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Stallone und Bush zum Sechzigsten Happy Birthday, Sly & Dubya

06.07.2006 ·  Beide galten lange als Versager und haben es doch bis ganz nach oben geschafft. Heute werden sowohl George W. Bush als auch Sylvester Stallone sechzig Jahre alt: Eine Würdigung zum Doppelgeburtstag. Mit Bildergalerie.

Von Jörg Thomann
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Niemand hatte an ihn geglaubt. Er war verlacht worden, verspottet, als Witzfigur, als White Trash, als Prügelknabe. Mancher meinte zwar, daß er Talent habe, doch was hatte er daraus gemacht? Er hatte sich gehen lassen, sein Potential vergeudet, zu viele Schwächen gezeigt. Als er aber ganz unverhofft doch noch die ganz große Chance erhielt, da griff er zu. Das vermeintliche Weichei zeigte sich endlich als großer Kämpfer, verblüffte alle seine Kritiker und boxte sich durch. Bis ganz nach oben.

Dies ist eine sehr amerikanische Geschichte. Es ist die Geschichte des Boxers Rocky Balboa, geschrieben von dem Drehbuchautor Sylvester Stallone, und es ist im Grunde auch die Geschichte des Sylvester Stallone selbst. Ein bißchen ist es aber auch die Geschichte des George W. Bush, der an diesem Donnerstag, den 6. Juli 2006, seinen sechzigsten Geburtstag feiert - und damit auf den Tag genau so alt ist wie Sylvester Stallone.

Beide galten als Versager

Nähmen wir an, George W. Bush hätte den Geburtstag mit Dustin Hoffman gemeinsam, dann hätten wir mit den Schultern gezuckt; oder vielleicht mit Michael Moore, dann hätten wir recht herzlich gelacht. Bush und Stallone aber, in dieser Kombination liegt eine Symbolik, die wahrhaft bestechend ist. Beide, den in New Haven, Connectitut, geborenen Politikersprößling, der seine wohlbehütete Kindheit und Jugend in Texas verbrachte, und den in New York City gebürtigen Jungen mit sizilianischen Wurzeln, hielt man lange Zeit für Versager.

„Sly“ und „Dubya“: Stallone und Bush zum Sechzigsten

Stallone galt als schwer erziehbar, wurde von zwölf verschiedenen Schulen verwiesen, schlug sich später als Schauspieler in Kleinstrollen durch. Als Dreißigjähriger schaffte er 1976 dann den Durchbruch mit dem Boxerdrama „Rocky“. Er hatte beim Produzenten durchgesetzt, die Hauptrolle spielen zu dürfen, und ein zwar mickriges Honorar, doch eine hohe Gewinnbeteiligung ausgehandelt. George W. Bush wiederum galt lange als schwarzes Schaf seiner erfolgreichen Sippe. Er war mittelmäßiger Student, glückloser Unternehmer und emsiger Konsument alkoholischer Getränke. Mit vierzig schwor er dem Laster ab, entdeckte die Religion und forcierte seine politische Karriere, in welcher er seinem Vater schließlich ins Präsidentenamt folgte und diesen sogar übertrumpfte: durch seine Wiederwahl, die Bush Senior verwehrt blieb.

Schlechte Schauspieler

Selbst zu Zeiten indes, als beide schon weltbekannt waren, zogen Bush wie Stallone noch reichlich Hohn auf sich. Stallone wurde - gerade dann, wenn er sich an ernsten Rollen versuchte - als Darsteller nicht ernstgenommen und erhielt 1992 die „Goldene Himbeere“ als „schlechtester Schauspieler des Jahrzehnts“. Nicht weniger Kritik zog Bush in seiner Rolle als Präsident auf sich. Er gilt wahlweise als Scharfmacher oder als von Scharfmachern gesteuerte Marionette, man sagt ihm Probleme mit der amerikanischen Sprache nach und mit anderen sowieso, und man schmäht ihn als Strohkopf und Witzfigur. Doch hätte es ein Mensch ohne jeglichen Verstand oder Charisma so weit bringen können? Auch Stallone wird bis heute unterschätzt, als Muskelmann und Dumpffilmer. Dabei soll er über einen überaus hohen Intelligenzquotienten verfügen, die schöne Literatur und die Malerei lieben. Und Drehbücher schreiben kann er auch.

Und wer wollte die bittere Ironie darin übersehen, daß jener Mann, der seine Soldaten in den Irak-Krieg führte, dessen Ausgang bis heute mindestens offen ist, am selben Tag die Kerzen seiner Torte ausbläst wie der Schauspieler, der als „Rambo“ einen Vietnamveteranen spielte, den der Krieg nicht mehr losläßt - so daß er sich durch zwei Fortsetzungen und demnächst auch noch durch die dritte metzeln muß?

Auch „Rocky“ wird Stallone - Spitzname „Sly“, was „schlau“, „listig“ oder „verschlagen“ bedeuten kann - nicht mehr los. Der Schauspieler wird bald zum sechsten Male in den Boxring steigen. Bei Bush hingegen - kurz „Doubleyou“ oder noch kürzer „Dubya“ genannt - ist schon nach der ersten Fortsetzung das Ende erreicht: Eine dritte Amtszeit ist dem amerikanischen Präsidenten nicht möglich. An ihrem gemeinsamen Geburtstag ehren wir diese beiden so außergewöhnlichen, so umstrittenen Amerikaner mit einer Bildergalerie - die zeitweilig den Verdacht aufkommen läßt, der eine habe dem anderen als Rollenvorbild gedient. Wer welchem, mag jeder für sich entscheiden.

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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Gesellschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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