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„Vergebung“ im Kino : Gute Menschen, schlechte Männer

Der Unbeugsame: Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) im Gespräch mit seiner Kollegin Erika Berger (Szene aus „Vergebung”) Bild: dpa

Im Kampf gegen all das Böse: Nun läuft auch der letzte Teil der düsteren „Millennium“-Trilogie von Stieg Larsson im Kino an. In „Vergebung“ erwarten den Zuschauer zwei Stunden graublaue Monotonie und halsbrecherische Abkürzungen.

          Es ist vollbracht. Beinahe jedenfalls. Der letzte Teil der „Millennium“-Trilogie kommt jetzt ins Kino, in Deutschland natürlich unter dem weihevoll dröhnenden Titel „Vergebung“, nachdem sich der deutsche Verlag damals entschlossen hatte, Stieg Larssons Büchern auch noch die letzten Reste der Originaltitel auszutreiben und sie durch eine, gemessen am Inhalt der Bücher, weitgehend sinnfreie Alliterationskette zu ersetzen. Klar, „Männer, die Frauen hassen“ (“Verblendung“) war nicht so toll, „Das Mädchen, das mit dem Feuer spielte“ (“Verdammnis“) ziemlich lahm, und „Das Luftschloss, das gesprengt wurde“ (“Vergebung“) wirft einen auch nicht gerade um. Vermutlich hätte „Millennium I-III“ völlig ausgereicht.

          Peter Körte

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Dem postumen Ruhm des 2004, noch vor Beginn der Bestsellerkarriere, verstorbenen Stieg Larsson hat das alles nicht geschadet. Auch die für den internationalen Markt gedichteten Titel „The Girl with the Dragon Tattoo“, „The Girl Who Played with Fire“ und „The Girl Who Kicked the Hornet's Nest“ haben den Siegeszug nicht aufgehalten. Man kommt bloß schon mal auf den Gedanken, dass dieses babylonische Durcheinander in der Betitelung kein Zufall ist, weil offenbar die meisten nicht so recht wissen, worum es denn nun geht, wobei die englischen Titel etwas plump, aber dafür wenigstens direkt zur Sache kommen, indem sie benennen, dass Lisbeth Salander natürlich ein viel interessanterer Charakter ist als der gutmenschelnde Investigativjournalist Mikael Blomkvist.

          Die Handlung liegt im Krankenhaus

          Aber man weiß ja, der Druck, welcher auf Bestsellerverfilmungen liegt, an denen sich Fernsehanstalten beteiligen, ist hoch und meist entschieden höher als das Niveau, auf dem sich dann das fertige Produkt bewegt. Regisseur Niels Arden Oplev wurde nach dem ersten Teil gegen Daniel Alfredson ausgetauscht, die Drehbuchautoren auch, und wenn schon „Verblendung“ nicht viel mehr als ein handwerklich solider, konventioneller Fernsehthriller im Kinoformat war, den man sich noch ganz gut anschauen konnte, so sind die beiden folgenden Teile ein in der Mitte durchtrennter Viereinhalb-Stunden-Film. Natürlich nimmt die Dramaturgie beider Filme Schaden daran, weil die von der Länge erzwungene Teilung eben nicht dazu geführt hat, dass jeder der beiden Filme auch für sich stehen könnte, was bei „Verblendung“ immerhin gelang. An eine Zweiteilung wie bei Tarantinos „Kill Bill“ möchte man lieber gar nicht erst erinnern.

          Allein gegen das Böse: Noomi Rapace als Lisbeth Salander in „Vergebung”
          Allein gegen das Böse: Noomi Rapace als Lisbeth Salander in „Vergebung” : Bild: dpa

          „Vergebung“ beginnt in der Luft über Göteborg, im Rettungshubschrauber, ziemlich unmotiviert für alle, die „Verdammnis“ weder gelesen noch gesehen haben. Und als müsse der Zuschauer dafür entschädigt werden, zieht ein leichter Hauch von Splatter ein, wenn ein Skalpell ein Stück Fleisch auftrennt und eine Kugel entfernt wird. Wie überhaupt die medizinische Nachsorge für die Opfer des Vorgängerfilms den Anfang von „Vergebung“ beherrscht und damit die Handlung weitgehend ins Krankenhaus einliefert.

          Zwischen Gut und Böse

          Lisbeth Salander (Noomi Rapace), die Punkerin/Hackerin/Rächerin, hat eine Kugel im Kopf, ihr böser Verbrecher-Vater Zalatschenko eine im Bauch und einen Axthieb im Gesicht dazu. Der Held Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) hat es nicht verhindern können. Nur der böse deutsche Albino-Halbbruder von Lisbeth läuft noch frei herum. Warum das so gekommen ist, das hätte, mit ein wenig Eleganz und visuellem Gespür, eine knappe Rückblende schon erklären können.

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