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Studio Babelsberg Babelsberg ist verkauft: An Eigentümer, die wenige kennen

14.07.2004 ·  Die Investoren, die das Filmstudio Babelsberg übernehmen, waren der unbekannte Dritte im Boot von insgesamt vier Bietern, deren prominentester letzte Woche überraschend absprang. Jetzt ist auch klar, warum.

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Es wäre wohl unfair, die Investoren, die nun das Filmstudio Babelsberg übernehmen, als dritte Wahl zu bezeichnen. Sie waren aber sehr wohl der mehr oder weniger unbekannte Dritte im Boot von insgesamt vier Bietern, deren prominentester letzte Woche überraschend absprang - jetzt wissen wir, warum.

Die Produktionstochter des Norddeutschen Rundfunks Studio Hamburg nämlich wollte Babelsberg dem Vernehmen nach nur übernehmen, wenn man zur Übernahme von Altschulden vom Eigentümer Vivendi eine Summe von mehr als dreißig Millionen Euro bekommen hätte. Der zweite Bewerber, der Geschäftsführer von Babelsberg, Thierry Potok, war bereit, die Studiogesellschaft, die derzeit angeblich zehn Millionen Euro pro Jahr Minus macht, in einem Management-Buy-out für zwanzig bis fünfundzwanzig Millionen Euro zu übernehmen. Der nächste Bewerber war eine Investorengruppe aus Amerika, das Rennen gemacht aber haben die Berlin-Münchner Carl Woebcken und Christoph Fisser. Sie kaufen Babelsberg zum symbolischen Preis von einem Euro, Vivendi gibt ihnen zudem eine Mitgift von achtzehn Millionen Euro mit.

Babelsberg soll als Filmstandort erhalten werden

Woebcken und Fisser wollen in Babelsberg dem Vernehmen nach vor allem Fernsehfilme produzieren, was auch das Metier von Studio Hamburg ist, dessen Geschäftsführer Martin Willich gesagt hatte, Vivendi habe letzte Woche nach fünfmonatigen Verhandlungen neue Konditionen aufgestellt. Das dürfte mit dem Angebot von Woebcken und Fisser zusammengehangen haben, mit denen sich Vivendi am Wochenende geeinigt hat. Der französische Mischkonzern hatte Babelsberg 1992 von der Treuhand für siebzig Millionen Dollar gekauft. Der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl hatte das Schicksal des traditionsreichen Filmstudios bei der Treuhand als Chefsache annonciert.

Carl Woebcken war bis Ende Juni Finanzvorstand der Animationsfilmfirma TV Loonland AG in München, er ist einer von zwei Geschäftsführern der Berlin Animation Film (BAF), die Trickfilme sowohl produziert als auch in einem Fonds, hinter dem die Dresdner Bank steht, vermarktet. Fisser betreibt das Studio Atelierbetriebe Schwabing in München. Der Verkauf von Babelsberg folge der Strategie, der zufolge man Verluste abbauen wolle, teilte Vivendi mit. Laufende Filmprojekte seien vom Eigentümerwechsel nicht betroffen. Als besonders erfolgversprechend gilt die Beteiligung an der Produktion des Kinofilms "Mission Impossible 3". "Wir wollen Babelsberg als Filmstandort erhalten", sagte der Neu-Eigentümer Christoph Fisser der dpa. Die Belegschaft in Babelsberg fürchtet dennoch, daß der Besitzerwechsel auch einen Abbau auf Raten bedeuten könnte. Der Betriebsrat wollte sich in der Sache deshalb mit einem offenen Brief an den Bundeskanzler wenden.

Quelle: miha, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.07.2004, Nr. 162 / Seite 34
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