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Travolta-Film „Gotti“ : Lieber neben einem Pferdekopf aufwachen

  • -Aktualisiert am

Seit der Premiere hagelt es negative Kritiken für den Mafia-Film „Gotti“. Produzent John Travolta, hier mit Kelly Preston, reagiert mit einer Twitter-Kampagne. Bild: AP

Mit seinem Mafia-Film „Gotti“ fällt John Travolta bei den Kritikern durch. Der Produzent vermutet eine Verschwörung und reagiert mit einer Twitter-Kampagne. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache.

          Es ist gar nicht so einfach, eine Null-Prozent-Bewertung auf der Kritiker-Website „Rotten Tomatoes“ zu bekommen. Null Prozent bedeutet immerhin, dass kein einziger Filmkritiker den Film zu empfehlen vermag. Mit seiner Mafiapaten-Saga „Gotti“ hat John Travolta aber ebendies geschafft.

          Die achtunddreißig Filmjournalisten, die das Portal inzwischen zu „Gotti“ aufführt, verrissen den Film einhellig. Er würde lieber neben einem abgetrennten Pferdekopf aufwachen, als den Film noch einmal zu sehen, schrieb etwa der Kritiker der „New York Post“. Der „Rolling Stone“ nannte den Film eine „shitshow“. Das Magazin „Esquire“ titelte: „Oh my fucking Gotti“.

          Der Film, der sich acht Jahre in der Entwicklung befand und Travolta als ausführenden Produzenten führt, erzählt die Geschichte des 2002 verstorbenen John Gotti (dargestellt von Travolta), der als Kopf der Gambino-Familie die New Yorker Mafia anführte, und seines Sohnes John Gotti, Jr. (Spencer Lofranco), auf dessen Autobiographie das Drehbuch basiert. Der „Hollywood Reporter“ schrieb, es sei unerträglich, wie Gangster und Mörder in diesem von Gotti abgesegneten Werk als Sympathieträger dargestellt würden.

          Konter auf Twitter im Trump-Style

          John Travolta fängt sich mit diesem Film schon die vierte Null-Prozent-Wertung auf der 1998 gegründeten Seite „Rotten Tomatoes“ ein. Mit „Life on the Line“ (2016) und den rückwirkend bewerteten „Kuck mal, wer da spricht“ (1993) und „Staying Alive“ (1983) erntete er ebenfalls null Zuspruch von den Kritikern.

          Die Macher von „Gotti“ nahmen die miserable Bewertung des Films indes zum Anlass für eine Twitter-Kampagne, die an eine Taktik des amerikanischen Präsidenten erinnert. „Das Publikum liebt Gotti“, heißt es da, „aber die Kritiker wollen nicht, dass Sie den Film sehen... Die Frage ist, warum??? Vertrauen Sie den Leuten und sehen Sie selbst!“ Dazu gab es einen Trailer zu sehen, in welchem eine weitere Botschaft in dramatischen Blocklettern zwischengeschnitten war: „Wem würden Sie eher trauen? Sich selbst oder einem Troll hinter einer Tastatur?“

          Das ist natürlich schon deswegen entweder ironisch oder böswillig, weil sich ebensolche „Trolle mit Tastatur“ im Internet zu Hasser-Gemeinden zusammenfinden. Mit massiven „Downvoting“-Kampagnen sorgten sie etwa für einen Eklat vor dem Start der „Ghostbusters“-Wiederaufnahme von 2016 mit weiblicher Hauptbesetzung.

          Aber tatsächlich stimmt das Publikum nicht immer mit den Kritikern überein. Fünfundfünfzig Prozent der Zuschauer bewerteten „Gotti“ nach Angaben von „Rotten Tomatoes“ positiv, und eine ähnliche Disparität war auch schon bei Filmen wie „300“, „Hotel Transylvania“ oder „The Blind Side“ zu beobachten: Kritiker und Publikum waren in diesen Fällen ganz und gar nicht einer Meinung.

          Im Fall von „Gotti“, bemerkte die „Washington Post“, stünden die Umsätze an der Kinokasse aber ganz und gar nicht dafür, dass der Film beim Publikum sonderlich gut ankomme. Der Streifen spielte bei einem Budget von zehn Millionen Dollar seit seinem Start in 503 Kinos in den Vereinigten Staaten Mitte Juni 4,2 Millionen Dollar ein.

          Ein Großteil der Besucher, so berichtete die Unterhaltungs-Website „Deadline“, seien Abonnenten der Firma Moviepass, die eine Kinoflatrate anbietet und in ähnlicher Weise, wie Netflix dies im Fernsehen vollzieht, ins Filmgeschäft einsteigen will. Moviepass hat in die Produktion von „Gotti“ investiert. Doch scheint das eine Investition gewesen zu sein, die sich nicht wirklich auszahlt.

          Die „Washington Post“ verwies auch auf die verdächtig hohe Zahl von Publikumsbewertungen bei „Rotten Tomatoes“: Es sind knapp 7500 zu „Gotti“, zu dem „Film „Incredibles 2“, der immerhin ein echter Publikumsschlager ist, haben sich im Vergleich etwa 10.500 Besucher mit einer Bewertung des Films gemeldet. Die Website „Mashable“ vermutet, dass die hohe Zahl der Zuschauerkritiken getürkt sein könnte, um die Twitter-Kampagne gegen die Filmkritiker zu stützen. Die Trolle, so scheint es, sitzen nicht in den Filmredaktionen.

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