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Tarantino erklärt das Kino : Die Prüfungen des Sankt Quentin

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Quentin Tarantino gab auf dem Festival in Cannes eine „Leçon du cinéma“, und er wurde von seinen Fans empfangen wie ein Popstar. Die Stimmung war dann auch so gut wie bei einem Konzert, wie eigentlich immer, wenn dieser Mann über das Kino spricht.

          Sehen

          Erst mal muss ich etwas klarstellen: Es geht die Legende, ich hätte mir mein Filmwissen durch die Arbeit in einer Videothek zugelegt. In Wahrheit wurde ich überhaupt nur angestellt, weil ich schon ein Filmexperte war. Das Tolle an dem Job war, dass sie dort eine Abteilung mit ausländischen Filmen und Klassikern hatten. Ich musste also nicht mehr auf Wiederaufführungen im Kino oder Fernsehen hoffen. Früher habe ich mir jede Woche den "TV Guide" geholt und das Fernsehprogramm von Anfang bis Ende durchgelesen und alles angekreuzt, was ich sehen oder aufnehmen wollte, aber jetzt hatte ich täglich Zugang zu all diesen Filmen und habe mich durchgearbeitet. So wurde ich ein Fan von Eric Rohmer und habe mir alles von ihm angesehen. Das mache ich heute noch: Wenn ich auf jemanden stoße, der mich interessiert, dann will ich alles sehen, was er gemacht hat. Zuletzt ging es mir so bei Paul Mazursky.

          Spielen

          Ich würde jedem, der Regisseur oder Autor werden will, empfehlen, nicht Regie oder Drehbuch zu studieren, sondern sich in einer Schauspielschule einzuschreiben. Alles, was ich übers Schreiben weiß, habe ich beim Schauspiel gelernt. Auch was die Kamera angeht, lernt man, wie man auf- und abtritt, wie man sich innerhalb eines Ausschnitts bewegt, und all diese Sachen erleichtern die Arbeit als Regisseur oder Autor, aber man kriegt sie auf keiner Schule beigebracht.

          Schreiben

          Als ich auf der Schauspielschule war, haben wir Filmszenen nachgespielt. Wir hatten aber keinen Zugang zu Drehbüchern wie "Jenseits von Eden" oder so, doch ich hatte immer ein gutes Gedächtnis. Wenn ich also einen Film sah, erinnerte ich mich an den Dialog und konnte ihn aufschreiben. Und woran ich mich nicht erinnern konnte, das habe ich improvisiert. Ich habe da gar nicht darüber nachgedacht. Ich habe also eine Szene von "Marty" aufgeschrieben und einfach einen Monolog hinzugefügt - das war immerhin ein Buch von Paddy Chayefsky! -, dann habe ich es meinem Schauspiel-Partner gegeben, der es las und sagte: Der Monolog kommt zwar in "Marty" gar nicht vor, aber er ist eigentlich genauso gut wie das Zeug von Paddy Chayefsky. Das war quasi die erste Bestätigung, dass ich die Schreiberei ernster nehmen sollte.

          Lernen

          Ich dachte, ich mache einen Kurzfilm, dann komme ich auf Festivals. Ich lieh mir also eine 16-mm-Kamera, und wir haben drei Jahre lang haben immer am Wochenende daran gedreht. Wir haben nicht geschlafen, nur gedreht, und manchmal musste ich, wenn ich die Kamera am Montag zurückbrachte, am Straßenrand halten, um ein kurzes Nickerchen zu halten, damit ich vor Übermüdung keinen Unfall baue. Die Arbeit an "My Best Friend's Birthday" war die beste Filmschule, denn wenn man das Geld statt in die teure Ausbildung in ein Filmprojekt steckt, hat man hinterher immerhin einen Film - und hat gelernt, wie es geht. Und wenn man Glück hat und Robert Rodriguez heißt, ist man sogar schon ein Star. Das sieht anfangs vielleicht sehr amateurhaft aus, aber zweieinhalb Jahre später schaut es dann schon nicht mehr so schlecht aus. Man merkt einfach, dass man aus seinen Fehlern etwas gelernt hat.

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