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Veröffentlicht: 05.08.2006, 18:39 Uhr

„Urmel“ als Zeichentrickfilm Man traut seinen Augen kaum

Erwachsene haben es gerne hintergründig, Kinder lieben direkten Humor. Die „Augsburger Puppenkiste“ wird von allen gemocht, aber wer kommt beim neuen Zeichentrickfilm „Urmel aus dem Eis“ auf seine Kosten?

von Andreas Rosenfelder
© dpa Generationenübergreifend: Das Urmel schlüpft wieder einmal

Pfauplatz dieses Films ist eine wunderpföne Insel in der Südsee. Dort liegt mitten im Pfungel eine ulkige Pfule. In der Pfule bringt ein netter Menpf lauter kupfeligen Tieren das Pfrechen bei. Natürlich haben die Tiere alle einen Pfrachfehler - und das färbt nach anderthalb Pftunden im Kino auch ein wenig auf den Zupfauer ab. Entpfuldigung!

Man kommt aus „Urmel aus dem Eis", wie man aus dem Streichelzoo kommt: Als Erwachsener fühlt man sich ausgetrickst - aber süß sind die possierlichen Viecher ja trotzdem. Besonders das prähistorische Urmel, das im Inneren eines Eisbergs am Strand der Insel Titiwu strandet und von der Tierfamilie um Professor Habakuk Tibatong adoptiert wird, stellt mit seinen Kulleraugen, den riesigen Nasenlöchern und der quietschigen Babystimme ein wandelndes Kindchenschema dar.

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Moralisch restaurierte Computeranimation

Aus amerikanischen Animationsfilmen wie „Findet Nemo" oder „Ice Age" ist man gewohnt, in der Fauna das Bestiarium menschlichen Verhaltens wiederzufinden - darunter alle Formen der Verdorbenheit und des schweren Dachschadens. In „Urmel aus dem Eis" dagegen gibt sich die Tierwelt ausnahmslos handzahm - von ein paar klitzekleinen Macken wie der Melancholie des See-Elefanten und dem leichten Geiz des Warans abgesehen. Auch der als Bösewicht eingeflogene König Pumponell, der das Urmel für seine Trophäensammlung erlegen will, reicht in seiner wilhelminischen Grausamkeit nicht einmal an Wachtmeister Dimpfelmoser aus „Räuber Hotzenplotz" heran.

Tatsächlich haben Reinhard Klooss und Holger Tappe, die den Klassiker aus der „Augsburger Puppenkiste" hervorkramten und in großer Treue am Computer nachbauten, auch den moralischen Horizont restauriert, der den Film überspannt wie die Frischhaltefolie das Meer in der Erstverfilmung von 1969. Daß Urmel die Kreide im Klassenraum frißt und dem Schweinchen Wutz eine Staubwolke ins Gesicht rülpst, stellt schon eine Konzession dar - genau wie Urmels spaßige Surf-Einlage auf dem Urwaldfluß, die an die Bob-Abfahrt in „Ice Age" erinnert.

Hüftsteife Wackelei

Unzeitgemäß wie die gemalten Kulissen in manchen Szenen wirkt auch der naive Humor, der ohne jeden doppelten Boden auskommt und bei der Zielgruppe im Vorschulalter vielleicht genau deshalb ankommt. Versteckte Anspielungen sucht das Erwachsenenpublikum vergeblich - abgesehen vielleicht von der Tatsache, daß der zerstreute Professor im Hawaiihemd wie ein Klon des Berliner Medienphilosophen Friedrich Kittler aussieht.

Nun kann man der altmodischen Biederkeit von „Urmel aus dem Eis" durchaus einen gewissen Charme abgewinnen. Ohne den Abspann würde man kaum bemerken, daß die üblichen Verdächtigen aus der Spaßbranche wie Anke Engelke, Oliver Pocher und Wigald Boning den Insulanern ihre Stimmen leihen. Trotzdem bleibt offen, was der Stoff durch die Übersetzung ins Digitale gewinnt. Daß die handgeschnitzten Puppen aus Augsburg etwas Hölzernes hatten, gehörte zur Natur der Sache - aber daß die in Hannover programmierten Charaktere hüftsteif durchs Bild ruckeln und der Strand an eine billige Neckermann-Reklame erinnert, das ist im Zeitalter von Pixar durch keine Nostalgie zu rechtfertigen. Die unverdorbenen Kinder stört es wenig. Sie finden die Gepfichte vom Urmel einfach nur pfön.

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