Home
http://www.faz.net/-gs6-qeyo
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

„Star Trek“ Trauer müssen Trekkies tragen

17.05.2005 ·  Noch eine weitere Weltraumsaga geht zu Ende - im Vergleich zu „Star Wars“ aber ziemlich sang- und klanglos: Die letzte Staffel von „Star Trek“ ist in Amerika wegen schlechter Quoten abgesetzt worden.

Von Dirk Krömer
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Schlechte Zeiten für die Zukunft. Nicht genug damit, daß George Lucas mit „Star Wars“ Schluß macht, Hubble abgeschaltet werden soll und die ruhmreiche russische Raumfahrt auch nicht mehr das ist, was sie mal war.

In aller Stille geht an diesem Wochenende eine weitere waschechte Weltraumära zu Ende: In Amerika wurden die letzten beiden Folgen der Serie „Raumschiff Enterprise“ gesendet. Das Ende ist irdisch: Captain Kirks Erben wurden wegen schlechter Quoten abgesetzt.

Wobei Erben eigentlich das falsche Wort ist: Die sechste und letzte Crew der „Star Trek“-Familie, die seit 2001 das Weltall bereiste, basierte auf einem im Grunde genialen Kniff der Drehbuchautoren. Nachdem der 1966 gegründete Fernsehmythos eine Staffel nach der anderen mit immer abstruseren Visionen in eine immer fernere Zukunft eilte, gingen die Macher zurück auf Anfang. Das neueste Raumschiff Enterprise sollte das allererste sein - die Handlung wurde lange vor den Start der Crew um Captain Kirk verlegt, in die fast schon nahe Zukunft des 22. Jahrhunderts, und die Enterprise NX-01 wurde zum ersten interstellaren Raumschiff überhaupt.

Ohne Schutzschild

Noch keine Spur von der friedliebenden Föderation der Planeten, die Schiffe fliegen ziemlich lahm, es gibt kaum Schutzschilde gegen feindliches Feuer, und das legendäre „Beamen“ - für Nichteingeweihte: der Ort-zu-Ort-Transport mit Hilfe der Quantenphysik - ist zwar schon erfunden, wird aber vorzugsweise für Güter verwendet und ist den Raumfahrern noch ziemlich suspekt.

Statt technischem Schnickschnack setzten die Enterprise-Erfinder lieber auf starke Charaktere. Captain Jonathan Archer zum Beispiel, gespielt von Scott Bakula, ist eine Art guter George W. Bush und sein erster Offizier T'Pol (Jolene Blalock) Halle Berry in smart. Eine äußerst aparte Vulkanierin, die sich im Laufe der Serie vom außerirdischen Eisblock - wer es nicht wußte: Vulkanier haben ihre Gefühle stets hundertprozentig unter Kontrolle - in die liebenswerteste und zarteste Versuchung, seit es Außerirdische gibt, verwandelt.

Um das große Ganze

Sicher, auch in der letzten aller Reihen geht und ging es um das große Ganze: Das Schicksal der Erde steht auf dem Spiel, die Menschheit wird erfolgreich verteidigt, und es wird gekämpft und Frieden geschlossen, auch mit fremdesten Wesen und seltsamsten Zivilisationen. Zoff gibt es da schon eher an Bord - anders als in früheren (oder richtiger: späteren) Generationen nervt die Besatzung schon mal das langweilige Umherreisen, man hilft sich mit Kinoabenden und einem gutbesuchten Fitneßraum. Alles in allem geht es auf dieser Enterprise etwas menschlicher zu als zu Captain Kirks Zeiten.

Zu menschlich vielleicht für das amerikanische Science-fiction-Publikum, das die Crew trotz großartigem Retro-Design, überzeugenden Schauspielern und spannenden Drehbüchern so wenig ins Herz schloß, daß anhaltender Quotenmißerfolg nun für das vorzeitige Ende der letzten Reise sorgte.

Die Fans spendeten Millionen

Das war übrigens ganz am Anfang schon mal fast genauso: 1968 drohte der Sender schon einmal mit dem Absetzen der Serie. Die noch nicht so zahlreichen, aber sehr renitenten Fans wehrten sich mit Händen, Füßen und Protestbriefen - und mit Erfolg: Captain Kirk kam zurück. Im Februar 2005 waren die protestierenden Fans nach der Ankündigung der Absetzung durch die Produktionsfirma Paramount nicht nur noch lauter, sondern durchaus auch zu Opfern bereit: Drei Millionen Dollar sammelten Fans und spendeten es Paramount, auf daß eine weitere Staffel gedreht werde. Doch Paramount und der Sender UPN lehnten dankend ab und überwiesen das Geld einfach zurück. Es blieb beim vorzeitigen Aus, die Fans wurden noch mit der Formel vertröstet, daß das Team um die Drehbuchautoren Rick Berman und Brannon Braga nunmehr „eine kreative Pause“ einzulegen gedenke.

Dem Enterprise-Erfinder Gene Roddenberry bleibt nichts anderes übrig, als sich im Grab umzudrehen. Er nutzte die Gnade des rechtzeitigen Ablebens schon 1991 - und die des Verkaufes seiner „Star Trek“-Rechte an Paramount bereits in den achtziger Jahren.

Der Zorn des Sohnes

Sein Sohn Eugene treibt sich auf den sogenannten „Star Trek“-Konventions herum, wo sich reichlich durchgeknallte sogenannte Trekkies treffen und seltsame, der Serie nachempfundene Kostüme tragen. Beileid trägt Roddenberry junior aber nicht im Herzen. „Scheiß auf ,Star Trek'“, beschimpft er Paramount. Er findet das Erbe des Vaters schlecht verwaltet und will das mit einer eigenen Dokumentation des Mythos untermauern.

Deutsche Fans wiederum haben die Gnade der langen Leitung. Bis das endgültige Ende der Zukunft in Deutschland ankommt, dauert es noch ein wenig, da Sat.1 vor einigen Wochen mitten in der dritten Staffel aufhörte, neue Folgen nachzuschieben, und lieber mit der Wiederholung der ersten begann. Inzwischen, so informiert der Sender auf Nachfrage, seien aber die restlichen Folgen eingekauft und werden nunmehr säuberlich versendet.

Trost gefällig? Von 1969 bis 1987, als Patrick Stewart alias Jean-Luc Picard das Ruder übernahm, gab es eine achtzehn Jahre lange Durststrecke, überbrückt mit ein paar Kinofilmen, die allerdings von Sequel zu Sequel auch nicht besser wurden. Vielleicht hat Paramount ja ein Einsehen mit den Fans der erfolgreichsten Weltraum-Soap aller Zeiten und schickt eine neue Crew los. Und vielleicht schmeißt George Lucas ein paar seiner mit „Star Wars“ verdienten Millionen dazu und gibt der Zukunft doch noch eine Chance.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 15.05.2005, Nr. 19 / Seite 34
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Ab in die eTonne

Von Ursula Scheer

Der „eTown-Index“ rechnet aus, in welcher Stadt Deutschlands es die meisten wirtschaftlichen Internetseiten gibt. Googles System dahinter ist ebenso durchschaubar wie verworren. Mehr