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„Tatort“ : Die Liebe strengt ihn an

  • -Aktualisiert am

Einsam: Borowski Bild: NDR/Malte Splittgerber

Der Kieler „Tatort“-Kommissar Borowski, gespielt von Axel Milberg, ist ein einsamer Wolf, hart, unbeugsam, distanziert und ironisch. Im neuen Fall „Sternenkinder“ wird er selbst zum Opfer.

          „Tatort“-Kommissare fühlen sich häufig verlassen und melancholisch. Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) etwa ist der ewige Einzelgänger, während Freddy (Dietmar Bär) in chronischer Ehekrise versinkt. Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) sind von der Liebe enttäuscht, dafür beseelt von der bajuwarisch-kroatischen Männerfreundschaft.

          Die Berliner Ermittler Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic) mimen die harten Asphaltcowboys auf der Suche nach Geborgenheit. Auch all den anderen ergeht es nicht besser. Doch zur Not findet sich schon irgendwo ein Würstchenstand mit Flaschenbier, an dem sich die Polizisten ihre jüngste Niederlage schön trinken können.

          Er ist nicht glücklich

          Sie sind gebeutelt vom Schicksal, drangsaliert von der Frauenwelt, aber dennoch mit so viel Eigenliebe ausgestattet, daß sie sich noch aus eigener Kraft befreien können. Wir müssen uns die „Tatort“- Kommissare als glückliche Männer vorstellen. Klaus Borowski (Axel Milberg) ist da die Ausnahme. Er ist nicht glücklich, spielt nicht in dieser bunten Liga der letztlich liebenswerten Herumtreiber. Er ist tatsächlich ein einsamer Wolf. Zum Lächeln muß er sich zwingen, seine Umarmungen wirken gekünstelt, Gesten der Zuneigung strengen ihn an.

          Borowski ist vieles: hart, unbeugsam, distanziert und ironisch - nur eines ist er nicht: freundlich. Selbst hingeworfene Komplimente an die Adresse der von ihm verehrten und geliebten Psychologin Frieda Jung (Maren Eggert) hören sich an wie abgelesene Standardwendungen aus einem Ratgeber „Flirten für Anfänger“. Orkun Ertener (Buch) und Hannu Salonen (Regie) schaffen mit Borowski jedoch eine Figur, die beim Zuschauer nicht nur Widerwillen, sondern auch eine tiefe Sehnsucht auslöst - die Sehnsucht, dieser Mensch könnte seinen Panzer ablegen.

          Besondere Bewährungsprobe

          Der jüngste Fall, den der Tatort „Sternenkinder“ erzählt, stellt für Borowski eine besondere Bewährungsprobe dar: Einer schwangeren Frau wurde kurz vor der Geburt das Baby aus dem Leib geschnitten. Die Mutter überlebt, das Kind ist verschwunden. Der Kieler Kommissar sucht eine Babyräuberin und ermittelt bald auch gegen Ärzte, die in der Pränatalmedizin experimentieren. Zudem gerät Borowskis Assistent Alim Zainalow (Mehdi Moinzadeh) in Verdacht, Geld an eine islamistische Terrororganisation überwiesen zu haben. Es entwickelt sich eine unerträgliche Spannung zwischen den beiden Polizisten - ein Konflikt, der sich nicht auflöst, der Borowski an seine Grenzen führt. Ein notorischer Skeptiker wie er kann eben auch einem seiner engsten Mitarbeiter nicht vorbehaltlos vertrauen und leidet dann wie ein Hund, als er für sein Mißtrauen hart bestraft wird.

          In diesem Krimi ist auch der Kommissar ein Opfer: Zwei Menschen hat er verloren, gewonnen hat er nichts als bittere Erfahrungen. Er ist allein. Ballauf, Schenk, Carstorff & Co mögen gelegentlich aus Rührung, Wut, Verbitterung feuchte Augen kriegen, Borowski weint aus Hilflosigkeit und Verzweiflung - und dies heftig und unkontrolliert. Viel Arbeit für seine Psychologin.

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