26.05.2005 · Nein, Google habe keinen politischen Auftrag und auch nicht die Absicht, in die Politik zu gehen. Sagt Stefan Keuchel, der Sprecher von Google Deutschland. Macht es sich das Unternehmen zu einfach?
Von Katja SchmidtNein, Google habe keinen politischen Auftrag und auch nicht die Absicht, in die Politik zu gehen. Sagt Stefan Keuchel, der Sprecher von Google Deutschland. Erfolg jedoch verpflichtet. Sagen besorgte Beobachter des Phänomens Google und kritisieren unter anderem das Vorgehen der Firma in China: Dort filtert Google Inhalte aus dem Netz, die chinesische User auf Anweisung des Staates nicht zu Gesicht bekommen sollen.
Auch in Deutschland wird gefiltert, rechtsextremistische Seiten etwa werden geblockt. "Wir richten uns nach nationalem Recht", sagte Keuchel in der vergangenen Woche bei einer Debatte der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin.
„Google“ hat ein Quasi-Monopol
Mit dem Verweis auf nationales Recht mache sich Google die Sache zu einfach, fanden Keuchels Gesprächspartner. Erstens ende das World Wide Web nicht an nationalen Grenzen, zweitens ließen sich Filter umgehen. Und drittens seien Suchmaschinen mehr als Auskunfteien. Sie lenken den Blick auf die Wirklichkeit. Wenn etwas nicht bei Google zu finden ist, exisitiert es schlichtweg nicht. Jedenfalls nicht im Gesichtsfeld all jener, die ausschließlich Google verwenden, um dem Internet Informationen zu entlocken.
Selbstverständlich ist niemand gezwungen, die populärste aller Suchmaschinen zu verwenden. Doch allein in Deutschland vertrauen über achtzig Prozent der User auf Google. Damit hat Google ein Quasi-Monopol, auch wenn es das offiziell nie angestrebt hat. Die Erfinder von Google wollten einfach "die beste Suchmaschine der Welt" betreiben.
Mal mit, mal ohne Zustimmung des Nutzers
Google ist zum Inbegriff für den Umgang mit digital verfügbarem Wissen geworden und bietet weit mehr als nur Ergebnislisten. Auf Wunsch durchforstet Google E-Mails, Festplatten, Satellitenaufnahmen und bald auch komplette Bibliotheksbestände. Nebenbei sammelt Google Informationen über Suchabfragen, soziale Netzwerke, Einkaufsgewohnheiten und sonstige Vorlieben seiner Nutzer. Mal mit, mal ohne deren explizite Zustimmung. Lange ist es Google gelungen, ein positives Image zu wahren. In letzter Zeit jedoch mehrt sich die Kritik. Zentrale Themen sind Datenschutz, Zensurfilter und mangelnde Transparenz bei der Darstellung von Ergebnissen.
Bald schon sollen in Deutschland jugendgefährdende Seiten vorsorglich ausgeblendet werden. In Berlin gab Google-Sprecher Keuchel zu, daß es generell besser wäre, in Trefferlisten auszuweisen, warum welche Seiten nicht auftauchen. Unabhängig davon forderten die Teilnehmer des Podiums mehr Eigenverantwortung der User, die Politik aber solle sich zurückhalten. Eine Regulierung des Internets sei kontraproduktiv, wichtiger sei, alternative, dezentrale Suchmaschinen zu fördern. Schließlich ist Google ein börsennotiertes Unternehmen und kann über Nacht aufgekauft werden. Dann wechseln die von Google gesammelten Daten den Besitzer, und so mancher User könnte bitter bereuen, daß er blind auf Google vertraut hat.