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„There Will Be Blood“ : Mr. Anderson, wie hast du das gemacht?

  • Aktualisiert am

Der Macher des Öl-Westerns: Paul Thomas Anderson Bild: AFP

Für den Film „There Will Be Blood“ erhielt Paul Thomas Anderson den Silbernen Bären, auf einen Oscar darf der Amerikaner weiter hoffen. Regisseur Tom Tykwer war von dem Film so begeistert, dass er für uns mit seinem Kollegen sprach.

          Gipfeltreffen der Regisseure: Für den Film „There Will Be Blood“ erhielt Paul Thomas Anderson den Silbernen Bären, auf einen Oscar darf der Amerikaner weiter hoffen. Regisseur Tom Tykwer war von dem Film so begeistert, dass er für uns mit seinem Kollegen sprach.(Video-Filmkritik: „There Will Be Blood“).

          Regisseure begegnen sich nicht so oft, sowieso nicht bei der Arbeit, da steht man sich ja nur im Weg, aber auch generell überschneiden sich die Wege eher selten. Jeder steckt in seinem individuellen Kosmos, und es ist schwierig, in Kontakt zueinander zu treten. Manchmal aber, wie jetzt im Fall von „There Will Be Blood“, da sehe ich etwas, das mich derart beschäftigt und beunruhigt, ich spüre eine so intensive Nähe, und daraus resultiert dann diese Neugier nach einer Begegnung.

          Ja, das geht mir auch manchmal so. Aber man weiß nicht, wie man's machen soll.

          Regisseur Tom Tykwer als Gesprächsführer
          Regisseur Tom Tykwer als Gesprächsführer : Bild: ddp

          Anrufen? Am Set besuchen?

          Ich war einmal in Paris und traf zufällig auf der Straße Julie Delpy, die gerade mit Richard Linklater „Before Sunset“ drehte. Sie sagte: „Wir drehen da hinten, komm doch vorbei und sag hallo.“ Und ich ging mit und sagte „Hallo“ zu Richard, den ich nicht kannte, und er war sehr nett, aber es war ein bisschen seltsam - sie bereiteten gerade die nächste Einstellung vor, und ich stand da so rum, und schließlich sagte Richard in seinem irgendwie texanischen Akzent: „Ja, ich besuche auch eigentlich nie die Sets der anderen.“ Und ich sagte: „Ich auch nicht“ und rannte einfach schnell davon. Man kann sich kaum deplazierter vorkommen.

          Es ist dennoch sehr bedauerlich, denn man würde ja gern mal sehen, was die anderen so machen und wie sie es hinkriegen. Wie kam es dazu, dass du so eng mit Robert Altman gearbeitet hast?

          Nun, das war etwas Besonderes, denn ich war (bei seinem letzten Film „A Prairie Home Companion“) eigentlich so etwas wie ein Regieassistent. Er hatte mich gefragt, ob ich sein „Ersatz“-Regisseur sein könnte, weil die Versicherung das verlangte, denn er war ziemlich alt und sehr krank, und sie waren besorgt, dass er zwischendurch ausfallen könnte. Also war ich jeden Tag zur Stelle.

          Und wie lief das dann ab?

          Natürlich hat er nicht einen einzigen Tag ausfallen lassen müssen. Morgens ging er zur Bestrahlung, am Wochenende legte er sich hin, und die ganze Woche über war er topfit. Wir drehten in diesem alten Theater, und er saß weiter hinten, und ich rannte immer hin und her zwischen ihm und den Schauspielern und überbrachte seine Botschaften.

          Gute Spionagemethode. Was hast du gelernt?

          Während der Vorbereitung saß er in diesem gemütlichen großen Stuhl in seinem Büro und versuchte pausenlos zu verhindern, dass ihm jemand eine verbindliche Antwort auf irgendeine produktionstechnische Frage entlocken konnte. Auf sehr nette Art und Weise. Der Assistent kam rein und sagte: „Wie viele Komparsen möchten Sie für die Szene?“ Und Altman verwickelte ihn sofort in ein Gespräch, das sich um alles drehte, nur nicht um Komparsen. Irgendwann verließ der Assistent das Büro und hatte keine Antwort, also musste er selbst eine Entscheidung treffen, und darauf schien es Altman anzukommen. Er versuchte, mitteilsam genug zu sein, dass sein Team entscheidungsfreudiger wurde. Er wollte sehen, was sie einzubringen hatten in den Film, und manchmal gefiel es ihm auch, ihnen dabei zuzuschauen, wie sie sich wanden und krümmten unter dem Druck, etwas selbst entscheiden zu müssen.

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