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Tarantinos „Basterds“ in Cannes : Ein Rüffel für Brad Pitt

Wir sehen uns im Kino: Quentin Tarantino (r.) und Brad Pitt Bild: AFP

In Cannes ist er nun endlich gezeigt worden, der langerwartete neue Film von Quentin Tarantino. Doch bei der anschließenden Pressevorführung waren die Stars auf dem Podium besserer Laune als die Filmkritiker.

          „Inglourious Basterds“ von Quentin Tarantino, dessen Dreh in Babelsberg und Umgebung Berlin Ende letzten, Anfang diesen Jahres in Atem hielt, gehörte zu den Filmen, auf die alle in Cannes gewartet hatten. Tarantino liebt das Festival, wie er nicht müde wird zu wiederholen, er hat zahlreiche seiner Filme hier gezeigt, die Goldene Palme gewonnen, der Jury vorgesessen. Natürlich gehört er hierher. Und das macht er jedesmal wieder aufgedreht, lautstark, enthusiastisch bekannt.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Sein Film allerdings war dann doch eine Enttäuschung, über weite Strecken jedenfalls. Er beginnt wie ein Western von John Ford in einem einsam gelegenen Haus auf einem Hügel, bei einer Familie, die bald nicht mehr sein wird. Hier hat Christoph Waltz seinen ersten großen Auftritt in der Rolle des SS-Hauptmanns Landa, der den Spitznamen „Judenjäger“ für eine Auszeichnung hält. Er spricht fließend Französisch, Englisch, Italienisch, wie sich später herausstellt, und es gehört zu den besten Einfällen des Regisseurs, die Rollen entsprechend der Nationalitäten der Figuren zu besetzen und den Dialog mehrsprachig zu lassen und nicht-englische Passagen in dicken gelben Lettern zu untertiteln.

          Blut wird reichlich vergossen

          Was dem Prolog folgt, ist erwartungsgemäß Tarantinos Variation des Kriegsfilmgenres, Abteilung „buddies on a mission“ - die „Basterds“ sind eine Gruppe jüdischer Amerikaner (und zwei deutscher Deserteure) unter Führung von Brad Pitt, die im besetzten Frankreich auf Nazijagd gehen, keine Gefangenen machen und Skalpe sammeln. Blut und was sonst so aus aufgeplatzten Körper spritzt oder rinnt, wird reichlich vergossen, die Dialoge sind oft witzig, die Schauspieler, darunter die Deutschen Daniel Brühl, Til Schweiger, Gedeon Burkhard und August Diehl, neben Eli Roth und Mike Myers, ein adäquater Haufen, als „Basterds“ die einen wie die anderen als Nazis. Aber verblüffenderweise verschwindet Pitts Truppe für längere Zeit völlig von der Leinwand, während Tarantino die Geschichte des in Paris untergetauchten Mädchens Shosanna Dreyfus erzählt, die sich am Ende natürlich mit den Plänen der Basterds trifft. Und das wird dann doch etwas langatmig.

          Cannes liebt ihn, und er liebt Cannes
          Cannes liebt ihn, und er liebt Cannes : Bild: REUTERS

          Der irre Druck, unter dem Tarantino diesen Film gedreht hat, und die Eile haben den Film nicht dicht, sondern weitschweifig gemacht. Dass am Ende Hitler, Goebbels, Göring und Bormann und mit ihnen Hunderte Ehrengäste einer Filmpremiere in Flammen aufgehen, besiegt vom Einfallsreichtum Shosannas und der Brennbarkeit von Nitratkopien, dass also das Kino am Ende Hitler besiegt - das ist ein Clou, wie nur Tarantino, den der Zweite Weltkrieg gar nicht, Kriegsfilme aber sehr interessieren, ihn sich ausdenken konnte.

          Bei der Pressekonferenz war die Stimmung der Filmemacher auf dem Podium deutlich besser als die der Journalisten im Saal. Sie waren so begeistert von ihrem gemeinsamen Werk, dass der Funke ihrer Emphase fast übersprang. Aber eben nur fast. Brad Pitt und Eli Roth mussten sich sich sogar den Rüffel eines Journalisten aus Norwegen gefallen lassen, der es unpassend fand, dass sie herumalberten, während er versuchte, eine ernsthafte Frage zu stellen. Die beiden zuckten zusammen und setzten sich gerade hin, ertappt wie zwei Schüler, denen sofort die Faxen ausgehen. Und ernsthafte Fragen gab es schon. Zum Beispiel: Ist der Film eine jüdische Rachephantasie? Tarantino sagte, ja und nein, aber Eli Roth rief: „Natürlich! Für mich ist das wie ,kosher porn'.“

          Vielleicht sieht der Film, wenn er in die Kinos kommt, ganz anders aus. Mit zwei Stunden und vierzig Minuten Laufzeit ist er viel zu lang, und das weiß auch Quentin Tarantino.

          Quelle: FAZ.NET

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