Ruinen sind Grabmale einer verheerten Zivilisation. Auf diesem Friedhof lauern die aus allen anderen Filmen der „Alien“-Reihe wohlbekannten Xeno- und Neomorphen mit Säuresabber. Denn der Planet ist die Heimat jener Quasigötter, die, wie wir aus dem Vorgängerfilm „Prometheus“ (2012) wissen, das verfressene Viechzeug biotechnisch geschaffen haben.

          Man hatte Scott enteignet

          Zwar sieht eine Frau aus der kleinen Kolonialpioniertruppe, die das Gelände erkunden soll, das Unheil früh kommen, aber ihr Gesicht, das der Schauspielerin Katherine Waterston gehört, sieht von Anfang an aus, als wäre es dazu geschaffen, enttäuscht zu gucken, und Billy Crudup, der den überforderten Expeditionsleiter gibt, ist ein weiterer Besetzungserfolg, weil er glaubwürdig jemanden darstellt, der lieber jemand anderen darstellen würde, auf einer anderen Welt, in einem anderen Film mit einem anderen Thema als der menschlichen Hilflosigkeit vor den allergrößten Fragen. Ridley Scott weiß natürlich, dass diese Fragen nach dem Woher und Wohin unserer Gattung eigentlich in eine langatmige Dokumentation voller Interviews mit päpstlichen Astronomen und transzendentalteleologisch verstrahlten Molekularbiologinnen gehören.

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