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Tauschgeschäft Pornographie zum Dank

05.10.2005 ·  Wer einem Website-Betreiber aus Florida Fotos von Kriegsgreuel aus dem Irak und Afghanistan liefert, den versorgt er zum Dank dafür mit Pornographie. Das Pentagon hat sich kurz dafür interessiert. Und schnell wieder weggeschaut.

Von Jordan Mejias, New York
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Pornographie und Gewalt sind einander nicht fremd. Aber das Tauschgeschäft, das Chris Wilson, Betreiber einer Website mit der bezeichnenden Adresse Now-ThatsFuckedUp.com, anbietet, hat es so wohl noch nicht gegeben. Wer Fotos von Kriegsgreuel aus dem Irak und Afghanistan liefert, den versorgt Wilson zum Dank dafür mit Pornographie.

Diesen obszönen Deal hat der in Fort Lauderdale, Florida, ansässige Pornograph über einen Server in Amsterdam zustande gebracht. Und seit die „Online Journalism Review“ der Annenberg School for Communications an der University of Southern California den Handel aufgedeckt hat, haben sich nicht nur Amerikas Medien, zwar einigermaßen widerwillig, der unappetitlichen Affäre angenommen.

Pentagon stellt Ermittlungen ein

Auch das Pentagon wurde aktiv, verkündete jedoch überraschend schnell das Resultat seiner Ermittlungen. Es gebe keine Anzeichen, daß amerikanische Soldaten Digitalfotos von Leichen und Körperteilen irakischer Kämpfer geschickt hätten, um gratis das Pornoangebot der Website anklicken zu können. So erklärt es das „Criminal Investigation Command“ der Armee. Auf einigen Fotos sollen zwar Soldaten zu sehen sein, die eine amerikanische Uniform tragen und um verkohlte oder verstümmelte Leichen herumstehen, doch waren die Ermittler des Pentagon ratlos angesichts von Bildern, die weder ein Aufnahmedatum noch den Aufnahmeort preisgeben und auch keinen Absender nennen. Zudem sind Manipulationen im Zeitalter von Photoshop nie auszuschließen.

Das „Council on American-Islamic Relations“, das von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld Aufklärung über die angeblichen Tauschmanöver verlangt hatte, hält die Einstellung der Ermittlungen dennoch für vorschnell und befürchtet, das Ministerium versuche, den Vorfall herunterzuspielen. Da bisher nur einfache Soldaten, aber kein einziger Verantwortungsträger des Militärs oder des Verteidigungsministeriums für die Fotos von Abu Ghraib zur Verantwortung gezogen wurde, könnte sich tatsächlich der Verdacht aufdrängen, auch dieses Problem solle im beharrlichen Schweigen der Regierung seine Lösung finden.

Was ist verstörender?

Nach einer unter Pornographen beliebten Taktik verweist Wilson derweil auf seine verfassungsmäßig verbrieften Rechte und empfiehlt sich obendrein als Wahrheitssucher. Auf seiner Website erklärt er: „Einige Leute fragen, warum wir explizite, ja sogar grausame Bilder von Kriegsgreueln wiederveröffentlichen. Wir brauchen nur zurückzublicken zum Zweiten Weltkrieg, als die meisten Bilder toter Soldaten von der Regierung zensiert wurden und keine Kameras auf dem Schlachtfeld erlaubt waren. Derart die Wahrheit zu bereinigen widerspricht den Freiheiten des ersten Verfassungszusatzes, die wir genießen. Diese Soldaten haben gekämpft, um unsere Freiheiten zu sichern, und die Wahrheit kommt irgendwie immer heraus. Das Nachrichtenmagazin ,Time' schrieb einst, als es die ersten Fotos von drei gefallenen Soldaten veröffentlichte, die an einen Strand von Neu-Guinea von der Flut gespült wurden: ,Tote Menschen sind in der Tat umsonst gestorben, wenn lebende Menschen sich weigern, sie anzusehen.'“

Was ist verstörender, der hohe Ton, den Wilson anschlägt, um die Verquickung von Pornographie und dem Foto einer verbrannten Leiche zu feiern, das die Überschrift „Cooked Iraqi“ trägt? Oder das Desinteresse des Pentagon, der Sache auf den Grund zu gehen? Ein Sprecher der Armee kündigte immerhin an, die Ermittlungen könnten fortgesetzt werden, sollten mehr Indizien ans Licht kommen.

Quelle: F.A.Z., 05.10.2005, Nr. 231 / Seite 42
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Jahrgang 1949, Feuilletonkorrespondent in New York.

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