Home
http://www.faz.net/-gs6-r0gl
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Mittwoch, 15. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Springer übernimmt Pro Sieben „Ein hochprofitables Geschäft“

05.08.2005 ·  Der Springer-Konzern übernimmt die Mehrheit an der Pro Sieben Sat.1 Media AG. Das Geschäft, bei dem Deutschlands zweigrößtes Medienunternehmen entstehen soll, kostet den Verlag über vier Milliarden Euro. Spinger plant die Übernahme bis Ende des Jahres abzuschließen.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Die Meldung wird seit langem erwartet, immer und immer wieder ist der baldige Vollzug in Aussicht gestellt worden, doch jetzt darf man schreiben: Der Springer-Konzern übernimmt die Mehrheit an der Fernsehgruppe Pro Sieben Sat.1. Die Entscheidung gab Europas größter Zeitungskonzern am Freitag in Berlin bekannt.

Das Verlagshaus will für den Kauf des Fernsehunternehmens insgesamt rund 4,15 Milliarden Euro aufwenden. Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner erklärte am Freitag auf einer Pressekonferenz in München, 2,5 Milliarden gingen an die Großaktionäre um Haim Saban, die damit „ein glänzendes Geschäft“ machten. Eine Milliarde gehe an die Kleinaktionäre, die ihre Pro-Sieben-Sat.1-Aktien verkaufen wollten. Eine halbe Milliarde koste die Refinanzierung von Schulden.

Die Übernahme sei finanziert durch Kredite in Höhe von drei Milliarden Euro und eine Kapitalerhöhung in Höhe von 1,1 Milliarden, sagte Döpfner. Springer investiere „in ein hochprofitables Geschäft“. Die Übernahme „rechnet sich, ohne daß wir auf die Realisierung von Synergien angewiesen sind“. Der Gesamtumsatz der neuen Springer-Gruppe betrage 4,2 Milliarden Euro.

Zuversicht über die kartellrechtliche Genehmigung

Für die Übernahme erhöht die Axel Springer AG ihre bestehende Beteiligung von derzeit rund 12 auf 100 Prozent der stimmberechtigten Stammaktien sowie auf 25 Prozent der nicht stimmberechtigten Aktien. Nach Vertragsvollzug hätte Springer 62,5 Prozent des Gesamtkapitals und sämtliche Stimmrechte.

Das Bundeskartellamt prüft, ob durch die Mehrheitsübernahme eine marktbeherrschende Stellung entsteht oder verstärkt wird. Entscheidend für Springer wird sein, wie die Behörde die betroffenen Märkte - Fernsehen, Presse und Hörfunk - voneinander abgrenzt. Nach gängiger Praxis vermuten die Bonner Wettbewerbshüter eine Beherrschung, wenn der Marktanteil im betrachteten Bereich über einem Drittel liegt. Allerdings hat die Behörde einen Spielraum: Bei entsprechender Stärke und Zahl der Konkurrenten etwa kann sie Fusionen auch oberhalb dieser Schwelle erlauben.

Der Springer-Konzern gibt sich optimistisch, was die kartellrechtliche Genehmigung der geplanten Übernahme angeht. „Wir sind zuversichtlich, daß es gute Gründe für eine Genehmigung des Zusammenschlusses beider Unternehmen gibt“, sagte Springer-Chef Mathias Döpfner am Freitag in München. Er verwies auf die 2001 genehmigte Übernahme der RTL-Gruppe durch Bertelsmann.

Transaktion bis Jahresende abschließen

Döpfner sagte, die Angebotsfrist für das Übernahmeangebot an die außenstehenden Vorzugsaktionäre könne Mitte oder Ende September beginnen und dürfe dann bis zu zehn Wochen dauern. Die Transaktion könne bis Jahresende abgeschlossen werden. Zum schnellstmöglichen Zeitpunkt danach sollten die Unternehmen verschmolzen werden. Das Kartellamt hat für die Prüfung maximal vier Monate Zeit. Der Kartellamtspräsident Ulf Böge sagte, eine solche Prüfung könne erst beginnen, wenn die Fakten auf dem Tisch lägen.

Durch die Übernahme entsteht der zweitgrößte deutsche Medienkonzern nach Bertelsmann, der gemessen am Umsatz aber durch sein Buchgeschäft noch um ein mehrfaches größer ist. Döpfner erfüllt mit dem Schritt auch den Traum des einstigen Verlagsgründer Axel Springer, den das Geschäft des Zeitungsverlegers aufs Fernsehen auszuweiten. Der Springer-Chef sagte, die wahren Wettbewerber der Zukunft seien „die Googles und die Yahoos“. „Wir werden auch diesen Wettbewerbern Paroli bieten können. Das ist vielleicht die wichtigste Begründung dieser Transaktion“, sagte Döpfner. Alleine wäre das für beide Unternehmen schwieriger.

Gutes Geschäft für Saban

Im Rahmen der Übernahme werden die bisherigen Pro-Sieben-Mehrheitseigner um Saban 23,37 Euro je Stammaktie bar erhalten. Die Investorengruppe war nach der Pleite der Kirch-Gruppe vor zwei Jahren bei Pro Sieben Sat.1 eingestiegen und hatte seinerzeit für die erste große Tranche ihrer Beteiligung 7,50 Euro je Aktie bezahlt. Ein kleiner Teil der Aktien soll mit Springer-Aktien bezahlt werden, wodurch die Investorengruppe einen Anteil von 2,41 Prozent an Springer erhält. Der Aufsichtsrat von Springer und der Vorstand von Pro Sieben Sat.1 hätten dem Vorhaben zugestimmt, hieß es.

Springer teilte mit, der Konzern habe die erforderlichen Finanzierungszusagen erhalten, um die fast komplett per Barzahlung geplante Transaktion sicherzustellen. „Nach Abschluß des Übernahmeangebots plant Springer ferner, in Abhängigkeit von der Annahmequote des Übernahmeangebots das Kapital gegen Ausgabe neu zu schaffender Vorzugsaktien zu erhöhen“, hieß es. Das Abfindungsangebot für die Vorzugsaktionäre soll sich an einem über drei Monate ermittelten Durchschnittswert des Aktienkurses orientieren. Der bislang errechnete Preis von 14,10 Euro liegt allerdings unter dem Schlußkurs der Pro-Sieben-Sat.1-Aktie vom Donnerstag von 14,80 Euro. Die Aktie ist im Nebenwerteindex MDax notiert.

Springer-Chef Döpfner hatte in der Vergangenheit stets gesagt, daß der Anteil an Pro Sieben Sat.1 entweder deutlich aufgestockt oder zu einem attraktiven Preis abgestoßen werden solle. An liquiden Mitteln stehen Springer ausweislich des letzten Quartalsberichts für das Übernahmegeschäft 450 Millionen Euro zur Verfügung. Zuletzt hieß es, als möglicher Kreditgeber soll die Deutsche Bank bereitstehen. Eine Kapitalerhöhung dürfte für das Haus Springer nicht in Frage kommen, da dann die Mehrheit der Hauptaktionärin Friede Springer in Gefahr geraten könnte.

Quelle: FAZ.NET mit Material von miha./F.A.Z., AP, Reuters, DPA
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Polenpolder

Von Dirk Schümer

Islamhass war gestern, jetzt sind die Zuwanderer dran. Auf einer Website können sich Holländer über Osteuropäer beschweren. Der Initiator Geert Wilders mutiert damit zur Witzfigur. Mehr 1