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Springer Döpfner gibt Medienfusion nicht verloren

04.01.2006 ·  Springer-Chef Döpfner will weiter um die Fusion mit Pro Sieben Sat.1 kämpfen. Mit der F.A.Z. spricht er über neue Angebote, unannehmbare Modelle und Deutschlands nationalen Masochismus.

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Der Vorstandsvorsitzende von Springer, Mathias Döpfner, will um die Fusion mit der Fernsehgruppe Pro Sieben Sat.1 weiter kämpfen. Der Kommission zur Ermittlung des Konzentrationsbedarfs (Kek) will er dazu an diesem Donnerstag ein Angebot zu einem Fernsehbeirat unterbreiten, wie er bei dem zweiten Treffen mit dem Gremium im Dezember besprochen worden sei.

„Wir werden deutlich machen, wie unseres Erachtens ein Beirat aussehen könnte“, sagte Döpfner im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Mittwochsausgabe). Der Beirat solle Cross-Promotion verhindern, aber nicht die unternehmerische Verantwortung tragen, wie es die Kek schriftlich am 23. Dezember gefordert hatte. Dieses Modell sei „auf den allerersten Blick absurd“, sagte Döpfner. „Allein aus aktienrechtlichen Gründen dürften wir das gar nicht akzeptieren. Der klare Verzicht auf wirtschaftliche und marktorientierte Ziele, so dort formuliert, verstößt gegen die Satzung eines börsennotierten Unternehmens, dessen Gesellschaftszweck die ,Gewinnerzielung' ist. Wir würden uns der Untreue am Aktionärsvermögen schuldig machen. Eine Serie von Schadensersatzklagen wäre die berechtigte Folge. Unannehmbar.“

Neue Angebote ans Kartellamt

Döpfner widersprach der Darstellung der Kek, daß Springer wissen mußte, worauf das Beirats-Modell für Sat.1 hinausliefe: Es sei beim zweiten Treffen mit der Kek mündlich ein „Eckpunktepapier“ referiert worden, zu dem er „sicherheitshalber“ dreimal nachgefragt habe, „ob sichergestellt sei, daß die wirtschaftliche Kontrolle und die Budgethoheit beim Gesellschafter blieben. Bei Personalien seien Vetorechte vorstellbar, nicht aber ein Alleinberufungsrecht des Beirats. Dies ist vom Vorsitzenden der Kek, Professor Dieter Dörr, jedesmal klar bestätigt worden. Auch, daß in einem späteren Stadium keine weiteren Forderungen draufgesattelt werden dürften.“

Dem Bundeskartellamt, das am 20. Januar über die Fusion entscheidet, will Döpfner neue Angebote machen: „Wir bieten die Desinvestition aller gemeinsam mit Bertelsmann gehaltenen Unternehmensbeteiligungen an: die Beteiligung an dem Druckunternehmen Prinovis, unsere gesamten Radiobeteiligungen sowie einige Logistik-Joint-Ventures.“ Er sei auch bereit, sagte Döpfner, rechtsverbindlich festzuschreiben, daß Pro Sieben Sat.1 kein „Bild-TV“ mache und keine Cross-Promotion mit den Zeitungen betreibe, worüber der von Springer vorgeschlagene Fernsehbeirat wachen solle: „Diese Auflagen würden auch in die Lizenzen der Sender einfließen: kein ,Bild-TV', keine Cross-Promotion. Was man nicht vorhat, kann man sich auch gerne verbieten lassen.“ Einen ganzen Sender wie Sat.1 oder Pro Sieben abgeben will Döpfner nicht: „Diesen Vorschlag der Kek haben wir abgelehnt.“ Über einen eventuellen Antrag auf Ministererlaubnis oder eine Klage gegen die zu erwartende Kartellamtsentscheidung werde man erst entscheiden, wenn es soweit sei.

„Nationaler Masochismus“

Käme die Fusion nicht zustande, meint Döpfner, würde sich Springer wieder stärker auf sein Auslandsgeschäft konzentrieren und gäbe es für die Übernahme von Pro Sieben Sat.1 wohl eine „internationale Lösung“: „Damit wäre die Hälfte des deutschen Privatfernsehens in ausländischer Hand, was zum Beispiel in den Vereinigten Staaten durch eine Obergrenze von 25 Prozent gar nicht erlaubt wäre.“ Er begrüße sehr, „in welchem Maße Deutschland in den letzten Jahren von internationalen Kapitalgebern entdeckt wurde. Aber eines verstehe ich nicht: warum unser nationaler Masochismus so weit geht, eine erfolgversprechende Verbindung deutscher Unternehmen, die vielleicht einen zweiten im internationalen Maßstab wettbewerbsfähigen deutschen Medienkonzern entstehen lassen würde, vornehmlich negativ zu sehen.“

Zur Frage, ob er hoffe, daß die Landesmedienanstalten die Kek, so diese die Fusion ablehne, mit einer Dreiviertelmehrheit überstimmten, sagte Döpfner: „Daß wir ein Ja eher begrüßen als ein Nein, wird Sie nicht überraschen.“ Die Kek habe allein über das Entstehen vorherrschender Meinungsmacht im Fernsehen zu entscheiden und solle medienrelevante verwandte Märkte erst einbeziehen, wenn der Zuschaueranteil einer Gruppe über 25 Prozent liege. „Über beide Vorgaben will sich die Kek nach ihren bisherigen Äußerungen offenbar hinwegsetzen. Wir hoffen, daß die Tragweite dieser Entscheidung von allen Beteiligten erkannt wird, denn über die Zukunft knapp der Hälfte des deutschen Privatfernsehens und damit auch über die Zukunft des dualen Systems in Deutschland wird jetzt entschieden.“ Er hoffe nicht, so Döpfner, „daß mancher, der jetzt Triumphgeheul über die Durchsetzung persönlicher Animositäten anstimmt, in ein paar Jahren, wenn es zu spät ist, in Katzenjammer verfällt“.

Das vollständige Interview mit Mathias Döpfner lesen Sie in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 4. Januar 2006.

Quelle: F.A.Z.
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