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SPD-Beteiligung : "Rundschau"-Chefredakteur: Keine Angst vor der DDVG

  • -Aktualisiert am

Neue Nähe: „Frankfurter Rundschau” und SPD Bild: dpa/dpaweb

Wolfgang Storz, Chefredakteur der „Frankfurter Rundschau“, wird künftig damit leben müssen, seine Zeitung als "SPD-Blatt" bezeichnet zu sehen. Im Gespräch mit der F.A.Z. gibt sich der Journalist unerschrocken.

          Ziemlich am Ende des kafkaesk engen Flurs liegt Zimmer 217, das Büro des "Rundschau"-Chefredakteurs Wolfgang Storz. Der Boden im Vorzimmer ist mit bläulichem Filz ausgelegt, auch das Mobiliar wirkt weder aufwendig noch freudig. Sogar die Computer des Zeitungshauses sollen öfter vom Absturz bedroht sein. Wolfgang Storz ist ein freundlicher Mann mit kurzgeschorenem Resthaar und angenehmen Umgangsformen. Er spricht mit leiser Stimme und hat die Angewohnheit, seinen Gesprächspartner häufig beim Namen zu nennen.

          Der Chefredakteur und seine Mannschaft haben anstrengende Wochen hinter sich, Tage der Ungewißheit. Erst am Mittwoch hat sich dann schließlich abgezeichnet, daß es die DDVG sein würde, die bei der "Rundschau" als Investor einsteigt. Storz und seine Redaktion werden künftig also damit leben müssen, ihre Zeitung als "SPD-Blatt" bezeichnet zu sehen. Macht ihn das nicht schier verrückt? Nein, sagt der Chefredakteur, er sei erleichtert.

          "Etliche haben Bauchschmerzen"

          So sieht er auch aus. Zunächst sei da das Ende der Bangigkeit über das materielle Fortbestehen des Blattes. Und dann sei mit der DDVG ein Partner gefunden worden, der nicht nur die materielle, sondern auch die publizistische Unversehrtheit sichern werde. Seinen Optimismus schöpft nun gerade der Chefredakteur einer Zeitung, die sich laut Statut als linksliberal definiert, aus den Kräften des Marktes: Der neue Eigentümer wolle Geld verdienen und brauche den Erfolg, den es ohne die Bewährung am Markt nicht geben könne. Ein nicht marktgerechtes Auftreten werde mit dem Untergang bestraft. Sehen das in seiner Redaktion alle so?

          Nein, gibt Storz zu, "etliche haben auch Bauchschmerzen". Diesem Mißbehagen will er sich in den nächsten Wochen stellen, "wir werden eine intensive Debatte führen". Seine Zuversicht über die künftige Unabhängigkeit der "Frankfurter Rundschau" nährt der Chefredakteur aus der Überzeugung, die SPD-eigene Medienholding werde sich in Inhalte nicht einmischen: "Sonst würde ja auch die ,Hannoversche Allgemeine' als Parteizeitung gelten."

          "Wir stellen uns dieser Herausforderung"

          Aber selbst wenn das Blatt alles richtig machen würde, wenn es sich an innerer und gedruckter Unabhängigkeit von niemandem übertreffen ließe, müßte es nicht doch stets mit dem Vorwurf leben, von der SPD "gekauft" worden zu sein? Storz zuckt die Schultern und sagt: "Ich finde Ihre Frage völlig legitim, dieser Debatte müssen wir uns stellen." Er verweist darauf, daß Zweifel an der Unabhängigkeit schon vor einem Jahr aufgekommen seien, als ausgerechnet die Regierung Koch dem Verlag eine Bürgschaft gab: "Und was ist passiert? Nichts ist passiert."

          Im übrigen glaubt Storz, da die "Rundschau" größere Öffentlichkeitswirkung entfalte als kleinere Blätter, an denen die SPD-Holding beteiligt ist, werde ihr politischer Kurs noch aufmerksamer beobachtet. "Und das ist mir hochwillkommen, wir stellen uns dieser Herausforderung." Sagt es, lehnt sich zurück und sieht wirklich sehr erleichtert aus.

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